Dieser Kommentar gehört zum großen OB-Check des Fränkischen Tages. Diesen finden Sie hier.

Es gibt viel zu tun als Oberbürgermeister. Immer. Und es ist daher eine Frage der Priorisierung, welches Thema wann angegangen wird. Dass Uwe Kirschstein als OB andere Schwerpunkte in seiner Politik setzen wird als sein Amtsvorgänger Franz Stumpf, war nicht nur zu erwarten, es ist auch konsequent.

Bei der OB-Wahl 2016 stand Kirschstein für Aufbruch, die Mehrheit der Bürger stimmte für ihn und damit gegen die jahrelang dominante CSU in Forchheim. Nach nur vier Jahren Amtszeit musste sich Kirschstein bei der Kommunalwahl im März an dem messen lassen, was er vorangebracht hat. Dass er in der Stichwahl mehr als 55 Prozent der Stimmen erhalten hat, zeigt, dass er die Forchheimer überzeugt hatte.

War es der Aufbruch, der Umbruch, der Mut zu neuen Wegen? War es der Slogan "Lieblingsstadt", mit der er die emotionale Ebene getroffen und die Forchheimer in ihrer Heimatliebe erreicht hat? Oder waren es die sozialdemokratischen Punkte die ihm Pluspunkte bei der Wählerschaft eingebracht haben? All das zusammen!

Dass Kirschstein auf Kuschelkurs gegangen ist, kann ihm sicher keiner vorwerfen. Mit seiner teilweise harschen Vorgehensweise im Umgang mit den Stadträten oder bei "mutigen" Alleingängen, wie zum Beispiel der Klage zur Öffnung des Königsbades, hat er ein Profil gezeigt, das wenig mit der "alten Dame" SPD gleich hat. Sicher ist der OB jemand, den man nicht nur nach seinem Parteibuch wählt. Eine OB-Wahl ist immer auch eine Persönlichkeitswahl. Sicher ist auch, es finden sich Punkte, bei denen es noch Verbesserungspotential gibt. Doch Kirschstein überzeugte bei mittlerweile zwei Oberbürgermeisterwahlen die Mehrheit der Forchheimer. Und das als erster SPD-Mann in einer Stadt, die nicht mehr als Arbeiterstadt gilt. Forchheim hat sich zur modernen Stadt gewandelt, ist eine Stadt mit Geld, mit Geschichte, mit einem eigentlich eher konservativ geprägten Wählermilieu. Trotzdem hat Kirschstein entgegen der bayern- und deutschlandweiten Trends sein Amt behalten. Er macht etwas richtig! Mit einer Mischung aus sozialdemokratischen Themen und emotionaler Ansprache hat er es geschafft. Sein Erfolgsrezept ist es, das Moderne der SPD mitzunehmen, ohne die kompletten SPD-Attitüden anzunehmen. Deshalb wurde er gewählt - auch wenn das nicht allen passt.