Am vergangenen Sonntag empfingen zwei junge Erwachsene in Adelsdorf das Sakrament der Taufe und der Firmung und sie durften zum ersten Mal zum Tisch des Herrn.

Heute ist die Erwachsenentaufe aus der katholische Kirche gar nicht mehr wegzudenken. Viele Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr als Babys - wie früher üblich - taufen. "Mein Kind soll einmal selbst entscheiden können, ob es getauft wird", so hört man immer häufiger. Es gibt daher nicht selten junge Menschen, die sich bewusst zur Taufe entscheiden. Nach der Wende in den 90er-Jahren stieg die Zahl der erwachsenen Taufbewerber besonders an, denn in den neuen deutschen Bundesländern waren die meisten jungen Menschen nicht getauft - stattdessen hat man dort mit 14 Jahren die Jugendweihe gefeiert.

Auch Tina Menzel und Tino Eichler stammen aus der ehemaligen DDR. Sie gingen bewusst diesen Schritt und bekannten öffentlich ihren Mut zum Glauben.

Tino Eichler ist 34 Jahre alt und Arbeitsanleiter in den Sozialen Betrieben der Laufer Mühle. "Ich wurde in Görlitz geboren und kurz vor der Wende sind wir nach Viechtach im Bayerischen Wald gezogen. Aufgrund meiner DDR-Vergangenheit lebte ich kein gläubiges Leben und bin leider schon im Jugendalter in eine Suchtmittelabhängigkeit geraten, die mich 2006 in die Laufer Mühle führte", bekennt er ganz freimütig. "Irgendwann nahm mich ein Bekannter - mein jetziger Taufpate - öfter mit in den Gottesdienst. Diese Besuche und die Taufe meiner Nichte haben mich bewogen, mich ernsthaft mit dem Christentum zu befassen. Ich sehnte mich plötzlich danach, ein vollständiger Christ zu sein und den Glauben auch mit den heiligen Sakramenten leben zu können."

Ohne Glauben aufgewachsen

Die 32-jährige Tina Menzel lebt seit Januar 2010 in Adelsdorf, kommt aber ursprünglich aus Markneukirchen im Vogtland. Im September 2001 zog sie nach Erlangen und verbrachte dort ihre Ausbildungszeit. Heute arbeitet Tina Menzel in Nürnberg als Sachbearbeiterin in einer Bank. "Ich bin mit keinem Glauben aufgewachsen. Als Jugendliche habe ich nur einmal einen Weihnachtsgottesdienst besucht, der mich aber damals noch nicht besonders berührt hatte."

Anfangs tat sie sich schwer, "Gefallen" am Glauben zu finden. "Ich hatte einfach noch keine konkrete Vorstellung davon. Ich wusste, was an den Hauptfesten gefeiert wird, aber der Ablauf des Gottesdienstes war mir einfach fremd. Als ich dann später öfter mit meinem Freund und dessen Familie zur Messe ging, fand ich es interessant und ich wurde neugierig." In der jungen Frau wurde der Wunsch, einfach "dazu zu gehören", immer stärker. In ihrem Freundeskreis und deren Familien ist der Glaube allgegenwärtig. "Im September 2012 hatte ich im Adelsdorfer Amtsblatt gelesen, dass sich erwachsene Taufbewerber im Pfarramt melden können und nach kurzer Bedenkzeit hab ich angerufen."

Der Unterricht fand in der Pfarrei St. Stephanus statt. Pastoralreferentin Dagmar Haas hat beide Anwärter über neun Monate im dreiwöchigen Turnus vorbereitet. Nun wissen sie alles über die heiligen Sakramente. Sie studierten den Katechismus und erfuhren, was das Leben eines Katholiken ausmacht. "Die beiden waren recht tüchtige Schüler", sagt Dagmar Haas.

Die Tauf-Zulassungsfeier im Bamberger Dom am 17. Februar mit Erzbischof Ludwig Schick war schon für alle Teilnehmer ein kleines Freudenfest. "Besonders das letzte Jahr hat mich im Glauben wachsen lassen. Und jetzt fehlt mir einfach etwas, wenn ich nicht regelmäßig an den Sonntagen zum Gottesdienst gehe", sagt Tino Eichler.

Lange Vorbereitungszeit

Auf die Frage, ob ihm die Vorbereitungszeit nicht manchmal zu viel geworden sei, antwortet Eicher: "Nein, der Aufwand war mir nie zu groß." Der junge Mann ist sich bewusst, dass ein praktizierender Christ nach dem Glauben und den Geboten lebt.

Auch Tina Menzel empfand die Vorbereitungszeit nie zu aufwendig. "Sicher hab' ich mir ab und zu überlegt, ob das richtig ist, was ich tue. Als Erwachsener macht man sich einfach mehr und bewusster Gedanken", sagt sie. "Aber wenn ich den Glauben nicht ernst nehmen würde, hätte ich mich nicht dafür entschieden und auch nicht bis zum heutigen Tag durchgehalten."

So wie Tino Eichler von seinem Taufpaten und im Bekanntenkreis viel Unterstützung bekam, wurde Tina Menzel von ihrem Partner und dessen Familie unterstützt. "Durch ihn bin ich letztendlich auch mit dem Glauben in Berührung gekommen."

Zum Festtag kamen ihre Eltern, die Oma und ihr Bruder mit Freund sowie die ganze Familie ihres Partners. "Meine Eltern verstehen meine Entscheidung und haben sich positiv geäußert. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte ich mich verteidigt, denn ICH habe mich dafür entschieden und nicht andere", betont sie.

Auch Tino Eichlers Eltern, die ihren Sohn voll unterstützen, und die Geschwister waren am Sonntag beim großen Fest dabei. Es war ein besonders feierlicher Gottesdienst in Adelsdorf, in dem die Täuflinge selbst ihren Glauben bekannten und voller Überzeugung "Ja" sagten. "Ihr seid jetzt nicht mehr nur unter uns, sondern mit uns", sagte Pfarrer Thomas Ringer in seiner Predigt.