In der Fränkischen Schweiz befindet sich das größte zusammenhängende Anbaugebiet für Kirschen in ganz Europa. Etwa 200 000 Bäume sind in der Region auf 2500 Hektar verteilt. In diesen Tagen herrscht dort große Betriebsamkeit und Emsigkeit.

Überall stehen Leitern, mit denen bereits früh am Morgen Bauern und Helfer die süßen roten Früchte pflücken. Während in den Tallagen die Kirschernte so langsam schon ihrem Ende entgegengeht, sind die Erntekräfte in den höheren Lagen noch voll dabei. Das gilt beispielsweise auch für Gerhard Zöberlein aus Wannbach. Gemeinsam mit seinem Team erwartet er einen guten Ertrag seiner etwa 500 Bäume: "Leider haben durch den Dauerregen mittlere Kirschsorten wie Sam oder Kordia gelitten", klagt Zöberlein er allerdings auch.


Knallrot und bissfest

Aufgrund des ausbleibenden Winds konnte sich das Wasser in der Kelchgrube - dabei handelt es sich um den Stilansatz der Kirsche - sammeln, sodass etwa ein Drittel der Früchte in der Folge aufplatzt sind und "zum Teil zu faulen beginnen".

Ob die Kirschen auch für den Schnapsbrenner interessant sind, entscheidet sich an den jeweiligen Öchslegraden. Einige Erzeuger haben sich für eine Überdachung ihrer Bäume entschieden. Davon versprechen sie sich, dass die Kirschen besser ausreifen. Die ohnehin schon große und bissfeste Kirsche "Regina" bekommt so im besten Fall noch eine schöne dunkelrote Farbe dazu, was den Kaufanreiz der Konsumenten in der Regel erhöht.

Da in diesem Jahr Spätfröste ausgeblieben sind und jede Blüte einen Fruchtansatz bilden konnte, haben viele Bäume in diesem Jahr an sogenannten Überbehängen gelitten. Das hatte zum Teil negative Folgen für die Größe der Früchte. Froh sind die Kirschabauern darüber, dass nur verhältnismäßig wenige Früchte von der Kirschfruchtfliege befallen sind. Warum dies trotz des recht milden Winters der Fall ist, wissen sie aber selbst nicht so recht.

Nicht nur auf den Leitern, auch in der Pretzfelder Trattstraße herrscht derzeit Hochbetrieb, wenn die etwa 250 Erzeuger aus der näheren und weiteren Umgebung ihre Kirschen im Obstgroßmarkt Fränkische Schweiz anliefern.

Hohe Nachfrage

"Bereits jetzt liegen wir mit dem Ernteertrag von etwa 44 000 Stück Sechs-Kilo-Steigen gut 50 Prozent über der vorjährigen angelieferten Gesamtmenge", bestätigt Manuel Rauch, Geschäftsführer des Obstgroßmarkts.

Da sich Angebot und Nachfrage decken, gibt es selbst bei diesen Großmengen derzeit keinen Absatzstau. Gegessen wird auch mit den Augen, denn für den Endverbraucher ist vorrangig nicht die Kirschsorte entscheidend, sondern die Frucht mit ihrem Aussehen und ihrer Größe. Deshalb kommt bei der Anlieferung der Früchte gerade der Qualitätsprüfung eine besondere Bedeutung zu. So ist Harald Schmitt im Pretzfelder Obstgroßmarkt dafür verantwortlich, dass die Süßkirschen der richtigen Qualitätskategorie mit den dazugehörigen Mindestgrößen zugeordnet werden.