Sanfte Gitarrenklänge von Tänzen des schottischen Königshofs lagen in der Luft - einige Besucher des Wiesentgartens in Ebermannstadt waren am Mittwochabend leicht irritiert. Doch dann stellte sich heraus, dass zwei international renommierte Gitarristen im Rahmen einer achttägigen Wandertour ein Konzert gaben: Yvonne Zehner und Stefan Grasse waren untertags mit einer Gruppe von Wiesenttal nach Ebermannstadt gewandert.
Und diese Musikaufführung war der Abschluss dieses Tages. "Eine heiße Wanderung", stöhnte Holger Janz und spielte damit auf die hohen Temperaturen an. An diesem Tag hatten er und neun weitere Wanderer die Musiker begleitet. Die außergewöhnliche Tour hatte am vergangenen Freitag mit einem Auftaktkonzert in Pegnitz begonnen.

Von dort waren die Musiker und ihre Begleiter über Pottenstein, Rabenstein, Gößweinstein und die Burg Neideck am Mittwoch in Ebermanstadt angekommen. Vom Touristenverein waren Führer zur Verfügung gestellt worden; an diesem Tag hatte Werner Messingschlager die Gruppe begleitet.

Etwa 17 Kilometer waren sie unterwegs gewesen und hatten auch die Binghöhle besucht. "Das ist super, wenn einem die Fränkische Schweiz gezeigt und erklärt wird. Und dann noch die schöne Gitarrenmusik am Nachmittag und Abend", schwärmte Manfred Wolf aus der Nähe von Aachen. Er hatte das Sonntagskonzert auf Burg Rabenstein besucht und hatte sich kurz entschlossen der Gruppe bis Mittwoch angeschlossen. "Ich finde die Idee dieser Tour so toll. Musik hören und durch diese wunderschöne Landschaft wandern, das ist genial", lobte Holger Janz aus der Nähe von Hof.

Auch er hatte sich am Sonntag spontan entschlossen, sich den Wanderern anzuschließen. Renate Schüler und ihr Patenkind Sunita Tamang aus Nepal waren nur den einen Tag mit gewandert. "Sunita besucht mich gerade für zwei Monate. Ich wollte ihr meine Heimat zeigen, da kam die Tour gerade recht", erzählte Renate Schüler.


Überraschung in der Binghöhle

Und Sunita Tamang berichtete, dass sie besonders von der Binghöhle begeistert sei, denn Tropfsteinhöhlen gäbe es in Nepal nicht.

"Sie hielt das für künstlich, konnte gar nicht begreifen, dass das natürlich ist", ergänzte Renate Schüler, die mit Stefan Grasse einen Spanischkurs an der Volkshochschule Nürnberg belegt hatte. Die Wegbegleiter genossen das Laufen, die Ruhe, aber auch die Gespräche mit den anderen. "Das ist für uns auch immer spannend: Wer ist heute dabei", erzählte Musikerin Yvonne Zehner aus Österreich. Für sie ist es der erste Besuch in der Fränkischen Schweiz und sie ist ebenfalls begeistert von der Landschaft.

Als Österreicherin muss sie nur schmunzeln, wenn Franken von Bergen in der Fränkischen sprechen. Sie erzählte, dass sie Stefan Grasse auf einem Festival kennengelernt hatte. Schon dort sei die Idee dieser Tour entstanden: "Stefan hat sich dann mit der Zeit der Romantik auseinander gesetzt und mit viel Herz diese Tour entwickelt." Wie kommt man darauf die Fränkische Schweiz mit der Zeit der Romantik zu verbinden? "Ich hatte die Briefe der Berliner Wackenroder und Tieck, die Ende des 18. Jahrhunderts in Erlangen studierten und durch die Fränkische Schweiz reisten", erklärte Grasse.

Diese Eindrücke hielten sie eben in diesen Briefen fest, die Gründungsdokumente der Romantik gelten. Und was liegt näher als ein Wanderer, der auf einer Gitarre spielt. So kam es, dass die Gäste Stücke aus der Romantik im Biergarten in Ebermannstadt zu hören bekamen - und begeistert waren.