Eine möglicherweise illegale Schule im mittelfränkischen Erlangen hat die Behörden auf den Plan gerufen. Es gebe Hinweise auf eine mögliche nicht genehmigte Unterrichtseinrichtung, teilte die Regierung von Mittelfranken auf dpa-Anfrage mit. Das staatliche Schulamt sei gebeten, den Sachverhalt aufzuklären. "Das Ergebnis dieser Ermittlungen bleibt abzuwarten, so zum Beispiel auch, ob schulpflichtige Kinder vor Ort angetroffen werden", hieß es.

Update vom 26. November 2021, 11.20 Uhr: Stadt Erlangen und Regierung von Mittelfranken mit ersten Ergebnissen 

Am Freitag (26. November 2021) informieren die Stadt Erlangen und die Regierung von Mittelfranken in einem Schreiben, das inFranken.de vorliegt, dass bereits vor den Herbstferien die Stadt und das staatliche Schulamt Hinweise erhalten haben, dass sich auf einem privaten Anwesen der Königsmühle in Eltersdorf möglicherweise eine Lerngruppe trifft. Allerdings gab es zum damaligen Zeitpunkt keine Erkenntnisse über etwaige vermehrte Verstöße gegen die Schulpflicht, heißt es weiter. 

"Bis zu den Herbstferien war es an bayerischen Schulen aufgrund der pandemiebedingten Ausnahmesituation noch übergangsweise möglich, bei einer individuell empfundenen Gefährdung die Schulpflicht auch durch das Distanzlernen zu erfüllen. Die Schulen konnten daher zunächst von einer Information der Kreisverwaltungsbehörden über Schulpflichtverstöße absehen und den Betroffenen eine Bedenkzeit geben, um im Rahmen der vertrauensvollen Zusammenarbeit pädagogisch vor allem auf die Erziehungsberechtigten einzuwirken", erklärt die Stadt Erlangen.

Seit dem 11. November 2021 ist eine Beurlaubung vom Präsenzunterricht allerdings nicht mehr möglich und die Schulpflicht ist durch Präsenz zu erfüllen. Nachdem die Stadt ein Schreiben dazu veröffentlicht hatte, gingen anschließend vermehrt Meldungen über Verstöße ein. Bis zum 19. November 2021 wurden neun Kinder gemeldet, die nicht in der Schule erschienen waren. Bis zum 21. November 2021 waren es bereits 11 Kinder. 

"Aufgrund der Medienberichte wurde die Stadt von der Regierung von Mittelfranken gebeten, den in den Medien geschilderten Sachverhalt vor Ort aufzuklären", erklärt die Stadt Erlangen. Bei einer gemeinsamen Kontrolle des privaten Anwesens in Eltersdorf von Polizei und Ordnungsbehörde am Donnerstag (25. November 2021) um 9:00 Uhr wurden jedoch keine schulpflichtigen Kinder dort angetroffen. In Abstimmung mit der Polizei und Schulbehörden wird die Aufklärung des Sachverhalts nun fortgesetzt.

Erstmeldung vom 25. November 2021, 16.00 Uhr: Wird in Erlangen eine illegale Schule betrieben?

Die "Nürnberger Nachrichten" und die "Nürnberger Zeitung" hatten zuvor berichtet, dass eine Gruppe von Eltern anscheinend seit Wochen eine Art alternative Schule auf einem Anwesen bei Erlangen-Eltersdorf betreibe. Demnach sollen teilweise mehr als 30 Kinder dort während der eigentlichen Schulzeit unterrichtet werden.

Den Betrieb einer privaten Schule hätte die Regierung von Mittelfranken als zuständige Schulaufsichtsbehörde allerdings genehmigen müssen. "Eine derartige Genehmigung liegt für die angegebene Örtlichkeit in Erlangen nicht vor und wurde auch nicht beantragt", teilte diese mit.

Erst im September war eine illegale Schule in Oberbayern geschlossen worden, die eine verbeamtete Lehrerin geleitet hatte. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung hatte die Regierung von Oberbayern den Betrieb untersagt. Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz sah bei den Verantwortlichen klare Bezüge zur Reichsbürger-Szene.