• Heftige Unwetter in Erlangen-Höchstadt: Jahrhunderthochwasser fordert Feuerwehren extrem 
  • Wasserstand erreichte neues Rekordhoch: 6,12 Meter an Messstelle registriert
  • Rettungsdienst mit 130 Personen vor Ort: Mehrere Menschen aus dem Wasser gerettet
  • Anwohnende auf Schlauchbooten und Stand-Up-Paddles: Warnung vor "Lebensgefahr"

Nach "Spaß"-Aktionen bei Jahrhunderthochwasser im Kreis Erlangen-Höchstadt - Feuerwehr warnt vor "Lebensgefahr": Der Landkreis Erlangen-Höchstadt war von den Unwettern am Wochenende besonders stark betroffen. Der Wasserstand hat sogar den Pegel des Jahrhunderthochwassers von 2002 übertroffen. Doch manche Anwohnende haben die überfluteten Straßen zum Anlass genommen, eine Runde auf dem Boot oder dem Stand-Up-Paddle zu drehen - während die Feuerwehren permanent im Krisenmodus arbeiteten. Der örtliche Kreisbrandmeister Sebastian Weber erklärt, warum derartige Aktionen schnell lebensgefährlich werden können - und zieht Bilanz nach dem Horror-Unwetter. 

Wasserstand in Kreis Erlangen-Höchstadt auf Rekordhoch: So ist der Stand nach dem Unwetter-Wochenende

"Im Frühjahr treten die Flüsse wegen des Schmelzwassers immer über das Ufer", erklärt Weber gegenüber inFranken.de. Das sei "ganz normal". Doch was am Wochenende passiert sei, habe andere Dimensionen. "An der Laufer Mühle wurden 6,12 Meter Wasserstand gemessen, das sind nochmal 30 Zentimeter mehr als beim letzten Jahrhunderthochwasser 2002." Die "Starkregenereignisse werden lokal immer häufiger", sagt Weber.

Mit diesen Veränderungen müssten sich auch die Feuerwehren immer mehr auseinandersetzen. "Man sieht, dass jetzt auch bei uns Tornados möglich sind. Die Feuerwehren waren am Wochenende stark belastet." Noch sieht Weber aber keinen Grund, um sich wegen der personellen Besetzung Sorgen zu machen. "Die Gemeinden, die nicht von dem Unwetter betroffen waren, hatten noch genügend Ressourcen, um lokal zu helfen. Das liegt auch daran, dass die Feuerwehren in Bayern so stark sind", sagt der Kreisbrandmeister. 

Teilweise würden die Feuerwehren 20 bis 30 Kilometer fahren, um andernorts Unterstützung zu leisten. Noch am Sonntagvormittag seien die Feuerwehren im Bereich der Aisch im Einsatz gewesen, um "nach sinkenden Pegeln erreichbare Gebäudeteile abarbeiten und auspumpen zu können". Der Bürgermeister der Gemeinde Adelsdorf, Karsten Fischkal (FW), meldete am Montag noch "vereinzelte gesperrte Straßen, um die man lange Umleitungen fahren muss". Insgesamt sei die Lage mittlerweile aber "wieder entspannt", so Kreisbrandmeister Weber. 

Mehrere Wasserrettungseinsätze: Frau muss aus der Aisch gezogen werden - Rollerfahrer in der Flut gefangen 

Ganz anders noch am Wochenende: "Am Freitag hat es erst Herzogenaurach und das Aurachtal getroffen, am Samstag dann Höchstadt und Adelsdorf", so Weber. Auch der Rettungsdienst sei vor Ort gewesen, um mit etwa 130 Kräften zu kontrollieren und für den Fall der Fälle Alten- und Behindertenheime zu evakuieren. Insgesamt habe es vier Wasserrettungseinsätze gegeben.

Darunter eine 18-Jährige, die sich nach einem Autounfall mit dem Navi nach Gremsdorf hatte leiten lassen - über eine geflutete Verbindungsstraße.  "Dort war es über 1,50 Meter tief und man wird schnell von der Strömung mitgerissen", sagt Weber. In einem anderen Fall sei ein Rollerfahrer im Wasserschlamm "steckengeblieben" und hatte dann den Notruf gewählt. Ein richtiges Vorgehen, wie der Kreisbrandmeister erklärt.

"Auf keinen Fall absteigen und selber anfangen zu laufen. Da wird es bei der Strömung ganz schnell schwierig". Und: "Wer mit dem Auto in der Unterführung steckt, sollte am besten aufs Dach klettern und Hilfe rufen." Im Idealfall sei es immer am besten, sich "nicht zu überschätzen". Dies gelte auch für die Anwohnenden. Gerade unter ihnen habe es am Wochenende Personen gegeben, die sich laut Weber ohne es zu Wissen, in lebensgefährliche Situationen begeben hätten. 

Mit Schlauchbooten und Stand-Up-Paddles: Anwohnende mit gefährlichen "Spaß"-Aktionen

So hatten einige ihre Schlauchboote und Stand-Up-Paddles herausgeholt, um sich auf dem Hochwasser durch die Straßen treiben zu lassen. "Sämtliches Betreten kann lebensgefährlich sein", erklärt Kreisbrandmeister Weber. "Das ist ja kein Flussbett, es können Gegenstände im Wasser sein, Pfosten, Zäune. Und auch die Strömung ist nicht zu unterschätzen."

Gleichzeitig hätten Wasserdurchlässe in Gräben und abgehobene Gullideckel eine "extreme Sogwirkung". "Man weiß nicht was drunter ist und die Leute kommen auf die tollsten Ideen", ärgert sich Weber. Auch wer um die Ecke wohne und nur "aus Neugier mit Gummistiefeln durchs Wasser" laufe, begebe sich in Gefahr. Abgesehen davon seien die Menschen gegenüber den Einsatzkräften nicht unverschämt geworden, wie es in den vergangenen Wochen öfter in Bayern der Fall gewesen ist. 

"Am Wochenende wusste jeder, was geschlagen hat", sagt Weber. Alle hätten gesehen, dass es nicht nur der eigene Keller gewesen sei, der mit Wasser vollgelaufen war. "Bei allem, was bisher passiert ist, es hat sich wieder gezeigt, in der Not hält man zusammen und hilft sich gegenseitig", resümiert auch Karsten Fischkal in einem Facebook-Post der Gemeinde Adelsdorf. 

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