Einen Spender von Stammzellen zu finden ist gar nicht so einfach. Vielleicht liegt es ja ein wenig an der Beschreibung des Prozederes der Entnahme dieser Stammzellen. Die eine Möglichkeit scheint ja noch verträglich zu sein, da wird nämlich aus dem fließenden Blut, ein Vorgang einer Dialyse vergleichbar, die notwendige Menge an Stammzellen entnommen. Und dann gibt es noch den Weg der Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm. Dazu sind dann aber zwei Kliniktage notwendig und es erfolgt eine Entnahme unter Vollnarkose. Und das scheint wohl eher abschreckend zu sein.
Der Herzogenauracher Gert Model findet die Angst unnötig. Er hat selber schon Zellen gespendet und weiß, dass alles gar nicht schlimm ist. "Das ist eine Sache letztlich von gut vier Stunden und dann ist alles geschehen." Er hat die Variante "Blutwäsche" bekommen. Weit mehr als 80 Prozent erhalten diese Behandlung, um an die Stammzellen zu kommen. Wobei das sogenannte "Stanzen", also die Entnahme aus dem Rückenmark, auch eher unspektakulär ist, aber eben etwas zeitaufwendiger.


Es ist so einfach zu spenden

Alles vorher sei im Grunde völlig einfach. "Die Typisierung findet entweder durch eine Blutabnahme statt oder dem Abstrich aus dem Mund." Aber bereits da sollte man sich schon klar sein, dass das Vorhaben "kein Pillepalle ist", betont Model. Dann kann es passieren, dass eben nichts passiert. Dass man zunächst als Spender für die aktuelle Aufforderung (in diesem Fall für Jakob), nicht infrage kommt. Doch da die Daten von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) dann gespeichert sind, werden die Daten vielleicht später relevant.
Model, bei dem die Typisierung 1999 erfolgte, spendete seine Stammzellen 13 Jahre später. "Es kommt ein Brief, dass man ein geeigneter Spender sei. Dann geht es zum Hausarzt, der einen noch einmal checkt und erst dann wird ein Termin im Krankenhaus gemacht." Auch dort gibt es nochmals eine Routineuntersuchung, um den Gesundheitszustand zu überprüfen. "Das Einzige, was dann auf einen zukommt, ist die Mitgabe von Spritzen." Diese seien ähnlich Thrombosespritzen, die die Stammzellenabgabe in das Blut anregen sollen. "Und wenn jemand Probleme mit dem Spritzen hat, dann komme ich gerne dazu", erklärt Model lachend. "das ist echt der geringere Teil, wenn man weiß, dass man mit seiner Spende ein Leben retten kann.
Ein gutes Gefühl, das die vier Stunden im Krankenhaus vergessen lässt. Dort wird mit einer Blutwäsche das gewünschte Material aus dem Blut herausgefiltert. Ein gutes Gefühl, das einen vergessen lässt, dass man das Krankenhaus vielleicht ein wenig "matt" verlassen hat, dass man als Nebenwirkung der Spritzen eventuell mit leichten Grippesymptomen oder Rückenschmerzen umgehen musste.


Es geht um Menschenleben

Eines ist Model dennoch wichtig: "Wer sich für diesen Weg entscheidet, muss sich bewusst sein, dass er etwas eingeht." Wenn der Brief kommt, dann müsse der Einzelne auch den nächsten Schritt gehen, "denn dann wartet ein Mensch auf diese Zellen".
Denn man im Übrigen erst einmal nicht kennenlernt. Datenschutz, Patientenschutz, Spenderschutz spielen da eine Rolle. Nach zwei Jahren kann es zu einem Treffen kommen, wenn beide Beteiligten das wollen. Model weiß über die Empfängerin seiner Spende Bescheid. Aus Zufall und auch heute noch mit vielen Emotionen verbunden. Die DKMS übermittelte ihm nur, dass es sich um ein Mädchen von 14 Jahren gehandelt habe und dass diese in Belgien lebe. Für dieses Mädchen hat Model zweimal gespendet. Typisieren lassen hat er sich 1999, zum 24. Geburtstag. Bis heute hat er einige Menschen dazu gebracht zu spenden. "Ich habe ein wichtiges Argument: Dich oder Mitglieder Deiner Familie oder Freunde, all die kann es auch treffen. Und dann brauchen diese Stammzellen." Das ist sicher Grund genug.


Und einer braucht die Spende

Jakob ist ein fröhlicher Junge, der sich gerne mit seinen Freunden trifft, Schlagzeug spielt und viel Spaß mit seiner Fußballmannschaft hat. Doch seine Zukunft ist ungewiss, denn der Elfjährige aus Niederndorf ist bereits seit einem Jahr an Blutkrebs erkrankt. Jetzt steht fest: Nur eine Stammzelltransplantation kann sein Leben retten.
Weltweit wurde bislang jedoch kein passender Spender für ihn gefunden. Trotz der schrecklichen Diagnose gibt Jakob nicht auf: Er möchte den Krebs besiegen und das normale Leben eines angehenden Teenagers genießen können. Um ihm und allen Blutkrebspatienten weltweit zu helfen, organisieren Familie und Freunde eine Registrierungsaktion.
Diese findet am Samstag, 30. September, von 12 bis 17 Uhr in der Cunz-Reyther-Grundschule in Niederndorf statt. Rund um die Schulstraße 19 wird es allerdings an Parkplätzen knapp, so dass die Organisatoren bitten, dass die möglichen Spender vor Ort, weiträumig parken oder sich ohne Auto auf den Weg machen. Parkplätze wird es an der Wiese hinter der Grundschule geben.
Jakob und seine Familie hoffen auf eine rege Teilnahme. Die DKMS selber konnte durch die stetige Weiterentwicklung des Typisierungsprozesses im eigenen Labor, die Registrierungskosten auf 35 Euro senken. Diese werden aber nicht von den Menschen bezahlt, die sich typisieren lassen. Aber auch das Gesundheitssystem übernimmt dies nicht. Spenden werden dafür gesammelt, um eine möglichst vollständige Datenbank zu erstellen.
Der Stammzellenspender Gert Model erklärt: "Es ärgert mich. Um zum Mond zu fliegen, werden Abermillionen bezahlt, um mehrere Menschenleben zu retten, sind für diese Beträge keine großen Spender zu finden."