Wer träumt nicht davon, einmal in eine andere Zeit reisen zu können. Doc Brown in dem Kinoschlager "Zurück in die Zukunft" macht es mit seiner Zeitmaschine möglich. Selbst in Comics dürfen sie nicht fehlen: Geniale Erfinder, die mit ihrem Einfallsreichtum die Welt revolutionieren, die Bösen zu Fall bringen und manchmal selbst den eigenen Erfindungen zum Opfer werden wie Professor Knox oder Daniel Düsentrieb.

Selbst in den Comics geht es nicht um den großen Reichtum. Die meisten Erfindungen erleichtern den Alltag. Eher etwas Praktisches hat deshalb auch der Höchstädter Herwig Schell erfunden und sein Gebrauchsmuster für eine automatische Entleerstation für Reisetoiletten schützen lassen.


Produktion zu aufwändig

Wie man auf eine solche Idee kommt, können vor allem Camper gut nachvollziehen, denn im Wohnwagen ist auch eine Toilette dabei. "Die muss entleert werden", erklärt Schell. Das heißt, damit auf dem Campingplatz zum Toilettenhäuschen gehen, entleeren und säubern. "Das ist nicht so appetitlich", findet der Camper und entwickelte seine Erfindung. Gedacht war es so, die Toilette auf eine Art Förderband zu stellen. "Sie wird dann eingezogen, in einen Kasten, entleert, gespült, desinfiziert und mit Druckluft abgeblasen. "Es hing an der Fertigung", erklärt Schell, dass der große Erfolg damals ausblieb.

Seine Erfindung zu produzieren, wäre zu aufwändig gewesen, aufgrund der Technik hätte das eine Firma übernehmen müssen. Ihm selbst war das finanzielle Risiko schlichtweg zu hoch. Außerdem hätte Herwig Schell mit dem Probeexemplar bei den Firmen für einen Nachbau werben müssen. Wann? Der Restaurator, Webmaster und Fotograf hatte beruflich selbst genug zu tun.

Der Gebrauchsmusterschutz ist inzwischen natürlich abgelaufen. Doch soweit er weiß, gibt es seine Erfindung nun wirklich. Sie sieht zwar anders aus als seine Entleerstation, aber Schell ist auch ein wenig stolz, dass er die Idee dazu hatte.

Seine einzige Idee war die Entleerstation nicht. Schalterabdeckungen aus Holz sollte es geben, dachte sich Schell und ließ einen Prototypen fertigen. Drei Jahre später war auch das auf dem Markt, wurde aufgegriffen. "Es ist schön, dass die Ideen umgesetzt werden", freut sich Schell.

Dass Patente ein wichtiger Schlüssel sind, um aus Ideen marktreife Produkte zu entwickeln, betont auch der Herzogenauracher Stefan Schraner, der inzwischen in Erlangen lebt. Jedes Jahr meldet der Geschäftsführer der Schraner GmbH ein Patent oder Gebrauchsmuster an. Seit 15 Jahren. Ergeben hat sich das aus den Kundenwünschen.


Platz einsparen

Diese zu erfüllen oder deren Probleme zu lösen, dazu braucht es neue Produkte, die er als Patente anmeldet, hauptsächlich als europäische Patente. Die Patentnummer 07120664.3 ist ein solches Patent, das am 14. November 2007 angemeldet wurde. Es ist unter dem erklärenden Titel "Raumzelle zur Aufnahme von elektrotechnischen Einheiten der Gebäudetechnik" gelistet. "Jeder kennt Technikräume und weiß, wie viel Platz sie im Gebäude einnehmen", sagt Stefan Schraner.

Eine Verschwendung, findet er und nennt damit zugleich den Sinn seiner Erfindung, schlichtweg den Platz, der für Technik besetzt wird, einzusparen. In einer Art Kästchen laufen alle wichtigen elektrotechnische Einheiten zusammen. Mehr Platz braucht es nicht. "Damit können die Räume für andere Zwecke genutzt werden", sagt Schraner, der sich auf brandmeldetechnische Systemtechnik spezialisiert hat. "Wenn ich Patente anmelde, geht es nicht um die Erfindung, sondern darum, aus der Idee marktreife Produkte zu entwickeln und diese zu schützen", sagt Schraner.

Ebenfalls schon viele Patente angemeldet hat der Sterpersdorfer Erfinder Jürgen Rabe. Neben seinem mobilen Emissionsmessgerät ist wohl das Tablett mit Antirutschschicht auf der Oberfläche eines, das durchaus kleine Malheure zu verhindern wüsste. Wenn es serienmäßig in die Produktion gegangen wäre.


Antirutschschicht auf der Oberfläche

Die Idee dazu kam Rabe bei einem Flug. Verschiedene Frucht- oder Gemüsesäfte wurden den Passagieren auf einem Tablett serviert. Wenn man nicht aufpasst, kippt das Glas samt dem Inhalt um. Das konnte Rabe selbst sehen, als dann Tomatensaft auf den Rock einer Dame kippte. Der Passagier, dem dieses Missgeschick passiert war, kümmerte sich daraufhin sehr intensiv um den Fleck oder besser diesen wieder zu entfernen.

Mit einem Tablett, auf dem keine Gläser, Tassen oder anderes Geschirr wegrutschen könnte, wäre das nicht geschehen. Also erfand Rabe die Antirutschschicht auf der Oberfläche diese Tablettes. Für eine Firma, für die er damals arbeitete. Ein Mustertablett wurde gefertigt, in Serie gegangen war es nie. "Ich könnte heute Millionär sein", sagt der Höchstädter. Wenn, ja, wenn so manche seiner Erfindungen aufgegriffen worden wäre.

So bleiben ihm wie vielen anderen privaten Tüftlern das Wissen, Patente angemeldet zu haben und ein Ordner, in dem alles fein säuberlich abgeheftet ist: Die Idee und der Beweis durch das Patentamt, dass diese Idee als gut bewertet wurde. Wenn die Einfälle dann doch irgendwann serienmäßig auf den Markt kommen, weiß zumindest der wirkliche Erfinder, wer hinter den Schlagern steckt.

Erfindermesse Am vergangenen Wochenende haben sich Erfinder, Verbände und Organisationen aus insgesamt 36 Ländern bei der internationalen Fachmesse "iENA" in Nürnberg getroffen. 700 Erfindungen und Innovationen wurden dort präsentiert. Die verschiedenen Entwickler stellten ihre Ideen und Konstruktionen in Bereichen wie Umweltschutz, Verkehr, Elektrotechnik, Sport, Energietechnik oder Chemie vor.

Patentamt Beim Deutschen Patent- und Markenamt in München gingen im letzten Jahr 65 958 Patentanmeldungen ein. Das waren viereinhalb Prozent mehr als im Vorjahr. Drei Viertel aller Patentanmeldungen stammen aus Deutschland. Die internationalen Top-Anmelder kommen aus den USA, Japan und der Republik Korea, gefolgt von Österreich und der Schweiz. Die Firmen Bosch, Schaeffler und Siemens haben in Deutschland 2014 die meisten Patente angemeldet. Die Gebrauchsmusteranmeldungen gehen seit 2010 zurück. 2014 waren es 14 748. Das Gebrauchsmuster gilt als "kleiner Bruder" des Patents.