Quasi über Nacht stellte Walkersbrunn sein Brunnenfest doch noch auf die Beine. Im Frühjahr fürchteten die Bürger des Ortes, das Fest ins Wasser fallen - oder treffender "austrocknen" - lassen zu müssen. Der Grund: Aus dem Brunnen tröpfelte kein Wasser mehr. Ohne Brunnenwasser kein Brunnenfest - und das ausgerechnet im doppelten Jubiläumsjahr. Das Fest wird nur alle 25 Jahre gefeiert - heuer sollten 125 Jahre Wasserversorgung in Walkersbrunn begangen werden. Gewünscht wäre eine Besichtigung des Hochbehälters gewesen.


Gerüchte ärgern Bürger

Obwohl sich doch noch alles zum Guten wendete, lag ein Schatten über den Feierlichkeiten. Viele Gerüchte über Preiserhöhungen, an denen die Walkersbrunner selbst Schuld seien, verdunkelten das Grillfest. "Wir wollen ein gutes Verhältnis zu Gräfenberg", sagt Jörg-Dietrich Schmidt, der Presseverantwortliche der Dorfgemeinschaft. "Aber wir wollen auch von der Sündenbockschuld herunter."
Durch für die Wasserversorgung verantwortliche Mitarbeiter kam den Walkersbrunnern zu Ohren, dass ihr Wunsch, wieder eine eigene Wasserversorgung aus der Mürthenbrunnenquelle zu haben, und die "goldenen Leitungen", die im Hochbehälter gelegt worden seien, Gründe für eine kommende enorme Teuerung der Wasserpreise seien. Das zeichnete Sorgenfalten in die Gesichter der Bürger. Die Walkersbrunner hatten früher bereits eine eigene Wasserversorgung aus der Mürthenbachquelle und mussten deshalb kaum Wassergebühren bezahlen. Allerdings war der Hochbehälter nicht auf dem neuesten Stand der Technik, wie Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) informiert. Noch vor seiner Amtszeit - im Jahr 2002 - fiel die Entscheidung des Stadtrats, Walkersbrunn in die Gräfenberger Wasserversorgung einzubeziehen. Der Überschuss der Quelle wird seitdem zum Hochbehälter nach Kasberg gepumpt und steht der Allgemeinheit zur Verfügung.


Viel Geld verbaut

Nach dieser Entscheidung wurde das Wasserschutzgebiet erweitert. Der Landwirt, der dort keine Gülle mehr fahren darf, erhielt eine Ausgleichszahlung, die Leitungen von der Quelle zum Hochbehälter und das Ortsnetz wurden erneuert, der Hochbehälter selbst mit neuer Technik versehen. "Kurz: Es wurde viel Geld verbaut, aber es war ein politischer Entschluss, dass die Walkersbrunner ihr Wasser aus der Mürthenbachquelle behalten dürfen", so der Bürgermeister. Während der Bauphase wurden die Walkersbrunner von Gräfenberg mitversorgt. Doch das Gräfenberger Wasser wird von drei Quellen geschüttet. Ein Mischwasser aber wollten die Walkersbrunner nicht, was ihnen per Beschluss zugestanden wurde.


Kein Trinkwasser für den Brunnen

Ein weiterer Nachteil der Umbaumaßnahmen war, dass der Brunnen nicht mehr plätscherte, denn das überschüssige Wasser ging nach Kasberg. Wie sollte man den Brunnen wieder zum Laufen bringen? "Es konnte nicht sein, dass gutes Trinkwasser dafür verwendet wird, einen Brunnen zum Plätschern zu bringen", erklärt Nekolla das Problem, das der Stadtrat lösen musste und konnte. Die Filter der Feinfiltration in Walkersbrunn werden nämlich rückgespült. Mit diesem Wasser wird nun der Brunnen in Walkersbrunn gespeist - das Brunnenfest konnte gefeiert werden.

Wären da nicht die Gerüchte um die Kosten. Denn die Walkersbrunner sind der Auffassung, dass sie der Gräfenberger Wasserversorgung zugewiesen wurden, damit Gräfenberg einerseits das Walkersbrunner Überschusswasser nutzen kann und andererseits, um alle Walkersbrunner Haushalte an den Kosten der Sanierungsmaßnahmen der Gräfenberger Wassererneuerung zu beteiligen. Diese Kosten wurden laut Dorfgemeinschaft auf 6,3 Millionen Euro geschätzt, würden sich inzwischen aber auf mindestens 9,5 Millionen Euro belaufen. Die Schuld, dass die höheren Baukosten im künftigen Wasserpreis "versteckt" würden, schiebe man nun auf Walkersbrunn, ärgern sich die Bürger.

Bürgermeister Nekolla, der bei dem Fest nicht teilnehmen konnte, ist verwundert. "Die Baumaßnahme zur neuen Wasserversorgung ist abgeschlossen. Es wird keine Nachforderungen geben." Nekolla verspricht, ein Treffen mit den Bürgern an einem Tag der offenen Tür nachzuholen. Sämtliche Missverständnisse will er aus dem Wege räumen und hofft, dass sich die Wogen wieder glätten.