Ganz im Zeichen der zehnjährigen Städtepartnerschaft mit der ungarischen Stadt Tiszaföldvár stand Gräfenberg. Eine staatliche Delegation war aus Ungarn angereist, um mit den Gräfenbergern ihre Freundschaft zu feiern. Dabei stand neben einem Ausflug nach Volkach und Nordheim der Festakt im Mittelpunkt der Feierlichkeiten.
In seiner Festansprache erinnerte Gräfenbergs Bürgermeister Werner Wolf (FW) an die Ursprünge der Partnerschaft mit Tiszaföldvár. Alles hatte im Jahr 1987 angefangen. Damals allerdings noch auf rein zwischenmenschlicher Ebene, ohne jeden offiziellen Anstrich. Die damalige Leiterin der FSV-Tanzgruppe, Gertrud Löhner, hatte Sänger und Chorleiter Antal Jordan aus Tiszaföldvár bei einem Gastspiel in Nürnberg kennengelernt.


Aus Nachbarn wurden Freunde

Schon kurz darauf nahm der Gräfenberger Männerchor "Frankonia" unter seinem damaligen und heutigen Vorsitzenden Heinz Pickelmann Kontakt mit den Ungarn auf.
Über erste gemeinsame Konzertbesuche und Reisen hinaus stellten damals schon die Gräfenberger Freunde immer wieder Hilfstransporte für ein Kinderheim im ungarischen Homok zusammen. Diese sollten helfen, die schlimmste Not der elternlosen Kinder zu lindern. So richtig kamen die Beziehungen schließlich mit dem Amtsantritt des Bürgermeisters Attila Borza 1998 in Fahrt.
Der Ungar trieb die Freundschaft mit Gräfenberg entschlossen voran. Es dauert allerdings noch bis Mai 2003, bis erst in Tiszaföldvár und zwei Monate später auf dem Gräfenberger Marktplatz die offiziellen Partnerschaftsverträge unterzeichnet worden sind.
Waren es auf ungarischer Seite Mihály Tárkany, Ferenc Todt und bis heute Mihály Magyar, die die Beziehung belebten und förderten, standen ihnen auf Gräfenberger Seite vor allem Hans-Günter Fiebig, Agnes Meinhardt und heute Gabor Kapocsanyi zur Seite.
So wurden mit den Jahren aus europäischen Nachbarn Freunde. Gesten wie die Einweihung des mit Bäumen und Weinstöcken aus der ungarischen Partnerstadt gerahmten "Tiszaföldvár-Platz" im Jahre 2007 haben in all den Jahren dazu die gegenseitige Freundschaft vertieft und ausgebaut.

Offenheit unter Freunden

Unter Freuden kann man sich aber auch offen die Meinung sagen. Gräfenbergs Bürgermeister Wolf hat sich deshalb das Recht herausgenommen, seine Irritation über jüngste politische Entwicklungen in Ungarn klar zum Ausdruck zu bringen. "Die Einschränkung der Presserechte oder auch die Änderung des Wahlgesetzes erfüllen mich mit großer Sorge", sagte Wolf.
Wer von Tiszaföldvárs Bürgermeister Istvan Hegedüs eine Antwort erwartet hatte, sah sich allerdings getäuscht. In gutem Deutsch bekräftigte Hegedüs stattdessen nochmals die Bedeutung der Städtepartnerschaft. Er nannte sie " eine wichtige Aufgabe, für die wir uns alle immer wieder engagieren müssen".
Auf Beschluss des Stadtrats verlieh Wolf anschließend die Verdienstmedaille der Stadt Gräfenberg an den früheren Bürgermeister Attila Borza aus Tiszaföldvár sowie an den Weinbauern János Szicsek. Letztere hatte Gräfenberg Rebstöcke gespendet.
Unter dem Applaus der Festgäste durften sich auch zwei Gräfenberger über die Verdienstmedaille freuen. Zum einen war dies Gertrud Löhner. Sie kann ohne Übertreibung als "Mutter der deutsch-ungarischen Partnerschaft" gelten. Ohne ihr Engagement würde es die Städtepartnerschaft mit Tiszaföldvár wahrscheinlich nicht geben.
Und auch der Vorsitzende des MGV "Frankonia" Gräfenberg, Heinz Pickelmann, bekam für seinen nimmermüden Einsatz die Verdienstmedaille.