In der heutigen Zeit sind Autobahnen die Hauptverkehrsadern sowohl für den Güter- als auch den Individualverkehr. Die Eisenbahnstrecken haben ihre einstige herausragende Stellung weitgehend eingebüßt. Vor 50 Jahren wurde Mitte Juli der Autobahnabschnitt der A 3 von der Anschlussstelle Tennenlohe bis Höchstadt-Ost dem Verkehr übergeben. Beim Bau mit dabei war Herbert Warter aus Hesselberg.

Erst in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Kriegsende 1945 konnte das Autobahnnetz in der damaligen Bundesrepublik Deutschland flächendeckend geschlossen werden. Von der Bundesautobahn 3 Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-Passau wurde ein Teilstück vom Autobahnkreuz Nürnberg bis zur Anschlussstelle Tennenlohe bereits am 1. Oktober 1941 demVerkehr übergeben. Die Strecke mit einer Länge von 18,4 Kilometzern war einbahnig angelegt. Nach dem zweibahnigen Ausbau erfolgte die Freigabe der Strecke für den Verkehr am 10. Dezember 1959.

Der Weiterbau in Richtung Norden war jedoch schon fest eingeplant und sollte zwischen den Dörfern Steudach und Haundorf hindurchführen. Das Landratsamt Höchstadt sandte am 30. Dezember 1958 eine Planmappe für das Planfeststellungsverfahren der Autobahn Würzburg-Nürnberg, Abschnitt Kosbach-Haundorf zwischen Kilometer 203+250 und 206+300, an die Gemeindeverwaltung Haundorf. Die Gemeinde wurde aufgefordert, die Planmappe öffentlich auszulegen und dies an der Gemeindetafel bekannt zu geben.

Bis 10. Februar 1959 sollte die Mappe wieder an das Landratsamt Höchstadt zurückgehen, damit sie an die Regierung von Oberfranken versendet werden konnte. Wegen zweier Einwände vom 4. und 7. Februar 1959 wurde zu einer Erörterung am 20. Mai in die Gastwirtschaft Polster in Kosbach eingeladen. Allerdings konnte der Bau der Autobahn nicht verhindert werden.

Baron Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, als Direktkandidat des oberfränkischen Wahlkreises 222 (Forchheim-Ebermannstadt-Höchstadt/Aisch) Mitglied des Deutschen Bundestages, sandte im Februar ein Schreiben an die Regierung von Oberfranken in Bayreuth. Baron Guttenberg gab zu bedenken, dass die landwirtschaftliche Struktur von Haundorf durch die Abgaben von Ackerland für den Flugplatz (die spätere Herzo-Base) bereits in den 1930er Jahren stark geschädigt wurde. Durch die Trassierung für die Autobahn hätte Haundorf nochmals Einbußen zu erleiden. In Steudach würden dagegen 20 Tagwerk Ackerland sowie 40 bis 50 Tagwerk Gemeindeland brachliegen. Ein Teil davon käme nach einer Trassierung der Autobahn auf Haundorfer Flur zu liegen und sollte den Haundorfer Bauern als Entschädigung vorgeschlagen werden.

Baron fand kein Gehör


Wie Baron Guttenberg außerdem ausführte, könnte damit auch die geplante Autobahnunterführung zwischen der Ortschaft Steudach und den Steudacher Grundstücken hinfällig werden. Glücklicherweise fand zumindest sein Vorschlag, auf den Bau der Autobahnunterführung zu verzichten, kein Gehör.

Um den Bau der Autobahn vor Ort zu koordinieren, wurde die Außenstelle Höchstadt eingerichtet. Die Bauleitung für die Planungsstelle nahm dort am 15. Juli 1959 in einem eigenen Gebäude in der Kerschensteiner Straße ihren Betrieb auf.

Die Strecke zwischen Stockstadt und Erlangen Frauenaurach war in 15 Lose, d.h. Abschnitte eingeteilt, die dann von unterschiedlichen Firmen ausgeführt wurde. Am Abschnitt von Frauenaurach bis Höchstadt-Ost (Gremsdorf) war die Firma Friedrich Glass aus Heilbronn und Karlsruhe tätig, wo Warter mit der Arbeit begann. Für den Abschnitt Höchstadt-Ost bis kurz vor Schlüsselfeld war die Firma Blödner aus Bremen zuständig.

Diese größeren Abschnitte waren wiederum auf verschiedene Arbeitstrupps aufgeteilt. Ein Bauabschnitt reichte vom Autobahnparkplatz bei Kosbach bis kurz hinter Klebheim, der nächste ging dann bis Gremsdorf auf Höhe der B 470.

Für die einzelnen Bauabschnitte wurden auch Arbeiter aus der Region gesucht. Rund 50 Einheimische aus dem Seebachgrund kamen zum Einsatz. Arbeiter aus anderen Teilen der Republik blieben hier hängen und heirateten. Auch italienische Gastarbeiter waren bei der Autobahnbaustelle beschäftigt, sie wohnten in Baracken am Rande der Baustelle.

Herbert Warter stammte aus einem landwirtschaftlichen Betrieb in Hesselberg und besuchte die Landwirtschaftsschule Forchheim. Dann bewarb er sich bei der Autobahnbaustelle und begann dort am 14. März 1960. Warter begann als Hilfsarbeiter und avancierte zum Mitarbeiter eines Vermessungstrupps.

Wie er sich noch gut erinnern kann, lag der Deckenbahnhof dort, wo sich heute das Gewerbegebiet von Gremsdorf befindet. Der Kies wurde aus der Gegend um Staffelstein angeliefert und auf der Baustelle mit einer kleinen Bahnlinie zum Bestimmungsort transportiert.

Autobahnbau ist aber auich ein gefährliches Geschäft. Beim Autobahnbau Frankfurt-Nürnberg gab es 21 Tote zu beklagen.

Der Abschnitt von der Anschlussstelle Höchstadt-Ost bis zur Anschlussstelle Tennenlohe der Bundesautobahn 3 Frankfurt-Würzburg-Nürnberg-Passau konnte am 17. Juli 1962 freigegeben und in Betrieb genommen werden. Die stark befahrene Autobahn machte rund zehn Jahre nach der Eröffnung die Errichtung einer Rastanlage notwendig. Im August 1971 stimmte die Gemeinde Haundorf zu, dass e gemeindeeigene Grundstücke der Gemarkung Haundorf für den Bau der Tankanlage Aurach genutzt werden.