Wenn heute Willi Müller in Geschwand seinen 65. Geburtstag im sonst so beschaulichen Geschwand feiert, wird dies aus gutem Grunde nicht ganz geräuschlos abgehen.
Müller ist Gründer und Chef eines Touristikunternehmens von 450 Mitarbeitern, Bürgermeister der Gemeinde Obertrubach und Kreisrat des Landkreises Forchheim. Jemand, der trotz der weltweiten Ausrichtung seines Geschäfts immer fest verwurzelt in seinem Heimatort Geschwand blieb, dem Familie und seine Heimat stets viel bedeuten.

Als jüngstes von vier Geschwistern übernahm er das kleine landwirtschaftliche Anwesen. Zuvor hatte er ab 1953 die Volksschule Geschwand besucht. "13 Schüler in acht Klassen in einem Raum", erinnert sich Müller und ein Lächeln huscht über sein Gesicht. "Das Verständnis seinerzeit war klar, du wirst Bauer", erzählt er weiter. Er absolvierte die landwirtschaftliche Lehre und schloss die Berufsschule in Pegnitz mit einem Staatspreis ab.
Ein geplanter Schweinemastbetrieb mit 400 Tieren erschien ihm 1967 nicht realistisch, auch wenn die Fachbehörden es anders sahen. Müller machte eine zweite Ausbildung als Versicherungskaufmann. Der Zufall wollte es, dass eine Firma für den Transport der Arbeiter nach Nürnberg ein Unternehmen suchte und versehentlich bei der Familie Müller anklopfte.

"Ich habe ausgeholfen, fuhr die Leute mit dem Bus des in der Nachbarschaft ansässigen Unternehmens." 1970 kaufte Willi Müller einen eigenen Omnibus und gründete eine Firma, aus der Schmetterling hervorging. Vater und Frau Cäcilia standen hinter der Entscheidung, setzten sich selbst hinter das Steuer. Alles weitere erinnert ein wenig an den berühmten amerikanischen Tellerwäscher, der es zum Millionär schaffte.
Müller zeichnen Mut, klares Denken, Logik und vorausschauendes Handeln aus. Es laufen mittlerweile an die 100 Busse. Er prägte den Begriff Schmetterling. Und dennoch hat dieser Zweig nur einen einstelligen Geschäftsanteil. Längst mutierte das Unternehmen zu einem boomenden Hightech-Unternehmen mit 3500 angeschlossenen Reisebüros, davon 2500 in Deutschland. So gehört die Firma zu den ganz Großen im Lande.
Unter den 450 Mitarbeitern befinden sich 50 Azubis in 13 Ausbildungsberufen, darunter Programmierer und für Geschwand eigentlich so untypische Berufe wie Mediengestalter. Allein rund 100 IT-Profis sind mit der Entwicklung von Buchungs- und Beratungsprogrammen, von Datenbanken, Programmen und Web-Anwendungen beschäftigt. "Was gestern war, muss heute nicht mehr richtig sein", betont Müller die Schnelllebigkeit. Der Blick nach vorne sei wichtig.

"Höchstleistungen kann ich nur erwarten, wenn ich auch entsprechende Freiheiten einräume", so Müller in Bezug auf seine Mitarbeiter. Anordnungen seien der schlechtere Weg, außerdem sollen die Mitarbeiter von Schmetterling erhobenen Hauptes und mit Selbstvertrauen auftreten. Politiker und Sprecher verschiedener politischer Couleur geben sich in Geschwand ebenso die Klinke in die Hand, wie Vorstände namhafte Reiseunternehmen. "So mancher Besucher schüttelt verwundert den Kopf und hätte so ein Unternehmen in Geschwand nicht erwartet", sagt Müller.

Die Familie spielt eine wichtige Rolle. Die Töchter Daniela Singer und Anya Müller-Eckert sind in der Geschäftsführung für den Reiseveranstalter und die Reisebüro-Kooperation verantwortlich. Schwiegersohn Elmar Singer kümmert sich um das Verkehrsunternehmen. Die gute Seele ist Ehefrau Cäcilia.
"Er ist ein interessanter und niemals langweiliger Mann, ich habe größten Respekt vor seinem Lebenswerk", sieht Karin Bürkner, langjährige Mitarbeiterin und zuständige Versicherungsmaklerin, ihren Chef. Müller habe von allem eine Ahnung, sei Tag und Nacht erreichbar.

Seit 2002 Gemeindechef


Dass Willi Müller auch seit 2002 als Bürgermeister (CSU) der Gemeinde Obertrubach dient, liegt wohl in der Tradition. Sein Vater war bis zur Gebietsreform 1978 Gemeindechef von Geschwand. "Mir war klar, dass ich dort eine sehr gute Verwaltung vorfinde, sonst hätte ich dieses Amt nicht übernommen", gibt Müller freimütig zu. Mutige Entscheidungen, wie das 2011 eröffnete Kletterzentrum ebenso wie der Trubachweg oder Dorferneuerungsmaßnahmen setzen Maßstäbe. Mit dem Trend der Zeit hat Müller jetzt auch eine E-Bikestation in Geschwand eröffnet. "Es ist einfach wichtig, dass die Gemeinde eine solche Station aufweisen kann", betont er. Sein Augenmerk liegt auf einer nachhaltigen Entwicklung der Region. Er weiß, mit Fremdenverkehr kann die Gegend punkten, kann junge Menschen bewegen, hier zu bleiben. Auf die Frage, was er nicht mag, nennt er nach kurzem Nachdenken Oberflächlichkeit, wenn jemand über Dinge redet, von denen er nichts versteht oder wenn jemand eine schulmeisterliche Art hat.

Müller outet sich im Gespräch als bekennender Clubfan. Paradoxie der Geschichte: Sein eigens präparierter Omnibus fährt seit Jahren die erfolgreichen Fürther Kleeblätter. "Die jetzt in der ersten Liga fahren zu dürfen, nach Dortmund oder München, ist freilich auch etwas ganz Besonderes", gibt er nicht ohne Stolz zu.
65 und Ruhestand? "Ich empfinde es als Ruhestand, wenn die Firma in guten Händen ist und das ist der Fall" meint Müller. Eine Übergabe habe in der Familie Tradition, ihm bleibe jetzt nur noch das Repräsentieren. "Ich werde noch gebraucht, muss nicht arbeiten, ich darf". Sprach's und verabschiedete sich zum nächsten Termin.