Bei der Stadt-Umland-Bahn geht es um viel. Um viel Zeit, viele Entscheidungen, viele Pendler, viel Geld. Daher ist es wichtig, alle Argumente zu betrachten, die Möglichkeiten auszuloten. Auch deshalb hat die CSU-Fraktion des Forchheimer Kreistags nun einen Antrag eingebracht.

"Es nicht zu prüfen halten wir als CSU für unverantwortlich", betont Edwin Dippacher, Fraktionssprecher der CSU im Kreistag. Seine Fraktion fordert den Beitritt des Landkreises zum Landkreisübergreifenden Interkommunalen Bündnis Ostast Stub (Libos).

"Es bedarf nun einer objektiven Prüfung des Ostastes. Ob es dann tatsächlich dazu kommt, das sehen wir dann", sagt er. Es müsse nun grundsätzlich geprüft werden, ob man einen Ostast wolle. "Man muss hierfür die gesamte Region sehen." Deshalb findet er auch, sollen die Kreisräte das Gesamtinteresse im Blick haben.

Signalwirkung erwünscht

Es handle sich bei dem Beitritt des Landkreises Forchheim zu Libos auch um einen Akt, von dem man sich eine Signalwirkung erhoffe.

Bisher hatte man wegen der Finanzierung den Ostast für problematisch gehalten, doch mittlerweile gebe es diesen Grund nicht mehr - seit Anfang des Jahres wird nicht mehr nur der Bau auf eigenen Trassen gefördert, sondern auch dann, wenn die Schienen zum Beispiel auf der Straße verlaufen. So wäre es in Dormitz. Dort fuhr vor vielen Jahren bereits eine Bahn auf der Hauptstraße.

Ein Trassenverlauf für einen möglichen Ostast der Stub ist geografisch sehr herausfordernd, weiß Annette Mandry, Verkehrsplanerin beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). "Es besteht seit vielen Jahren eine Planung, eine Alternative ist aufgrund der topographischen Gegebenheiten fast unmöglich", sagt sie. Die betroffenen Kommunen wissen aber, wo die Trasse laufen würde, "und die Kommunen haben diese bisher freigehalten".

Man müsse bei der verkehrsrechtlichen Entwicklung immer sowohl den öffentlichen Personennahverkehr als auch den Individualverkehr im Blick behalten, sagt Dippacher. Der CSU seien Vor- und Nachteile bekannt, besonders auch, dass die finanziellen Auswirkungen des Baus eines Ostastes noch nicht abzuschätzen sind, trotzdem gehe es jetzt darum, sich eine objektive Prüfung nicht entgehen zu lassen. Einige Kommunen im Landkreis Forchheim hatten in ihren Gemeinderatssitzungen im September oder Oktober bereits Beschlüsse gefasst, in denen man den Kreistag gebeten hatte, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Eckental wünscht es sich

Einen solchen Beschluss gibt es auch in der Marktgemeinde Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt, in dessen Ortsteil Eschenau ein möglicher Stub-Ostast auf die Gräfenbergbahn treffen könnte. Anfang Oktober wurde hier ein Beschluss formuliert, man solle sich noch im Herbst 2020 von Seiten der Landkreise mit den Planungen beschäftigen. "Wir haben hierzu aktuell noch keine neuen Erkenntnisse, denn wir erwarten noch die Rückmeldung des Landkreises Erlangen-Höchstadt", erklärt Karin Adam, Pressesprecherin des Marktes Eckental. Sie weiß, dass neben Eckental auch Uttenreuth und Marloffstein bereits einen Beschluss in Richtung Landratsamt gesendet haben.

Auch in Erlangen wird debattiert

Der Bitte aus Eckental, Uttenreuth und Marloffstein wird im Landratsamt Erlangen-Höchstadt im Dezember nachgekommen. Pressesprecherin Stephanie Mack erklärt gegenüber dem Fränkischen Tag: "Landrat Alexander Tritthart will das Thema ,Ostast Stadt-Umland-Bahn' im Dezember dieses Jahres in den Gremien behandeln."

Sollte es auch zum Beitritt der beiden Landkreise zum Interkommunalen Bündnis kommen, so wäre ein weiterer Schritt gemacht. Doch wie bei dem gesamten Thema Stadt-Umland-Bahn ist das nur ein Schritt. Von vielen.