Manchmal ist eine Geschichte nicht auf den ersten Blick zu sehen. Aber am Berg muss man als Berichterstatter nur genau hinhören, um die Geschichten zu erkennen. So zum Beispiel bei einer Runde, die im Frankendorf die Eröffnung der 258. Bergkerwa feierte. Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis lachte und sagte: "Hier sitzt eine ganz besondere Verbindung. Da ist die Familie Förther - aus Nürnberg - Horst Förther seines Zeichens Bürgermeister, da sitzt Ruth Beugel, die Gattin des Erlanger Bergreferenten - kommt aus Nürnberg, und meine Person, ich bin in Nürnberg geboren!"

Diese Geschichten können nur auf dem Berg entstehen. Da ist ein weiterer Tisch. Da sitzen Adolf Blöchl, aktueller Polizeichef Erlangen, Gerhard Kallert, ehemaliger Polizeichef der Hugenottenstadt, und Uwe Jornitz, Polizeioberrat in der Stadt, zusammen. Kallert regelrecht tiefenentspannt und lächelnd zugebend: "Ja, so ohne Verantwortung genießt man den Berg ganz anders." Wobei Blöchl relativiert: "Es ist mein elfter oder zwölfter Berg, der dritte in dieser Funktion als Polizeichef, da wird man auch ruhiger." Er wisse, dass seine Mannschaft gut sei und er sich eigentlich beruhigt zurücklehnen könne.

Deren Bericht zeigt dann auch, dass der Bergauftakt arbeitsreich war. Die angenehmen Temperaturen sorgten für einen verheißungsvollen Bergauftakt mit hoher Besucherzahl. Die um die Sicherheit der Bürger bemühten Polizeibeamten kamen vor allem beim Nachberg an ihre Belastungsgrenze. Bis in die frühen Morgenstunden waren sie damit beschäftigt, größere und kleine Einsatzlagen abzuarbeiten.



Nicht alle Kirchweihbesucher genossen den Auftakt in Feierlaune und ließen ihre Aggressionen daheim. Denn im Zusammenhang mit der Bergkirchweih ereigneten sich an verschiedenen Orten zwölf tätliche Auseinandersetzungen, drei davon unmittelbar auf dem Berg.

Nichtige Gründe sorgten in der Regel dafür, dass Streitereien oder Anrempler mit den Fäusten ausgetragen wurden. Zu schweren Verletzungen kam es nicht, es blieb bei den üblichen Blessuren. Alle festgestellten Straftaten erfolgten unter dem Einfluss hoher Promillewerte. Eine Sachbeschädigung an einer Warnbake war Anlass, dass der Betroffene bei der Personalienfeststellung völlig die Beherrschung verlor und massiv Widerstand leistete. Bei einer anderen Widerstandshandlung wurde einem Beamten in den Unterarm gebissen.

Für den krönenden Abschluss des ersten Bergtages sorgten zwei Studenten. Um 5.45 Uhr wurde mitgeteilt, dass zwei Personen auf dem Ausleger eines 20 Meter hohen Baukrans herumturnen. Ein Großaufgebot an Rettungskräften begab sich zu der Baustelle in der Hindenburgstraße. Noch vor dem Einsatz der Höhenrettung konnten sie zum freiwilligen Abstieg bewegt werden. Einer der Beteiligten sah in seinem Tun keine Gefahr - da er ja Extremkletterer sei. Zu hoffen bleibt allerdings, dass er seine Kletterkünste ansonsten nüchtern ausübt. Bei den beiden wurden nämlich Promillewerte von 1,4 und 2,58 festgestellt. Es wird geprüft, ob die Einsatzkosten in Rechnung gestellt werden können.

Unabhängig davon, war der Prominentenfaktor am Berg dann aus fränkischer Sicht wieder hoch. Der ehemalige Siemenschef Heinrich von Pierer wurde ebenso gesichtet wie der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Von den B- und C-Promis spricht keiner.