Trotz des Fußballspieles am Donnerstag Abend waren viele Teilnehmer und auch einige Interesssierte in die Sporthalle des Gymnasiums in der Kerschensteiner Straße nach Höchstadt gekommen. Herzsport oder Koronarsport ist eine Rehabilitationsmaßnahme für Patienten mit kardialen Erkrankungen und wird zur Wiederherstellung bzw. Optimierung der durch Erkrankung möglicherweise reduzierten Fähigkeiten ärztlich verordnet und von den Krankenkassen ein bis zwei Jahre oder auch bei Bedarf länger gefördert.

76 Teilnehmer

"Für uns ist es wichtig, dass die betroffenen Menschen wissen, dass es hier in Höchstadt diese Einrichtung gibt.", erklärt Werner Sossna, Vorstand des TSV. Seit 2003 ist die Herzsportgruppe eine Abteilung im TSV 1862. "Die Leute werden immer älter und die Herzprobleme nehmen zu", ergänzt er.
Nur unter ärztlicher Aufsicht darf die Sportstunde abgehalten werden, und die Übungsleiterin Renate Heindel betreut die 76 Teilnehmer hintereinander in zwei Gruppen. Sie ist Herzsport-Fach-Übungsleiterin für Reha-Patienten und wird alle zwei Jahre erneut geprüft.

Vor Beginn des Trainings misst die Ärztin - heute Dr. Jennifer Bergemann vom Kreiskrankenhaus - den Blutdruck aller Teilnehmer. Sie ist eine von drei Ärzten, die sich regelmäßig in der Betreuung abwechseln. Dr. Hans-Joachim Laugwitz, Chefarzt der Inneren Abteilung im St.-Anna-Krankenhaus, ist der ärztliche Leiter des Teams. Nach der Halbzeit wird "gepulst". Jeder Sportler kennt seinen individuellen Trainingspuls und seine optimale Trainingsherzfrequenz, die ihm sein Arzt ausgerechnet hat. "Mir wurde der Herzsport in der Reha empfohlen", erklärt ein 69-jähriger Interessent. "Ich war vor ca. sechs Jahren nach meinem ersten Herzinfarkt schon in der Sportgruppe dabei, habe aber nicht so lange durchgehalten", fährt er fort. Nun, nach dem zweiten Infarkt - einem Hinterwandinfarkt - ist er wieder da und meldet sich gleich an.

"Auf die Aufwärmphase mit dem Ball folgen entweder ein Herz-Kreislauftraining, Muskelaufbau, Reaktionsübungen, Koordinationsübungen, Gehirntraining, Ausdauertraining, Gleichgewichtsschulungen oder auch Sturzprophylaxe.", verrät die Übungsleiterin.

Angstfrei bewegen

Jeder Patient solle in diesen Trainingsstunden seine individuellen Möglichkeiten im Rahmen der jeweiligen Erkrankung einschätzen und nutzen lernen, müsse die neue physiologische Situation annehmen und auch seine neuen Grenzen kennenlernen sowie die psychologische Problematik überwinden. Die Vermeidung falscher Schonung, Anpassung der Koordination und Erkennen der vorhandenen Leistungsfähigkeit und deren Grenzen seien für den Patienten wichtig. Er solle in die Lage versetzt werden, die ihm zur Verfügung stehende Möglichkeiten angstfrei zu nutzen und eine Wiedereingliederung ins Berufsleben zu erreichen.

Das Alter der Patienten in der Herzsport-Gruppe in Höchstadt liegt zwischen Mitte 40 und Ende 70. Regina Steffen ist seit September 2006 dabei. Sie hat zwei Bypässe und wurde von anderen auf die Herzsportgruppe aufmerksam gemacht. "Das tut mir sehr gut und es ist was ganz Tolles!", schwärmt sie. "Ich kann es jedem Herzkranken nur empfehlen", fährt sie fort. Aber leider wird diese Reha-Maßnahme meistens nur zwei Jahre von den Kassen genehmigt. "Die wissen einfach nicht, wie nötig dieser Sport und auch die Gruppe ist, denn alleine zu Hause wird man leicht schlampig", findet sie. Gemeinsam zu üben klappt wirklich viel besser. "Wir sind auch so eine klasse Gemeinschaft, die mal zusammen wandert, kegelt und anderes unternimmt. Wir pflegen den Austausch!", schwärmt ein anderer Patient.

Wiederbelebung in Theorie und Praxis

Dr. Bergemann macht zum Schluss die Teilnehmer noch auf einen besonderen Lehrgang aufmerksam: Dr. Hans Joachim Laugwitz lädt alle Herzsportler mit ihren Partnern am Donnerstag, 24. Juli, von 17 bis 19 Uhr zu einem Herz-Lungen-Wiederbelebungskurs in Theorie und Praxis ins Kreiskrankenhaus Höchstadt ein.