Ob sich Adolph Kolping und Friedrich Jahn im Grab umdrehen, wenn Farid Bang rappt, erfahren nur die Maden. Sorgen um den Ruf der Vorbilder machen sich einige Forchheimer in diesen Tagen trotzdem.
"Ich will die künstlerische Freiheit nicht einschränken, aber Kolping hätte sicher nicht gewollt, dass in einem Haus, das seinen Namen trägt, ein Gangster-Rap-Konzert stattfindet", sagt Hermann S. (Name von der Redaktion geändert, der Briefeschreiber hat Angst vor der Szene). Er richtet sich mit offenen Briefen besorgt an die Vorsitzenden des Kolpingvereins, der für die Vermietung des Saals zuständig ist, und warnt vor dem Einfluss von Rap-Musik.

Rap verdrängt Volksmusik

Farid Bang startete mit seinem neuen Album "Killa" in den deutschen Charts durch - verdrängte in der letzten Woche sogar Helene Fischer von der Spitze. Rap und Volksmusik sind nicht vergleichbar, eines haben die Musikrichtungen aber gemeinsam: Sie werden geliebt oder gehasst.

Osman Motor von der Shisha-Bar O.B.A. in der Hauptstraße hört zwar lieber Helene Fischer, ist aber stolz darauf, mit seinen beiden Brüdern, Konzerte für Jugendliche zu organisieren - ihnen einen Raum zu bieten. "Man wird kein schlechter Mensch, wenn man Rap hört", sagt Osman in gestochenem Deutsch. Er ist Forchheimer, hat als Jugendlicher selbst Rap gehört: "Und trotzdem eine Ausbildung abgeschlossen, meinen Techniker gemacht, ich habe eine gesunde Familie, ich verdiene ganz gut - ich bin glücklich."

Hermann S. dagegen sieht im Rap-Gesang eine gesellschaftliche Bedrohung, deshalb fordert er die Kolpingsfamilie auf, das Konzert abzusagen. Deren Vorstand äußerte sich auch auf Nachfrage unserer Zeitung nicht zu dem Konzert hinter christlichen Toren.

Der Gegner argumentiert so: "Wenn negative Gedanken verherrlicht werden, dann wird auch das Denken beeinflusst, und somit die Sprache und das Handeln der Menschen." Farid Bang rappt gerne über Mütter - und das in deutsch. Das klingt hart, härter als "motherfucker" im Englischen.

"Natürlich gefällt mir nicht unbedingt, welche Musik mein Sohn hört", sagt Bekir Motor, Organisator im Familienbetrieb O.B.A. "Es ihm zu verbieten, wäre aber nicht die Lösung. Englische Texte sind oft viel schlimmer. Rapper haben alle ein Problem mit Müttern."
Hermann S. will die Forchheimer Jugend vor der Gangster-Szene bewahren, beschützen, behüten. "Ich will nicht, dass Neukölln nach Forchheim kommt."

Er vergleicht Gangster-Rap mit der Skinhead-Szene: "Gangsta-Rapper verherrlichen Mord und Totschlag", und er zweifelt daran, dass es einen "vernünftigen Erwachsenen gibt, der diese Musik gut heißt." Aber: Müssen oder können Erwachsene die Texte verstehen?

Junge Forchheimer rappen gerne

Das aktuelle Album "Killa" wurde bereits über 40 000 Mal verkauft. Hinter dem Wort "Killa" verbirgt sich nicht der Mörder, vielmehr ist "killa" ein Ausruf von Begeisterung, Selbstbewusstsein - so viel, wie: "sehr geil". Das jedenfalls erklärt ein 16-Jähriger: "Er würde ja sonst nicht von sich selbst singen: 'Ich bin ein Killa'."

Mit am Samstag dabei ist auch der Forchheimer DJ Merkelmore. "Wir freuen uns, dass wir jungen Nachwuchs aus Forchheim unterstützen können", sagt Bekir Motor, der selbst über 13 Jahre als Veranstalter in Deutschland unterwegs war. Merkelmore: Ein Künstlername, der vermutlich nicht ohne Häme für die Bundeskanzlerin gewählt wurde - schon gar nicht, wenn man die Bilder im Netz verfolgt. Hauptsächlich erklärt er sich aber aus dem Nachnamen des Künstlers und lehnt sich an den amerikanischen Rapper Macklemore an.

"In Forchheim gibt es einige, die sich im Rappen versuchen", sagt Danny (16). Das Genre scheint in der Stadt beliebt zu sein. Einer von Deutschlands bekanntesten Rappern, Bushido, von dem schon einige Titel indiziert sind, ist auch für ein Konzert im Sommer angefragt - dann in der Jahnhalle. Aber auch dieses Konzert versucht Hermann S. zu verhindern und hat sich bereits an die SpVgg Jahn Forchheim gewandt.

Er befürchtet, die jugendlichen Fans könnten sich durch die aggressiven Texte beeinflussen lassen. Aber: Die Lieder von Farid Bang hören die Jugendlichen "immer". Wenn es ihnen gut geht, wenn sie sich schlecht fühlen: "Den ganzen Tag." Es scheint der Funken Übermut zu sein, der die Jugendlichen anspricht - und nicht immer allzu ernst genommen wird.

Vanessa (16) ist von Farid Bang deshalb überzeugt, "weil er so gefühlvoll ist. Bei Songs wie 'Dein Weg' steckt einfach was dahinter, so ist das Leben." Bekir Motor ist sich in zwei Dingen sicher: Das Konzert am Wochenende findet statt, es wird keine Prügelei geben. "Die Karten im Vorverkauf haben vor allem Mädchen abgeholt", sagt Bekir Motor, "außerdem haben wir das Security-Team engagiert, das sonst auch bei Beyonce und Co. aufpasst."

Live ist live - hautnah eben!

Auf einem Konzert erleben die Jugendlichen nicht nur einen Rapper, sondern in einigen Situationen auch den Menschen Farid Bang. "Danach können sie immer noch entscheiden, ob ihnen der Mensch und die Musik gefällt", sagt Bekir Motor.

"Solange sich die Musik so gut verkauft, ist aber doch alles gut", sagt Laki (16), die amerikanischen Rap bevorzugt. Und für alle Eltern und beunruhigten Bürger gibt Bekir Motor Entwarnung: "Man kann nicht alle Rapper in einen Sack stecken. Farid Bang hat gerade erst bei dem Kinofilm 'Fack ju Göhte' mitgespielt. Und: Er mag die Mütter."