Antje Müller will es wissen: "Deshalb bitte ich Sie jetzt um ihre Stimme", ruft es in fetten Lettern aus den Flugblättern, die die Überraschungskandidatin zur Wahl einer neuen Galionsfigur der Kreispartei auf den Tischen der 164 Delegierten verteilt hat. Viele stehen vor dem Kirchehrenbacher Pfarrheim noch Schlange. Denn jeder Wahlberechtigte muss sich vor dem Einlass registrieren lassen. Drinnen platzt der Saal schon fast aus den Nähten. Man muss zusammenrücken. Obwohl der Graben in der CSU zu spüren ist.

Spannung im Publikum


Vorne sitzt die Quadriga der stellvertretenden Kreisvorsitzenden - darunter Benedikt Graf Bentzel - der Wunschkandidat, für den sich eine Woche zuvor der engere Kreisvorstand einvernehmlich ausgesprochen hat. Er wirkt gelassen. Im Gegensatz dazu ist das Publikum höchst gespannt. An den Tischen wird getuschelt, die Kandidaten beobachtet und spekuliert, wer wohl das Rennen macht.

Antje Müller sitzt im hinteren Teil des Saales, neben ihrem Vater Rolf. Mit welchem Ergebnis rechnet sie? "Im Moment hab' ich kein Gefühl dafür", gesteht sie. Und der Vater fügt hinzu: "Wir haben keine negativen Stimmen gehört". Antje Müller gibt sich entspannt.

Graf Bentzel eröffnet die Versammlung und verleiht seiner Freude Ausdruck, "dass so viele gekommen sind, die sich für die Sache der CSU interessieren". Die Kellnerinnen haben Mühe, sich zwischen den dichten Stuhlreihen durchzukämpfen.

Inzwischen ist der Kirchehrenbacher CSU-Ortsvorsitzende Michael Knörrlein vor's Mikrofon getreten, um Einigkeit zu beschwören: "Beenden wir die Diskrepanzen und gehen es gemeinsam an." Es gelte, den Blick nach vorne zu richten und für die kommenden Wahlen die "Kommandobrücke zu besetzen".

Zukunftsweisendes Signal


Dann spricht Stefan Förtsch, einer der stellvertretenden Kreisvorsitzenden. Er redet vom "zukunftsweisenden Signal", das aus der Versammlung hinausgehe. "Es geht um die Wahl einer neuen Leitfigur." In den Tischreihen hebt sich eine Hand. "Ist das eine Wortmeldung", fragt Förtsch, "oder eine Schnitzel-Bestellung?" Das Signal gilt der Kellnerin.

MdL Eduard Nöth leitet den Wahlgang ein. Es gehe darum, eine Neuausrichtung der Partei vorzunehmen. Nach dem Rücktritt von Udo Schönfelder benötige man einen neuen Kopf an der Parteispitze. Förtsch erinnert an das zurückliegende halbe Jahr, das wahrlich nicht einfach gewesen sei, aber doch ein bisschen Ruhe gebracht habe, um nachzudenken. "Die Ruhe tat uns gut", betont der stellvertretende Kreisvorsitzende.

Mit Ruhe geführt


Dann geht's ans Eingemachte: Förtsch spricht die (von Antje Müller im Nachhinein kritisierte) Sitzung des engeren Kreisvorstandes in Muggendorf an. Dort habe sich genau eine Woche zuvor Benedikt Graf Bentzel im Kreis von 16 Teilnehmern als Kandidat erklärt. "Jeder hatte hier die Chance, seine Meinung kund zu tun", betont Förtsch. Nach einer ausführlichen Aussprache habe das Gremium den Grafen zur Wahl empfohlen. "Ein einstimmiges Votum ", unterstreicht er. Benedikt von Bentzel habe den Kreisvorstand mit Ruhe durch die letzte Zeit gebracht. "Wir sind der Meinung, dass er es gut gemacht hat und empfehlen ihn als Kreisvorsitzenden", ruft Förtsch in den Saal.

Das ist das Signal für den Unterstützerkreis von Antje Müller. Dazu gehört Thomas Dorscht aus Ebermannstadt. Auch er mahnt zur Ruhe im Kreisverband. "Nur so können wir die Zukunft meistern." Deshalb sei Antje Müller "ermutigt worden", sich zu dieser demokratischen Wahl zur Verfügung zu stellen. Und Dorscht fragt in die Reihen: "Was spricht dagegen, wenn der neue Kreisvorsitzende eine Kreisvorsitzende ist?" Als Antwort wird an einem Tisch geraunt: "Nur Ärger!" Dann tritt die Kandidatin ans Mikrofon: "Versteht Ihr mich alle?" Alle wohl nicht, ist in den Mienen einiger CSUler abzulesen.

Antje Müllers neue Erfahrung


Antje Müller erzählt von "einer ganz neuen Erfahrung", die sie in der vergangenen Woche gemacht habe: Sie sei Menschen begegnet, "die es gut mit mir meinen und solche, die ich offenbar vor den Kopf gestoßen habe." Als sie sich nach reiflicher Überlegung und Beratung zur Kandidatur entschlossen habe, hätten die Telefondrähte geglüht. "Wenn wir nur einen Bruchteil dieser Energie für die Zukunft aufbringen", erklärt sie, dann sei der Erfolg bei den vorausliegenden Wahlen sicher.

Dann kritisiert die CSU-Frau das Treffen des engeren Kreisvorstandes in Muggendorf: "Ich habe die Enttäuschung der vielen Ortsvorsitzenden gespürt, die nicht eingeladen worden waren." Antje Müller stellt fest: "Ich meine, dass irgendetwas im Kreisverband schief läuft!" Die Stütze der CSU im Kreis seien die 39 Ortsverbände. "Dies darf man nicht ignorieren."

Dann schlägt sie das Märchenbuch auf und erinnert mit "Des Kaisers neue Kleider" daran, dass "wir das eigentlich Wichtige nicht mehr sehen, sondern nur das, was wir sehen wollen". Müller appelliert, alle Kräfte des Kreisverbandes zu bündeln, "damit die alte Stärke der CSU im Kreis wieder hergestellt wird". Und am Ende bittet sie: "Geben Sie mir Ihre Stimme." Der Beifall ist groß.

Bentzels Draht zum Menschen


Bentzel nimmt den Ball auf: Auch er plädiert für Gemeinsamkeit, um den Kreisverband voranzuführen- egal wie die Wahl ausgehe. Auch er zeigt sich beeindruckt von der Energie, die zu spüren sei in der Partei. Aber er macht auch deutlich, dass es nicht um Lagerbildung und Befindlichkeiten gehen dürfe. Vertrauen sei wichtig - und die Basis dazu sei der Draht zum Menschen. "Dies ist mir wichtig", erklärt der Wunschkandidat des engeren Kreisvorstandes. Dann zeichnet er das gemeinsame "Haus" der CSU. Beim Bau sei der beste Architekt aber nur so gut, wie die einzelnen Helfer. Und wie bei einem Hausbau sei die ganze "Parteifamilie" notwendig, um Richtfest feiern zu können. "Unser Richtwert müssen die Wahlen sein, um in das gemeinsame Haus einziehen zu können", betont Benedikt Graf Bentzel. Applaus im ganzen Saal.

Pro und Contra


Die "Herz-Dame" bringt die Vorsitzende der Kreisfrauenunion, Birgit Kaletsch, ins Spiel: "Bitte geben sie einer Frau die Chance zu zeigen, was sie bewegen kann." Und Udo Grätt vom CSU-Ortsverband Ebermannstadt gesteht: "Ich kann nicht anders - ich muss für Antje Müller plädieren. Lassen sie einer Dame den Vortritt." Da Grätt seine Zuhörer mit "Genossinnen und Genossen" begrüßt hatte, korrigiert Marco Friepes mit "liebe schwarze Schwestern und Brüder". "Für mich geht es nicht darum, eine Frau oder einen Mann zu wählen", betont der Weilersbacher Ortsvorsitzende, "für mich geht es darum, den Kreisverband zusammenzuführen." Er plädiert für Bentzel. Schließlich macht auch der Eggolsheimer Delegierte Michael Hofmann aus seinem Herzen keine Mördergrube: "Ich muss mich für Benedikt von Bentzel aussprechen", betont er, "und ich will mich für ihn aussprechen!" Er drängte zum Aufbruch: Man habe nicht mehr viel Zeit um sich um das zu kümmern, "für was die Menschen uns wollen: Lösungen anzubieten, auf die die Bürger warten". Bentzel sei bekannt und habe das Ohr bei den Menschen.

Eindeutiger Wahlsieg für Bentzel


Schließlich folgt eine deutliche Mehrheit der Empfehlung des engeren Kreisvorstandes: Von 164 abgegebenen Stimmen entfallen, bei drei ungültigen Wahlzetteln, 100 auf Benedikt Graf Bentzel. Für Antje Müler votieren 61 Delegierte.

Am Ende zeigt sich der Sieger versöhnlich: "Machen wir den Graben zu!". Und Antje Müller versichert, Benedikt Graf Bentzel unterstützen zu wollen und die ganze Kraft in den Wahlkampf zu stecken: "Ich lebe für die CSU!"

Schönfelder äußert sich


Im Zusammenhang mit der Wahl des neuen Forchheimer Kreisvorsitzenden der CSU hat sich der alte Amtsinhaber Udo Schönfelder zu Wort gemeldet und erklärt, warum er sein Amt im Mai zur Verfügung gestellt hat. "Ausschlaggebend für meinen Rücktritt als CSU-Kreisvorsitzender war einzig und allein die Rücktrittsankündigung meiner Stellvertreter", lässt er wissen. Stefan Förtsch, Benedikt Graf Bentzel, Kerstin Debudey und Konrad Rosenzweig sollen damals gedroht haben hinzuwerfen, wenn Schönfelder den Vorsitz nicht aufgebe. Die Unstimmigkeiten in der CSU-Geschäftsstelle hinsichtlich der Hoheit über den Email-Verkehr seien laut Schönfelder zu diesem Zeitpunkt schon ausgeräumt gewesen und hätten keine Rolle mehr gespielt.