Wäre Wilfried Lechner-Schmidt nicht Pfarrer geworden, so hätte er sicher einen guten Fundraiser abgegeben. Denn immer wieder entwickelt er originelle Ideen, um Geld für die 800 000 Euro teure Renovierung der evangelischen Kirche in Weisendorf aufzutreiben. Der neueste Einfall war ein hopfiges "Renovierungsbier", das er von der Privatbrauerei Hofmann aus Pahres brauen und abfüllen ließ. Am Samstag wurde nun das Bier mit dem Label "Lass die Kirche im Dorf" im und vor dem Rewe-Markt Matthias Zwingel präsentiert, verkauft und konnte auch verkostet werden.

Unter dem gleichen Label gab es auch fairen Bio-Kaffee der Rösterei Kaffee-Braun aus Mainaschaff sowie Kräuter- und Früchtetee aus Vestenbergsgreuth und viele Informationen rund um die Sanierung der Evangelischen Kirche. Erhältlich ist das Bier in den Rewe-Märkten Zwingel in Weisendorf und Dechsendorf, pro Kasten gehen zwei Euro für die Renovierung an die Kirchengemeinde.

Pfarrer, Kirchenvorstände und Ehrengäste traten an den Ständen in einem einheitlichen T-Shirt "Lass die Kirche im Dorf!" auf und rührten die Werbetrommel. Auch der katholische Pfarrer Johannes Saffer stand zwischendurch am Tresen und lud Vorbeikommende zum Probetrunk ein. Seine Unterstützung beweist auch die gute und freundschaftliche Zusammenarbeit der beiden Kirchengemeinden in Weisendorf. Zudem gab es am Nachmittag ein Standkonzert des evangelischen Posaunenchores.

Dass die Renovierung notwendig ist, verdeutlichten Pfarrer Lechner-Schmidt und Mitglieder des Kirchenvorstandes, die von 9 bis 18 Uhr vor Ort waren. "Etwa alle 70 Jahre war eine umfassende Renovierung unserer Kirch notwendig", erklärte der Pfarrer: 1884 und 1952 sowie jetzt im Jahr 2020. An Bildern und einem Modell wurden der Zustand und die geplante Sanierung erläutert. So drang massiv Feuchtigkeit in das Mauerwerk ein, was behoben werden muss. Auch der Innenraum soll ansprechend gestaltet werden, damit die Gottesdienste und Veranstaltungen wie Konzerte gerne besucht werden. Die Kirche soll auch ein Raum zum Verweilen sein und zum Beten anregen, die Besucher sollen sich wohlfühlen, wünscht sich Pfarrer Lechner-Schmidt. "Aber die Sanierung wird 800 000 Euro kosten und das ist für uns schon eine Riesenaufgabe, denn den größten Teil muss die Kirchengemeinde stemmen."

Unterstützung aus der Politik

Die Aktion bei Rewe wurde von politischen Mandatsträgern wie Landrat Alexander Tritthart, Weisendorfs Zweitem Bürgermeister Karl-Heinz Hertlein (beide CSU) und Drittem Bürgermeister Stefan Groß (FW) ebenso unterstützt wie vom Architekturbüro Kwasny aus Erlangen und den Künstlern Meide Büdel und Gerhard Rießbeck. Viele Kunden des Supermarktes zeigten Interesse, nahmen sich Zeit für ein Gespräch und ließen sich über die Sanierung informieren.

"Das ist eine großartige Aktion", fand auch Kunde Robert Kraft und wuchtete zwei Kästen des Renovierungsbieres in seinen Einkaufswagen. "Damit die Frau auch was hat" nahm er noch ein Paket Kaffee mit.

Gut gefüllte Spendenbox

"Insgesamt war es ein schöner Event, bei dem viele Leute sich das Modell und die Darstellungen der historischen Kirche und die Neugestaltung erklären ließen", freute sich Pfarrer Lechner-Schmidt am Ende. So enthielt die Spendenbox 1920 Euro und vom Verkauf der Benefizprodukte kamen 600 Euro zusammen. "Das Wetter war gut - außer, dass uns eine Windböe um die Mittagszeit einen Sonnenschirm zerlegte", berichtet der Pfarrer, der sich bei den Besuchern und vor allem bei den Mitarbeiter des Marktes bedankte, die trotz eines stressigen Einkaufstages das Team um den Pfarrer immer wieder unterstützte.

"Wenn uns viele Mitbürger unterstützen, bleibt unsere Kirche im Dorf und bietet unseren künftigen Generationen einen Ort, wo die Seele auftanken kann. Jeder Betrag hilft uns, dieses Ziel zu erreichen. Gemeinsam schaffen wird das", ist sich der Pfarrer sicher.