Für Edith Fießer, stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe Forchheim des Bund Naturschutz, ist es ein Monster. Für die Firma "MW Müller Wohnungsbau GmbH" aus Schwabach, die in den Reuther Auen an der Wiesent zehn familienfreundliche Reihenhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser mit je sechs Eigentumswohnungen errichtet, ein normaler Wärmetauscher. Allerdings in der XXL-Version. Das Problem: Für den Einbau der Technik in den vorbeifließenden Mühlbach liege laut Bauaufsicht, die sich vor Ort erkundigte, keine Genehmigung vor.

Der Kran, der den sieben bis acht Meter langen und fast fünf Meter breiten Käfig in das Flussbett hieven sollte, wurde erst einmal wieder zurückbeordert. Zwangspause auf der Baustelle. Es sei versäumt worden, eine Genehmigung für den Einbau der Anlage zu beantragen. Das müsse nachgeholt werden.
Die Kontrolleure seitens der Stadt und des Landkreises zeigten sich aber skeptisch, ob so eine Anlage überhaupt genehmigungsfähig ist.

Massive Barriere

Zum einen stelle der Metallkäfig mit mehreren hundert Metern Rohren eine massive Barriere dar, die bei einem Hochwasser das Überschwemmungsrisiko vervielfache, zum anderen bestehe die Gefahr, dass bei einem Leck im einwandigen Leitungssystem eine massive Umweltkatastrophe vorprogrammiert sei, runzelt der Mitarbeiter der Abteilung Wasserrecht die Stirn.

Offenbar hat das Unternehmen die Liberalisierung des Baurechtes zu großzügig ausgelegt, findet die Pressesprecherin des Landratsamtes, Kathrin Schürr. Der Bauherr habe zwar die Genehmigung seitens der Stadt eingeholt, es aber versäumt, die wasserrechtliche Zustimmung zu der geplanten Heizung einzuholen. "Die Grunddienstbarkeit, die der Bauherr für den Betrieb der Wärme-Gewinnungsanlage eintragen ließ, reicht dafür nicht", stellt Kathrin Schürr klar.

Nur allgemeine Formulierung

In den Unterlagen zum Thema Heizsystem stehe lapidar "Wärmepumpe". Das sage nichts über die Dimensionen aus. Deshalb sei nun ein wasserrechtliches Verfahren notwendig, erläutert Schürr. Es soll zeigen, ob die geplante Wärmepumpe im Mühlbach versenkt werden darf oder nicht.

"Dass der gigantische Wärmetauscher noch nicht im Wasser versenkt ist, verdanken wir einer aufmerksamen Passantin", erklärt Edith Fießer. Die Frau hatte den Metallkäfig mit den Kunststoffrohren auf dem Baugelände gesehen und Verdacht geschöpft. Bereits um 7 Uhr versuchte sie den stellvertretenden Vorsitzenden des Bund Naturschutz, Ulrich Buchholz, zu erreichen. Da die Geschäftsstelle noch geschlossen war, versuchte es die Passantin unter der Privatnummer. Mit Erfolg.

Buchholz informierte seine Kollegin Edith Fießer, die ihrerseits die Aufsichtsbehörden alarmierte. Deren Vertretern zollt sie ein großes Lob, dass die Mitarbeiter sehr schnell vor Ort waren und "das Schlimmste verhindern" konnten.

Andreas Müller, Chef des Unternehmen "MW Müller Wohnungsbau", war trotz mehrmaliger Benachrichtigung für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Aus seinem Vorzimmer verlautete, er sei in wichtigen Besprechungen. Krisensitzung? "Nein!"