Acht Wochen lang streifte eine braune Labradorhündin durch die Landkreise Forchheim, Erlangen-Höchstadt und die Stadt Erlangen - auf der Suche nach ihrem Zuhause. Nun konnten Andrea Schöpfels Hundesuchhilfe-Team Franken und Christoph Reh, Oberkommissar der Polizeidienststelle Uttenreuth, das Hundemädel in Erlangen beim Exerzierplatz sichern. Sie brachten das Tier ins Erlanger Tierheim. Sie gilt als Fundsache: Die Hündin ist gechipt, aber nicht registriert, so dass der Besitzer bislang nicht ermittelt werden konnte. Eine Suchanzeige ging in den vergangenen Wochen auch nicht ein. Das lässt nur zwei Möglichkeiten zu. "Entweder der Labrador kommt von sehr weit her oder der Besitzer wollte sich des Hundes entledigen", erklärt Christoph Reh, der Tierschutzbeauftragte der Polizeiinspektion Erlangen-Land, der bei der Sicherung am Samstag dabei war. Diese Einfangen war fast ebenso abenteuerlich wie die Odyssee der Hündin. "Es war das Können des Suchhundeteams. Es hat 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche unermüdlich gearbeitet", lobt Reh die Arbeit von Schöpfel und ihren ehrenamtlichen Tierschützern.

Seit Februar unterwegs

Bereits im Februar war Andrea Schöpfel gebeten worden, bei der Suche nach dem Labrador, der damals noch in der Gräfenberger Gegend unterwegs war, zu helfen. Die Hündin war zutraulich. Bereitgestelltes Futter nahm sie aber nicht an. Und sobald man die Hand nach ihr ausstreckte, rannte sie davon. "Kein Hund ist gerne alleine draußen und kämpft ums Überleben", sagt Andrea Schöpfel aus Gunzenhausen, die hier übernahm. Nach den gemeldeten Sichtungen fertigte sie eine Karte an, um die Route des Labradors verfolgen zu können. Zu dem Zeitpunkt war die Hundedame bereits in Igensdorf und der Gegend um Neunkirchen am Brand unterwegs. Schließlich lief sie immer weiter Richtung Bubenreuth und Erlangen. Die Karte zeigt, dass sich der Labrador dort die meiste Zeit aufgehalten hat. Trotzdem sorgten die oft bis zu 25 Meldungen täglich der mitfiebernden Bürger teils für Verwirrung. "Eine Zeitlang dachten wir, es sind zwei Labradore unterwegs", erzählt Andrea Schöpfel. Denn es gingen gleichzeitig bei der Tierschützerin Sichtungsmeldungen aus Gräfenberg und Erlangen ein. An den Orten, an denen die Hündin am häufigsten gesehen wurde, stellten Andrea Schmidt und Ines Becker dann Futterstellen auf. Diese waren videoüberwacht. Sieben Stellen wurden von den beiden Erlanger Mitarbeiterinnen täglich angefahren und mit Leckereien bestückt. Doch der Labrador schien keinen Hunger zu haben, haben doch viele Bürger entlang der Route des Hundes Futterstellen aufgestellt oder haben versucht, ihn selbst zu fangen. Das gut gemeinte Verhalten war für die Sicherung jedoch kontraproduktiv. "Nadja hat dann Flyer verteilt und die Menschen gebeten, den Hund in Ruhe zu lassen, damit er gesichert werden kann", erklärt Schöpfel. Denn durch die Fangversuche rannte die Hündin auf die Straße, die sie sonst mied. Dass der Hund dem Verkehr zum Opfer fällt, war eine der großen Sorgen von Schöpfel und Reh.

Alle Jäger informiert

Christoph Reh informierte entlang der Route alle Jäger. Letztendlich zeigte sich anhand der Videoaufnahmen an der Futterstelle am Exerzierplatz ein Erfolg. Nicht nur Vögel, ein Marder, ein Igel und ein Fuchs holten sich das Steak oder den gekochten Schinken, sondern eben auch der gesuchte Labrador. Jeder der Beteiligten wusste: Es musste schnell gehen, um dort die Lebendfalle platzieren zu können. Dazu brauchten die Tierschützer eine Genehmigung der Stadt, der dieser Platz gehört. Das war am Freitag um 14 Uhr unmöglich. Den Tierfreunden lief die Zeit und mit ihr der Hund davon. "Ich habe drei Stunden lang versucht, einen Verantwortlichen zu erreichen. Der 13. Anruf brachte die Lösung. Der 14. Anruf wäre die Handynummer von Oberbürgermeister Florian Janik gewesen. Ich hätte ihn wohl beim Abendessen stören müssen", erzählt Reh. Nur mit der Unterstützung der beiden Erlanger Stadträte Jörg Volleth und Helmut Wening und seines Kollegen Tobias Nägel habe der Kontakt zu den Verantwortlichen hergestellt und die Genehmigung für das Abstellen der Lebendfalle erwirkt werden können, berichtet Reh.

Falle aus Lichtenfels

Die Falle wurde von Schöpfels Mitarbeiterin Sandra Lieke aus Lichtenfels hergefahren. Die von der Kamera übertragenen Bilder gingen bei Katja Culbertson ein - die ersten um 14.30 Uhr am Samstag, kurz nachdem die Lebendfalle aufgebaut worden war. Der Labrador wurde um 20.42 Uhr gefilmt. Da saß die Hündin vor der Falle und schnupperte. Das Futter lockte. Zehn Sekunden später saß die Hündin drin, die Falle ging zu. "Sie hat kurz gebellt", weiß Andrea Schöpfel, die einen Freudenschrei ausstieß, als sie von diesen Livebildern erfuhr. Die Erlanger Helferin Andrea Schmidt und Christoph Reh fuhren dann zur Falle. Zusammen mit weiteren Helfern luden sie den Käfig samt Hund auf einen Anhänger und fuhren zum Erlanger Tierheim. "Mir fiel ein Stein vom Herzen", sagt die überglückliche Andrea Schöpfel. Das Futter und die Benzinkosten, ebenso die Lebendfallen finanzierte Schöpfel aus ihrem privaten Geldbeutel. Sie möchte nun eine größere Lebendfalle anschaffen, denn es vergehe keine Woche, in der nicht ein Hund gesucht werde. Geld erhält die Hundesuchhilfe Franken nicht, da sie kein eingetragener Verein ist. "Sollte der Hund ausgesetzt worden sein, werde ich entsprechende Ermittlungen einleiten. Das Tierschutzgesetz sieht ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro dafür vor", kündigt der Polizeibeamte Christoph Reh an. Trotz aller Strapazen scheint die junge Labradordame, deren Alter von Schöpfel auf eineinhalb, höchstens zwei Jahre geschätzt wird, nicht abgemagert zu sein. Im Gegenteil. Eher wird vermutet, ein Rüde hat an der Hündin Gefallen gefunden. Das wird jedoch erst in den nächsten Tagen untersucht werden. Das Labradormädel jedenfalls war für das Hundesuchhilfe-Team eine Herausforderung. "Diese Maus wird mir immer in Erinnerung bleiben", sagt Andrea Schöpfel.