"Hier sind auch Menschen ohne Maske willkommen" - groß, bunt und auffällig hängt dieses Plakat an der Glastür der Metzgerei Walenta in Forchheim. Hier dürfen also auch Kunden eintreten, die "aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen" keine Maske tragen - egal ob sie dafür ein Attest haben oder nicht. In Zeiten, in denen über eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen  und Maskenpflicht in Schulen diskutiert wird, eine fragwürdige Aktion.

Auf Nachfrage von inFranken.de will Inhaber Tino Walenta erst nichts zu seinem Plakat sagen. Auf dem Plakat würde, so sagt er am Telefon, ein Auszug aus dem bayerischen Infektionsschutzgesetz stehen - mehr nicht. Die Frage nach dem Warum beantwortet er dann doch noch kurz.

Metzgerei in Forchheim: Darum hängt das Plakat an der Glastür der Metzgerei

"Weil viele, vor allem ältere Menschen, bei mir im Laden wegen diesem - ich nenne ihn mal Maulkorb - halb verreckt wären", sagt er am Telefon. Er hätte diesen Kunden erst einmal ein Glas Wasser und einen Stuhl angeboten, erklärt er. Mehr will er dazu nicht sagen. Er sieht sich im Recht.

Das ist er aber nicht: Laut der achten bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung gilt aktuell in Bayern eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung "für das Personal, Kunden und Begleitpersonen in Betrieben des Groß- und Einzelhandels und Einkaufszentren." Ausgenommen von dieser sind Personen, die "glaubhaft machen können, dass ihnen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung aufgrund einer Behinderung, aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder unzumutbar ist." Von "sonstigen Gründen", wie es auf dem Plakat stehen, ist nicht die Rede. Dass Metzger Walenta dies bei jedem Kunden kontrolliert, ist mehr als fraglich. 

Diesen Eindruck verstärkt auch die Facebook-Seite der Metzgerei Walenta: Dort teilt die Metzgerei aktuell sehr viele Inhalte in Sachen Corona. Die Richtung der meisten Posts ist eindeutig. Auch die Meldung, ein Kind soll wegen eines Mund-Nase-Schutzes auf dem Heimweg in Schweinfurt verstorben sein, teilte die Metzgerei am 30. September 2020.

Masken-Plakat in Metzgerei: Entsetzte Reaktionen im Netz

Die Polizei in Unterfranken hatte diese Meldung mittlerweile als einen Fake entlarvt und warnt seitdem vor der Verbreitung dieser Nachricht. In den Bewertungen auf der Seite der Metzgerei schreiben Kunden dem Inhaber ihre Meinung. Die fällt teilweise verheerend aus - doch das ändert sich schnell, wie sich später zeigen wird.

"Schwurbelmetzgerei, die es mit der Hygiene sehr locker sieht. Nein danke." schreibt eine Nutzerin. Eine andere findet die Metzgerei "qualitativ und personell" gut, es sei aber ein No-Go, dass "immer mehr Kunden ohne Masken oder anderen Schutz für Andere oder gegebenenfalls sich selbst" nicht nur toleriert, sondern "sogar im Aushang animiert" werden. Ein weiterer Facebook-Nutzer findet das komplette Hygienekonzept der Metzgerei fragwürdig. Er schreibt: "Wenn er beim Umgang mit Fleisch genauso auf Hygiene achtet, dann wirds übel."

Es ist nicht der erste Fall dieser Art in Franken: In Bamberg sorgte ein Hotel mit demselben Plakat für Diskussionen. Dort meldeten Gäste vermehrt Personal, das ohne Masken im Hotel unterwegs waren. Am Ende war ein Polizeieinsatz, bei dem vier Beamten verletzten wurden, das unschöne Ende dieser Diskussion. Auch eine Fleischerei in Nürnberg geriet mit ihrem "Anti-Masken-Plakat" in die Kritik. Der Inhaber hatte von "Söders Kasperletheater" gesprochen.

Inhaber droht vierstelliges Bußgeld - HWK will reagieren

Bei der Handwerkskammer Oberfranken (HWK) weiß man von dem Aushang und der Einstellung der Metzgerei in Forchheim nichts. "Wir dürften auch gar nicht disziplinarisch tätig werden", sagt der HWK-Geschäftsführer Dr. Bernhard Sauer im Gespräch mit inFranken.de. Man stehe den Handwerksbetrieben lediglich beratend zur Seite - auch aktuell in Zeiten von Corona, wenn Regeln unklar sind.

In solchen Fällen wie dem "Ohne-Maske-Willkommen"-Plakat in Forchheim, werde man "im persönlichen Gespräch eine vernünftige Lösung suchen." Damit möchte die HWK ein Imageschaden für eine ganze Branche verhindern. Er wolle sich das anschauen "und mit dem Metzger sprechen", fügt Sauer an. Maßnahmen kann da lediglich die Stadt ergreifen, meint er abschließend.

Ging es nach dem Busgeldkatalog der achten bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, droht dem Metzger ein Bußgeld von 5000 Euro. Diese Strafe müssen Betreiber von Groß- und Einzelhandelsbetrieben mit Kundenverkehr zahlen, die "kein Schutz- und Hygienekonzept vorlegen können."

Über Nacht: Zahlreiche positive Bewertungen

Nach dem Artikel von inFranken.de wird auf verschiedenen Seiten in den sozialen Netzwerken über das Plakat diskutiert. Zahlreiche Nutzer schreiben, sie würden dort nicht einkaufen. Ein Argument: Der Inhaber will seinen älteren Kunden zu Liebe die Maskenpflicht nicht befolgen - was aber, wenn ein Kunde durch einen anderen in seiner Metzgerei angesteckt wird?

Inhaber Walenta wurde aber auch für sein Plakat gefeiert. Viele würden jetzt dort ihre Wurst und ihr Fleisch kaufen, heißt es in den Kommentaren der inFranken.de-Facebookseite. Über Nacht haben zudem zahlreiche Facebook-Nutzer positive Bewertungen auf dem Auftritt der Metzgerei hinterlassen.

Dazu aufgerufen hatte ein Nutzer in dem sozialen Netzwerk. Ihre Fans sollen doch bitte kurz eine positive Bewertung hinterlassen. Kurz danach vergaben mehrere Fans der Metzger-Seite bis zu fünf Sterne. Personal, Chef und die Steaks werden immer wieder herausgehoben und gelobt. Ob die Rezensentinnen und Rezensenten aber wirklich in der Metzgerei einkaufen waren, ist unklar.