Die Herzogenauracher lieben ihr Freibad, besonders die Lage im Herzen der Stadt macht das Bad äußerst attraktiv für die Einwohner. In einem Bürgerentscheid votierten im Jahr 1996 72,4% der Abstimmenden dafür, das Herzogenauracher Freibad an der Tuchmachergasse zu erhalten, im erforderlichen Umfang zu sanieren und kein öffentliches Freibad am Atlantis zu bauen.
Badeplätze gab es bereits zuvor in Herzogenaurach. Besonders die Aurach bot sich dazu an, beliebt, vor allem bei den Kindern, war natürlich der O-Fall. Die Kommune versuchte zunächst, den unteren Weihersbachweiher, nunmehr ASV-Sportplatz zum Badeweiher auszubauen.
Allmählich setzte sich aber die Erkenntnis durch, dass die Insel zwischen zwei Auracharmen für das Herzogenauracher Freibad geeigneter wäre. Denn von der Aurach war ein künstlicher Arm zum Betreiben der Stadtmühle abgezweigt worden. An dieser Stelle befand sich ursprünglich der Stadtweiher, der ehemals mit der Bezeichnung "Neuer Weiher" charakterisiert wurde. Ein Bauplan "Stadtbad Herzogenaurach, Ofr." mit der Unterschrift von Stadtbaumeister Hans Motzer und dem Datum des 30. April 1936 hat sich im Stadtarchiv erhalten.
Die Erdarbeiten wurden zum größten Teil als freiwillige Arbeitsleistung der Bevölkerung bereits 1936 erbracht. Die offensichtlich niedrigen Gesamtkosten für das Bad von 74 000 Mark wurden in einer Zeitungsmeldung des Jahres 1937 besonders herausgehoben.
Das Ratsgremium um Bürgermeister Karl Körner wurde folgende Regelung getroffen: Im Mai, August und September sollte das Bad von 7 bis 20 Uhr geöffnet sein, im Juni und Juli von 7 bis 21 Uhr. Für die Badbenutzung hatten Personen mit Einzelkabine für drei Stunden 50 Reichspfennig, mit Wechselkabine 30 Reichspfennig zu entrichten. Auch damals legte man schon Wert auf die Familie. Bei Familiensaisonkarten zahlte der erste Erwachsene sieben Reichsmark, jedes weitere Familienmitglied nur 3,50 Reichsmark. Kinder unter sechs Jahren hatten freien Eintritt.
Von den Badegästen wurde gebührliches Verhalten erwartet, "4.) Als Badekleidung sind von den weiblichen Badegästen Badeanzüge, von den männlichen Badegästen Badehosen zu benützen", ist in der Verordnung zu lesen.
Die Anlage hatte ein Beton-Schwimmbecken, für Kinder gab es ein Planschbecken mit Sandkasten, darum herum zog sich eine Fußwaschrinne. Das Eingangsgebäude wurde seitlich bogenförmig von Kabinen und Duschen flankiert. Ein Café, Liegewiesen sowie Ruhebänke rundeten die Anlage ab. Bereits ab 30. Mai 1937 war das Bad geöffnet - offiziell eingeweiht wurde es am 27. Juni mit einem Jugendschwimmfest.
Das Bad avancierte zum beliebten Ausflugsziel für die Herzogenauracher. Am baulichen Bestand änderte sich über Jahrzehnte wenig. Die Reparaturbedürftigkeit warf 1997 die Frage auf, ob eine Angliederung an das Atlantis oder eine Sanierung erfolgen sollte. Der Bürgerentscheid war eine klare Ansage: Die Bürger wollten ihr Freibad im Herzen der Stadt behalten.
Die Neueröffnung erfolgte am 16. Juni 2000. Der damalige Bürgermeister Hans Lang durchtrennte auf der Brücke das Band zur Eröffnung. Am darauf folgenden Samstag hatten die Herzogenauracher am "Tag der offenen Tür" mit kostenlosem Badebetrieb die Gelegenheit, ihr neues, altes Freibad zu genießen.