"Eins, zwei oder drei? Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht." Der Klassiker aus dem Kinderfernsehen passt ganz gut auf die Situation. Auch wenn die Gremsdorfer in Sachen Umgehungsstraße nicht unbedingt zu Späßen aufgelegt sein dürften.

Sehr lange schon warten die Anwohner auf eine Entscheidung, ob, wann und wie die B470 aus dem Ort verbannt werden kann. Im Rennen sind noch immer drei Varianten: Nord-, Südumfahrung und auch eine Untertunnelung wird geprüft. Im Grunde gibt es auch noch eine vierte Option: Die, dass gar nichts geschieht. "Letzte Chance vorbei" hieße das, wenn man beim obigen Spruch bleibt.

Doch Bürgermeister Norbert Walter (CSU) will kämpfen. "Ich unterschreibe jede Lösung, die Gremsdorf entlastet." Gegen die Belastung der Bürger, die an der Hauptstraße wohnen, müsse etwas getan werden.

Welche Variante er bevorzugt? Da wolle er sich nicht festlegen. Er wolle erst alle Fakten der Fachbehörden auf dem Tisch haben. Zum Naturschutz, zu der Situation für die Anwohner, zu Kosten und Aufwand eines möglichen Tunnels. Das Staatliche Bauamt habe ihn über den aktuellen Stand informiert. Eigentlich wollte Walter den Gemeinderäten heute berichten. Doch die Sitzung musste wegen Corona abgesagt werden.

Messungen laufen noch

Die Botschaft ist: Alle drei Varianten sind noch im Rennen, aber Gremsdorf muss noch abwarten. Das teilt auch Anatol Kiesel-Peiker vom Staatlichen Bauamt auf Anfrage des Fränkischen Tags mit. Im Sommer wurden Bohrungen durchgeführt und neun Messstellen eingerichtet. Untersucht werden Fließrichtungen des Grundwassers. Danach fassen die Fachleute die Ergebnisse zusammen.

"Die naturschutzfachliche Beurteilung erfordert ein hydrogeologisches Gutachten, um vor allem die Projektauswirkungen einer Südumgehung auf das angrenzende FFH-Gebiet prüfen zu können", sagt Kiesel-Peiker vom Bauamt. Das Kürzel heißt: Flora-Fauna-Habitat, der Fachbegriff für Naturschutzgebiet.

Mit diesem Gutachten sei im Herbst 2021 zu rechnen. Es bilde dann die Basis für eine Trassenentscheidung. Vielleicht fällt eine Variante raus, vielleicht zwei. Möglich, dass alle drei machbar wären. Erst wenn das feststeht, wird entschieden. Kiesel-Peiker: "In einem weiteren Planungsschritt wird die Vorzugsvariante für eine technische und haushaltsrechtliche Genehmigung detailliert geplant."

Sicherlich wäre ein Tunnel die teuerste aller Lösungen, sagt Bürgermeister Walter. Eine Abwägungsentscheidung, die auf höheren Ebenen getroffen werde - aber auch eine, die alle Gremsdorfer und Naturschützer zufriedenstellen dürfte.

50 bis 70 Millionen Euro für einen Tunnel, schätzt Walter. Seriös könne man das noch nicht sagen. Massiv teuer jedenfalls. Dass die Idee aber nicht nur ein Hirngespinst sei, da müsse man gar nicht erst in die Alpenregion schauen.

Tunnel: Beispiel in Oberfranken

Da reiche auch ein Blick nach Kauerndorf bei Kulmbach. Der Ort, eingeklemmt zwischen Hang, Bahngleisen und Maintal, hatte ebenfalls Jahrzehnte darauf gewartet, die B289 durch den Ort endlich loszuwerden. Mit Erfolg. 2017 hat der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die rund 48 Millionen Euro für einen 720 Meter langen Tunnel durch den Berg freigegeben. Bautechnisch eine Herkulesaufgabe für die Zuständigen in Oberfranken.

Für Gremsdorf geht Walter mit einer Grundsatzentscheidung innerhalb der nächsten drei Jahre aus. Spätestens 2030, so das Ziel des Bundes, sollen nämlich alle vordringlichen Projekte im Verkehrswegeplan umgesetzt sein.