Sie ist gut aufgelegt, freundlich und sprüht vor Lebensfreude. Anja Denzler fühlt sich sichtlich wohl, wenn sie in der Küche der Cafeteria der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf ein Blech mit Pizzateig bearbeitet. Auf den ersten Blick eine ganz normale Angestellte, doch die 20-jährige Frau aus Falkendorf ist behindert. Sie leidet am Down-Syndrom.

Wie etwa jedes 700. Baby in Deutschland hat sie diese genetische Anomalie von Geburt an. Und deswegen ist sie auch in der Behinderteneinrichtung - aber nur tagsüber. Abends wird sie wieder nach Hause zu ihrer Familie in Falkendorf gebracht, wo sie sich mindestens ebenso wohl fühlt wie bei den professionellen Betreuern in Gremsdorf.

Ihre Eltern geben Anja auch viel Verantwortung. So durfte sie selbst entscheiden, ob sie mit einem Reporter des FT sprechen wollte. Natürlich wollte sie und hatte auch viel zu erzählen.

Dass Anja mit dem Down-Syndrom leben muss, ist ihr voll bewusst. Sie macht das Beste daraus, hat konkrete Pläne: "Ich möchte in eine Wohngruppe ziehen und würde beruflich gerne etwas mit Tieren machen." Daheim in Falkendorf kümmert sie sich mit ihrem Vater um Hühner, Ziegen und Kühe.


Schauen, was Spaß macht

In Gremsdorf würde sie gerne den Sprung in einen Außenarbeitsplatz schaffen. Dafür wird Anja derzeit vorbereitet. Sie durchläuft zwei Jahre eine Art Lehrlingswerkstatt mit den unterschiedlichsten Bereichen. "Sie soll schauen, was ihr Spaß macht", sagt Catarina Wörner, die Sozialdienstleiterin der Werkstatt.

"Anja ist ein Naturtalent im Umgang mit Menschen", schwärmt die Fachfrau über ihren Schützling, und sie sei auch ein Beispiel dafür, was bei Menschen mit Down-Syndrom durch Frühförderung erreicht werden könne. Unter den 320 Bewohnern der Behinderteneinrichtung leben etwa 20 mit Down-Syndrom.

Typisch für diese Menschen ist deren ausgeprägte soziale Kompetenz, was nicht nur Catarina Wörner bei Anja immer wieder feststellt. An dem Gendefekt Leidenden könne man durchaus einfache, überschaubare Arbeiten übertragen, sagt die Betreuerin. Typisch seien bei diesen Behinderten allerdings auch sensorische und organische Beeinträchtigungen. So leide Anja an einer Herzschwäche.

Früher wäre sie ein Fall für einen Wohnheimplatz gewesen, heute kann sie bei ihren Eltern leben und bald vielleicht schon in einer Wohnung mit Betreuung außerhalb.

"Unser Ziel ist es, möglichst viele Bewohner in Außenarbeitsplätze zu vermitteln", sagt Catarina Wörner. Um dies umsetzen zu können, appelliert sie an Bürger und Unternehmen, Praktikumsplätze anzubieten und auch Wohnungen für betreutes Wohnen. "Die Gesellschaft sollte und muss zur Inklusion einen Beitrag leisten", fordert Wörner.

Die 20-jährige Anja hilft nicht nur in der Küche. Sie zeigt auch schauspielerische und tänzerische Qualitäten und probt schon regelmäßig mit dem Team für das Musical "Glüwi, ein wundersamer Haufen", das am 30. April im Forum aufgeführt wird.