Als die Menschen aus Mittelehrenbach und Umgebung jetzt Franz Heim das letzte Geleit gaben, wird nicht wenige das Gefühl beschlichen haben, eine Epoche neige sich ihrem Ende. Heim, der am vergangenen Samstag mit 89 Jahren gestorben ist, war Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Leutenbach.
Die Kirche St. Wendelin in seinem Heimatdorf Mittelehrenbach war für die Trauergäste viel zu klein. "Franz Heim hat viel von seiner Zeit im Leben verschenkt für die Schule, die politische Gemeinde, den Chorgesang, die Orgel und für die Raiffeisenbank", würdigte Pfarrer Alfred Beißer den Toten.

Und das Gros der Trauergäste verstand, was Beißer damit sagen wollte. Heim hat die Region über Jahrzehnte hinweg geprägt. Nach der Volksschule in Leutenbach und dem glänzenden Abitur bei den Redemptoristen in Gars am Inn - seine schlechteste Note war eine Zwei in Sport - war Heim Soldat im Zweiten Weltkrieg. Er musste mitansehen, wie sein Vater 1933 von den Nazis als Bürgermeister abgesetzt wurde und Monate im Gefängnis verbrachte.
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Heim wusste, wie man verhandelt


Bis 1948 verlor er fast die gesamte Familie. Zu diesem Zeitpunkt heiratet er seine Ehefrau Mathilde. Zunächst übernahm er die elterliche Landwirtschaft - nur um bald zu erkennen, dass die Landwirtschaft nicht seine Bestimmung war.

Nach dem Studium in Erlangen und dem Referendariat 1958-1960 in Forchheim fand er seinen Beruf als Gymnasiallehrer für Latein, Griechisch und Geschichte am Alten Gymnasium, dem späteren Kaiser Heinrich Gymnasium (KHG), in Bamberg. Als Studiendirektor ging er dort mit 65 Jahren in Pension. Insgesamt 43 Jahre, so erinnerte Bürgermeister Otto Siebenhaar in seiner Grabrede, diente Heim der politischen Gemeinde, davon 29 Jahre als Gemeindeoberhaupt.

Viele erinnern sich, wie er die Staubstraßen von Seidmar und Ortspitz bis Mittelehrenbach staubfrei machen ließ und mit großem Verhandlungsgeschick die Höhenstraße von Mittelehrenbach nach Thuisbrunn durchsetzte. "Wenn er von einem Bauern vorn hinaus gesteckt wurde, ging er durch den Kuhstall wieder hinein und verhandelte, bis das gewünschte Ergebnis vorlag", geht ein geflügeltes Wort über ihn um.
Ein großes Thema für Heim war die Gemeindegebietsreform 1978, als er die früheren Gemeinden Oberehrenbach und Mittelehrenbach mit Leutenbach zusammenführte. Leidenschaftlich kämpfte Heim Anfang der 70er Jahre für eine große Schullösung mit Sitz in Dietzhof. Eine Nachbargemeinde folgte nicht. Heim konnte aber zumindest ab 1972 eine Grund- und Teilhauptschule in Mittelehrenbach retten. 1990 schied er als Bürgermeister aus und erhielt von der Ehrenbürgerschaft bis zum Bundesverdienstkreuz viele Auszeichnungen.

"Er ließen keinen hängen"


Als "Mann der Tat, des Fortschritts und des Weitblicks, ein eingefleischten Genossenschaftler" würdigte Gregor Scheller, Vorsitzender der Volksbank Forchheim, Franz Heim. Heim habe eine der ersten Genossenschaftsbanken Oberfrankens in Mittelehrenbach gegründet.

Mancher mag sich noch an jene Zeit erinnert haben, als die Wohnstube von Franz Heim in bescheidenen Anfängen als Gemeindezimmer, Standesamt oder auch als Bankraum gedient hat, wo Geschäfte unbürokratisch, unorthodox, aber effektiv abgewickelt wurden.

"Angesehen und behilflich, fordernd und fördernd, jemand, der keinen Schüler hängen ließ", so bezeichnete Franz Parthe, damaliger Leiter des KHG, seinen ehemaligen Kollegen. Ein Blumenstrauß der Schüler am Jahresende sei oft Zeichen der Beliebtheit gewesen.

Durch seine kommunalpolitische Erfahrung, sein wirtschaftliches Denken habe er in den vielen Diskussionen in den Jahren der Apo und Studentenbewegung bestehen können. Franz Heim war das typische Mitglied einer Generation, die von den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieg und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ebenso geprägt worden ist, wie vom nachfolgenden deutschen Wiederaufbau.
Männer wie Franz Heim waren bereit, hart zu arbeiten und sich für andere einzusetzen. Männer wie Franz Heim haben bei allem Ernst aber immer auch Freundlichkeit und Zuversicht ausgestrahlt.