Der Neubau des Höchstadter TSV-Sportheims ist sozusagen in trockenen Tüchern. Im Dezember wurde das Haus auf dem Gelände "Am Sportpark" vom BLSV (Bayerischen Landessportverband) genehmigt. Dies war nicht die einzige Neuigkeit, die Werner Soßna, Axel Geier und Peter Jeromin vom Vereinspräsidium den Mitgliedern in der sehr gut besuchten Hauptversammlung verkünden konnten.
Noch überraschender war, was sich die TSV-Führung vorgenommen hat: Einen Wandel des Vereins vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Der Neubau soll als Sport- und Gesundheitszentrum ausgelegt werden und ein Alleinstellungsmerkmal in der Region bilden. Voll im Trend der Zeit setzen die TSV-Vorsitzenden mit attraktiven Angeboten auf neue Zielgruppen. "Das soll nicht heißen, dass wir auf die Jugend verzichten", betonte Werner Soßna. Ganz im Gegenteil - es werde versucht, eine neue Fußballjugend aufzubauen. Aber Gesundheit und Prävention würden als "neuer Zweig" hinzu kommen.
Beackert haben die drei dieses Feld bereits gründlich. Ein ganzes Netzwerk soll dazu beitragen, die vielen Ideen umzusetzen, die das Führungsteam mit großer Begeisterung an die Mitglieder weiter gab. Peter Jeromin, der die nächsten 20 Jahre im Fokus hat, ist mit den Ideen im besten Sinne schon "hausieren" gegangen. Krankenhaus, Ärzte, Krankenkassen, Stiftungen, Schulen, Sponsoren und Unternehmen will er mit ins Boot holen.
Angesichts der "konkurrierenden" Vereine in der Umgebung müsse der TSV etwas ganz Besonderes bieten. "Älter, weiblicher, gesundheitsorientiert" hat er als Ziel vor Augen. Eine Machbarkeitsstudie solle in Auftrag gegeben werden. Als herausragendes Beispiel führte Jeromin die seit zehn Jahren im Verein integrierte Herzsportgruppe an, die aktuell "auf die 70 Mitglieder zusteuert". "Nicht nur Tore, Punkte, K.o." soll es laut Jeromin künftig im TSV geben, sondern Diabetes-, Osteoporose- oder Krebsprävention.
Weil das alles Geld kostet, hat sich das Präsidium viel einfallen lassen. Die "TSV Plus Card" zum Beispiel, auf die Mitglieder in bestimmten Geschäften Rabatt bekommen. "Wir brauchen das Geld - nicht nur für den Neubau", verkündete Jeromin. Einen Neubau hinzustellen sei nicht das Problem, vielmehr ihn mit Leben zu erfüllen.
Noch nötiger braucht das Geld jedoch der für die Finanzen zuständige Axel Geier. Der geplante "Klub der Hunderter" könnte Geiers Probleme um einiges kleiner machen, wenn nicht ganz lösen. Die Idee ist, dass sich Mitglieder bereit erklären, fünf Jahre lang dem Verein jährlich 100 Euro für den Neubau zu spenden. 26 Leute zählt der Klub der Spender bereits, mindestens 24 wären noch notwendig, um die von Geier errechnete Finanzlücke zu schließen. Das Geld werde ausschließlich für den Sportheimbau verwendet, sicherte Geier zu.
Ansonsten wollte er über die Finanzierung des Sportheims nicht zu sehr ins Detail gehen. Nur so viel, dass man unter den ursprünglichen Schätzkosten von 800 000 Euro bleiben wolle. Ein Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro vom BLSV ist so gut wie sicher. Dazu gebe der Sportverband ein zinsgünstiges Darlehen von 50 000 Euro. Geier hofft auch weiterhin auf die "kalkulierbaren" Einnahmen, die der Verein bislang aus dem Altstadtfest oder dem Turnerfasching verzeichnen konnte. Mitmischen will der TSV auch bei der "Big Party", die zur Einweihung der sanierten Anlagen vom 7. bis 9. August am Kellerberg geplant ist.
Bei seinen Berechnungen geht Axel Geier immer vom "status quo" der Mitgliederzahlen aus. Zuwächse, auf die der TSV durchaus setzt, könnten weiter beitragen, die finanzielle Herausforderung zu meistern. Ein Anfang ist bereits gelungen: Beifall setzte ein, als Geier bekannt gab, dass die Mitgliederzahlen seit der letzten Hauptversammlung von 525 auf 535 gestiegen sind. Dass er das Jahr "mit positiven Zahlen abgeschlossen" hat, brachte dem Finanzchef weitere Anerkennung ein. 12 668 Euro betrug der 2014 erwirtschaftete Überschuss. Und er könnte um 7500 Euro höher sein, wäre nicht ein eisernes Tor am Sportgelände notwenig geworden. Irgendwelche Chaoten waren mit dem Auto in das Sportgelände gefahren oder hatten auf dem Platz Golf gespielt. Allerdings bitten sowohl Axel Geier als auch die gesamte Vorstandschaft um mehr Unterstützung durch die Mitglieder. "Ich habe den Aufwand unterschätzt", räumte Geier ein. Er bitte daher dringend um Unterstützung durch einen Kassier.
"Wir hoffen, den TSV wieder in die Spur zu bringen", betonte Werner Soßna, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Er und seine beiden Präsidiumsmitglieder haben sich in die Arbeit hinein gekniet, das wurde selbst dem unbedarften Zuhörer klar. Da müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn der Neubau nicht zustande käme. In diesem Fall würden alle Spenden vom "Klub der Hunderter" wieder zurück fließen.

Spatenstich im Sommer

Doch "der Neubau kommt", zeigte sich Höchstadts stellvertretende Bürgermeisterin Irene Häusler (JL) sicher. Es wären nicht mehr viele Hürden zu nehmen. Im Sommer ist der erste Spatenstich geplant. Die Stadt Höchstadt stelle eine kommunale Bürgschaft. Auch ein Antrag auf Förderung soll bei der Stadt eingereicht werden. Nicht zuletzt baut der Verein auch auf die Eigenleistung seiner Mitglieder.
"Die lange Zeit der Planung hat gut getan", sagte TSV-Verwaltungsrat, Architekt Fritz Wiesneth. "Wir haben den ersten Entwurf wirklich auf den Kopf gestellt." Er habe versucht, die Entwicklungen im Verein in die Planung einfließen zu lassen. Die zunächst sehr "fußballlastigen" Räumlichkeiten seien in "multifunktional" umgeplant worden, so dass auch Tänzer und Gymnastikabteilungen ihrem Sport nachgehen können.
Verschwunden ist in der aktuellen Planung die überdachte Terrasse für die Zuschauer bei Fußballspielen. Sie allein hätte Kosten von 100 000 Euro verursacht. Die Fußballfans sollen im großzügig verglasten Aufenthaltsraum die Spiele verfolgen. Dafür könnte es künftig eine Sauna, Kneipp-Becken und kleine Übungsgeräte geben. Einnahmen erhofft man sich auch daraus, dass Räume zur Nutzung an andere Gruppen oder Vereine vermietet werden. All das lässt sich jedoch nach Meinung von Verwaltungsrat Wiesneth nicht ohne eine Geschäftsstelle managen. Rein ehrenamtlich sei diese Arbeit nicht mehr zu bewältigen.
Über die Arbeit der TSV-Sparten berichteten im Anschluss Maria Neudörfer (Gymnastik), Werner Dengler (Laufen), Günter Rudolf (Tanzen), Werner Soßna (Kickboxen) und Peter Munkert (Herzsport).

Ehrungen