Höchstadt
Jahrhunderthochwasser

"Wie im Horrorfilm": Wassermassen treffen Familienpark – Schausteller nervlich am Ende

Am Wochenende überschwemmte das Hochwasser den Festplatz in Höchstadt. "Man kann es sich nicht vorstellen", berichtet Schaustellerin Angelique Zinnecker. Für ihre Familie ist das eine Katastrophe.
 
Höchstadt: Wassermassen fluten Familienpark
Der Familienpark "Sommer in der Stadt" in Höchstadt kann nach den heftigen Überschwemmungen am Wochenende nicht stattfinden. Foto: Angelique Zinnecker
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  • Höchstadt: "Sommer in der Stadt" von Hochwasser überschwemmt 
  • Schausteller mussten vor den Wassermassen fliehen
  • Jahrhundertflut löst "Horrorfilm" aus

Schaustellerin Angelique Zinnecker kann es immer noch nicht fassen. Am Wochenende wurden sie und ihre Familie auf dem Festplatz in Höchstadt von dem Hochwasser überrascht. Die Wassermassen übertrafen alle Vorstellungen. "Wir wurden zwar gewarnt, dass das Wasser kommt", berichtet sie inFranken.de, "aber so schnell konnten wir gar nicht reagieren, da waren die Wassermassen schon da."

Hochwasser in Höchstadt: "So was habe ich noch nie erlebt"

Eigentlich sollte Angelique Zinnecker die Veranstaltung "Sommer in der Stadt" planen, die sie zusammen mit ihrem Mann und ihrem Vater auf die Beine gestellt hat. Die Veranstaltung wurde abgesagt. Zum Glück war erst ein Teil der insgesamt über 40 Schaustellerbetrieben angereist. Am Wochenende hatte ein Jahrhunderthochwasser den Kreis Erlangen-Höchstadt hart getroffen. Seit 40 Jahren lebt Zinnecker schon in Franken. "So was habe ich noch nie erlebt, es war wie im Horrorfilm." 

Ihren Vater, Alexander Störzer, traf es besonders schlimm. "Sein Fahrgeschäft, der Star Dancer, war schon aufgebaut." Zwar haben sie noch versucht, alles abzubauen, aber das Konstrukt wiegt Tonnen. "Wir haben alles Menschenerdenkliche versucht, aber das Wasser war zu schnell." Die Helfer mussten teilweise festgebunden werden. "Man glaubt es einfach nicht." Zum Teil wurden von der Plattform Teile weggerissen, so viel Kraft hatten die Wassermassen. Zinnecker hofft, dass die Teile noch gefunden werden können. 

Aktuell ist das Gelände aber noch nicht begehbar. "Das Wasser steht immer noch." Niemand weiß, wie groß der Schaden am Star Dancer ist. Zinnecker spricht aber von einem Totalschaden, denn das Wasser habe auch die Motoren erreicht. "Wir haben das Fahrgeschäft hochgebockt, um wenigstens die Hydraulik zu retten." Aber das Wasser stieg mehrere Meter an. "Diesen hohen Wasserstand konnte niemand erwarten." Jetzt warten alle darauf, dass das Wasser sich zurückzieht. Erst dann wird man erkennen können, wie es wirklich aussieht. "Dann wird natürlich ein Gutachter kommen müssen und den Schaden beurteilen." Aber erst einmal ist es für ihren Vater vorbei. "Das ist ein unglaublich schwerer Schlag." 

Festplatz  in Höchstadt überflutet - "nervlich am Ende"

Zuhause dann der weitere Schock: Auch die Werkstatt ihres Vaters und das Haus ihrer Eltern waren überflutet. "Irgendwann ist man einfach nervlich am Ende, das war so ein Moment." In der Werkstatt steht viel wichtiges Werkzeug, ganz zu schweigen vom Hab und Gut ihrer Eltern im Haus. "Wir haben natürlich versucht, so viel wie möglich zu retten." Aber das Wasser verursachte Chaos. Der Wasserstand in der Werkstatt betrug fast einen halben Meter, im Wohnhaus waren es zeitweise 20 Zentimeter. "Jetzt erst verstehe ich wirklich, was es heißt, einen Schock zu haben", berichtet Zinnecker. "Erst die Panik am Festplatz, die Angst um die eigenen Sachen und dann noch das Wasser in meinem Elternhaus - da fehlen einem die Worte." 

Aktuell befinden sich die Schausteller mit ihren Wohnwägen auf dem Parkplatz des Fischervereins in Höchstadt. "Das war unsere Rettung", sagt Zinnecker, "wir sind so dankbar dafür. Uns wurde hier eine Infrastruktur mit Wasser und Strom geschaffen und der Verein kümmert sich toll um uns." Der Zusammenhalt in dieser Zeit ist für Zinnecker entscheidend. "Unsere Devise ist: Es geht immer weiter. Wir arbeiten jetzt zusammen, lassen niemanden im Stich und schauen, was wir retten können. Aufgeben ist keine Option." 

Ursprünglich sollte der "Sommer in der Stadt" weiter nach Zwiesel ziehen. Das soll auch weiter so passieren. "Wir arbeiten gerade daran, dass wir vielleicht schon früher nach Zwiesel fahren können." Dadurch, dass noch nicht alle Schausteller angereist waren, befindet sich nur ein kleiner Teil aktuell in Höchstadt. "Wir hoffen, dass wir uns dann alle in Zwiesel treffen können." Ob der "Sommer in der Stadt" nochmal nach Höchstadt kommt, weiß Zinnecker aktuell nicht. "Wir würden es uns so sehr wünschen und haben es vor." Aber erst, wenn die Situation sich etwas beruhigt hat. "Aktuell hat ja niemand den Kopf für so was, aber vielleicht im Spätsommer oder Herbst." 

"Sommer in der Stadt" 2021 in Höchstadt: Das war ursprünglich geplant

Ursprünglich sollte die Veranstaltung am 16. Juli 2021 beginnen. Über 40 Schaustellerbetriebe waren angekündigt. Schon im Oktober 2020 veranstalteten Schausteller auf dem Festplatz in Höchstadt den sogenannten Familienpark. Die Idee für einen solchen "Pop-up-Park" habe man sich im letzten Jahr im Ausland abgeschaut, erklärte Alexander Zinnecker inFranken.de. Er und seine Schausteller-Kollegen hätten dann Eigeninitiative ergriffen und den Familienpark auf die Beine gestellt.

Zu den Attraktionen in Höchstadt sollten beispielsweise der "Freak", ein 42 Meter hohes Karussell, und eine Familienachterbahn, die sogenannte "Himalaya-Bahn", gehören. Weiterhin geplant: ein Spiegel-Irrgarten, eine Bungee-Trampolin-Anlage, sowie Kinder-Karusselle und Autoscooter.

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt sind zahlreiche Menschen von den Wassermassen betroffen. Eine Familie in Adelsdorf traf es besonders hart: Sie hatte eine alte Mühle liebevoll saniert, dann kamen die Wassermassen.