"Wir sind inzwischen richtig genervt", schimpft Klaus Vogler, erster Konrektor der Ritter-Wirnt-Realschule in Gräfenberg. Er plant die Stunden- und Vertretungsfälle, die seit Dienstag wieder täglich geändert werden müssen, denn die Bahn streikt, somit fährt der Zug nur alle zwei Stunden.

Die Bahnschüler trudeln irgendwann gegen Ende der ersten Schulstunde ein, werden von Bussen zur Schule gebracht. "Von dem Bahnstreik sind wir massiv betroffen, da etliche Schüler mit der Bahn zur Schule kommen", sagt Rektorin Gertrud Eismann. Ungefähr 200 Schüler von den insgesamt 650 Schülern fahren jeden Tag von Heroldsberg, Kalchreuth oder Eckental mit dem Zug zur Schule. Aber auch die Igensdorfer Schüler steigen am Bahnhof ein, um nach Gräfenberg zu kommen.

Von der Gräfenberger Mittelschule betrifft es nur 25 bis 30 Schüler. 20 Minuten nach acht Uhr sind dort die ersten Bahnschüler eingetroffen. Um keinen Unterricht zu verpassen, werden manche Schüler von den Eltern gebracht und manche Igensdorfer Bahnschüler fahren mit den Schülern im Stöckacher Bus, informiert Petra Meyer, stellvertretende Schulleiterin.

Schüler müssen den Unterrichtsstoff nachholen

Die betroffenen Schüler müssen den Unterrichtsstoff nachholen, die Schule aber nimmt Rücksicht und versucht keinen allzu wichtigen Stoff in der ersten Stunde durchzunehmen. Denn die erste Unterrichtsstunde fällt für die Bahnschüler ins Wasser. "Arbeiten, ob angekündigte Schulaufgaben oder unangekündigte Stegreifaufgaben sind in dieser Stunde nicht möglich", erklärt Vogler. Die Bitte seiner Kollegen lautet dann, den Stundenplan so zu ändern, dass ihre erste Stunde, in der eine Schulaufgabe geschrieben werden soll, in die zweite Stunde zu verlegen. So wird dann aus Betriebswirtschaftsrechnen in der ersten Stunde Englisch oder Mathe. Eine extrem aufwändige Situation, die Stundenpläne täglich so zu koordinieren, damit wenigstens diese Notennachweise planmäßig geschrieben werden können. Für 23 Klassen.

"Um so länger es dauert, umso schwieriger wird es", sagt Vogler, der dieses tägliche Kunststück vollbringen muss. In der Regel sind alle Klassen davon betroffen, sind doch in jeder Klasse Bahnschüler.

Doch die schwierige Situation wird durch die derzeitigen Handwerkerarbeiten zusätzlich kompliziert, muss der erste Konrektor doch darauf achten, bestimmte Klassenzimmer für den Schreinertrupp freizuschaufeln. Ein richtiger Unterricht kann in der ersten Stunde nicht geführt werden, der sollte für alle gleich gehalten werden.
Die Bahnschüler erhalten die Arbeitsblätter sobald sie da sind. Manchmal kann der Stoff Anfang der zweiten Stunde für diese Schüler kurz wiederholt werden, in manchen Klassen, in denen der Anteil der Bahnschüler sehr groß ist, kann manchmal kein richtiger Unterricht, in dem neuer Stoff erklärt wird, stattfinden. Je nach Klasse und Anzahl der dazu zählenden Bahnschüler müssen die Fachlehrer hier jonglieren und das Unmögliche irgendwie möglich machen.

Die Schüler hingegen nehmen die Situation gelassen, freuen sich teils über den Stundenausfall. Nur am Wochenende sollte die Bahn besser nicht streiken, meint eine Jugendliche. Aber: "Wer provokant zu spät kommt, muss nachsitzen", sagt der eine oder andere Bahnschüler, als sie den Weg zur Schule hochliefen, um Extrafreiminuten herauszuholen. Da schauen die Lehrer schon auf die Uhr, denn die streikbedingten Ausfälle reichen ihnen schon.

Weniger Auswirkungen in der Mittelschule

Weniger Auswirkungen zeigt der Bahnstreik in der Mittelschule, da in den neun Klassen nur etwa ein oder zwei Bahnschüler fehlen.

Doch der Streik hat nicht nur Auswirkungen auf die erste Schulstunde. Da ist noch das Unterrichtsende. "Die Schüler dürfen kurz vor 12 Uhr gehen, um den Zug um 12.35 zu erreichen", sagt Vogler. Der nächste Zug, in den die Schüler einsteigen könnten, fährt erst gegen 15.30 Uhr. Somit entfällt auch die letzte Schulstunde und erfordert dieselben Lösungen wie durch das Fehlen der ersten Schulstunde.

"Es ist schon der siebte oder achte Streik", sagt Vogler. Die vorherigen Streiks der Bahn hatten schon erhebliche Nachteile, gerade für die Abschlussklassen. Zwei der zehnten Klassen sind derzeit auf Abschlussfahrt, eine Klasse bereitet sich gemeinschaftlich auf die Prüfung vor und ist ebenfalls diese Woche nicht im Haus. Aber: "Wir erschrecken schon, wenn wir hören, dass die GDL etwas plant", sagt Vogler.

Ersatzfahrpläne auf Homepage

Den Montagnachmittag klingelte ständig das Telefon. Auch die Eltern wollten sich nach den Ersatzplänen erkundigen. Sobald die Schule die Ersatzfahrpläne wusste, stellten sie alles auf die Homepage. Aber die genauen Abläufe für diesen Streik, der noch mindestens bis Ende der Woche gehen soll, erfuhr Klaus Vogler auch erst gegen 14.30 Uhr. Dann fing das Planen des eigentlich Unplanbaren an.