Die sonntägliche Stille am Morgen wird nur durch ein Knistern gestört. Der Querläufer beißt auf sein Wettkampffrühstück. Zwei Laugencroissants von seinem Lieblingsbäcker. Er sitzt allein am Küchentisch, denn die Läuferfrau liegt krank im Bett. Dabei wäre der Kramp Run in Gaustadt der ideale Lauf für sie.

Ein flacher Kurs, nur Asphalt, wie gemacht für schnelle Zeiten. Begeisterte Zuschauer an der Strecke, eine Samba-Trommler-Gruppe und mehrere Stationen mit Power-Musik aus den Lautsprechern. Dazu 700 total motivierte Teilnehmer und eine starke Konkurrenz. Doch heute ist sie nicht dabei. Der Infekt muss auskuriert werden.

Auch dem Querläufer fällt es heute nicht leicht. Der Wetterbericht hatte Starkregen und Sturmböen gemeldet. Zweimal hatte ich schon den Wecker mit der Faust zum Schweigen gebracht. Unter der Bettdecke fühle ich nach dem pochenden Hüftschmerz. Nichts. Kurz zwinkert ein Sonnenstrahl durch die Wolken. Meine Sonnenbrille spricht zu mir. Dann prasselt der Regen weiter auf die Fensterbank. Gleich werde ich abgeholt. Auf geht's nach Bamberg.

Der Kramp Run ist für den Saisoneinstieg bestens geeignet. Da ist einmal die Streckenlänge von 10 Kilometern. Kurz und knapp. Punkt 2, die Startzeit: Mit 14.15 Uhr am Morgen sehr human für den Schönheitsschlaf. Auch der Anfahrtsweg nötigt zur Teilnahme. Bamberg ist von Röttenbach schnell zu erreichen. Und die Vorteile nehmen kein Ende, in der Startaufstellung trifft man viele Bekannte. Klaus, Sascha und Reinhold. Kein Ellenbogen in den Magen, klasse Musik aus den Lautsprechern. Hier knallt ein Pistolenschuss, bevor die Meute auf die Strecke rast. Und schon geht es los.

Die schnellen Laufschuhe an den Füßen, die Renntights an den Beinen und das hautenge Shirt am Oberkörper, so flitzt der Querläufer durch die Gaustadt. Bei meiner verehrten Gattin hätte es schon vor dem Start Probleme gegeben. Unter Zwang müsste ich ihr die Startnummer am Shirt befestigen. Die Löcher gehen doch nie und nimmer aus dem Material. Gut, dass sie nicht dabei ist. Der springende Punkt ist einfach, vier Sicherheitsnadeln sollen ihr Laufshirt durchbohren. Das läuft ihr jedes Mal zuwider. So kreisen meine Gedanken ab, während ich Runde um Runde absolviere.

Aprilwetter im März. Sonnenschein, Wolken, dann wieder Starkregen, aber die ganze Zeit ein böiger Wind. Das Ziel ist nah. Der Querläufer pflügt mittlerweile mehr schlecht als recht durch das Feld. Die Beine sind schwer. Er schnappt nach Luft. 100 Meter noch zum Finish. Irgendjemand ruft von der Seite: "Jochen, Kopf hoch!" Im Ziel wird ein bisschen Läuferlatein getratscht. Brezen gegessen, Iso und Tee getrunken. Dann schnell in die Halle, die nassen Klamotten ausziehen. Ungeföhnt zur Siegerehrung? Geht gar nicht. Aber egal, am Podest bin ich mindestens um drei Minuten vorbeigelaufen. Jetzt heißt es schnell zur Läuferfrau.

Eine heiße Zitrone und ein Süppchen für die Läuferfrau kochen. Mit Kissen hochlagern, eine warme Decke holen. "Schatz, geht es dir schon etwas besser?" Ein Murmeln kommt von der Couch. Die Läuferfrau öffnet ein Auge. Liebe Freunde der Laufkunst, ich hoffe, in zwei Wochen beim Winterwaldlauf ist die Läuferfrau wieder dabei.

Run happy and smile!

Euer Querläufer