Was lange währt, wird endlich gut? Im Fall der Kreismülldeponie bei Lonnerstadt sieht es jetzt danach aus.

Seit mehr als zwölf Jahren gab es Messungen, Bohrungen, Abwägungen. Noch in diesem Monat könnten nun endlich Lkw und Bagger anrollen, um das mit jahrzehntealtem Abfall verfüllte Areal abzusichern. Das teilt Stephanie Mack, Sprecherin des Landratsamts, auf Anfrage mit.

Der Ablauf solle in dieser Woche mit der Baufirma besprochen werden. "Je nach Witterung finden erste Arbeiten möglicherweise noch im November statt. Dies steht allerdings noch nicht abschließend fest. Die Arbeiten sollen im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen werden", sagt Mack.

Auffangbecken und Drainage

Geplant ist eine Tiefendrainage, um das saubere Schichtenwasser zu fassen. Dieses soll in einen Entwässerungsgraben abgeleitet werden. Zudem sollen Sammelleitungen für das Sickerwasser und ein abflussloses Sammelbecken gebaut werden. Seit Jahren ist bekannt, dass Giftstoffe wie Arsen und Benzol und andere aus der Altdeponie aussickern. Die Konzentration ist gering, das Trinkwasser sei nicht gefährdet, wie Gutachten ergeben haben. Allerdings sind die Belastungen im Grundwasser zu hoch, um tatenlos zuzusehen.

Am Areal nördlich von Lonnerstadt, nahe des Aussichtspavillons, wurden bereits Vorbereitungen getroffen. Bäume im Baufeld wurden gerodet, an der Deponieböschung wurde Gestrüpp entfernt.

Die Gemeinde Lonnerstadt, der das Gelände gehört, hat den Feldweg aufgefüllt und für die Zufahrt der Baumaschinen bereit gemacht. Man habe aber darauf gedrängt, dass die Lkw nicht durch den Ort an- und abfahren, sagt Bürgermeisterin Regina Bruckmann (FW).

Es sei vereinbart worden, dass die Bautrupps den Weg am nahen Sportgelände vorbei nutzen oder den Weg von der A3 durch den Wald, der einst zum Bau der nahe gelegenen Windräder ausgebaut wurde.

In einem Gestattungsvertrag erteilt Lonnerstadt dem Landkreis die Genehmigung für die Arbeiten an der Kreisdeponie, die auf gemeindeeigenem Grund liegt. Auch die künftige Füllstandskontrolle des Sickerwassersammelbeckens übernimmt die Gemeinde.

Die Gesamtkosten für die Sanierung übernimmt der Landkreis. Die Summe hat es in sich, wie der Landrat und die damit betrauten Kreisräte in jeder der zahllosen Sitzungen zum Problemfall Altlasten zähneknirschend feststellen mussten.

Die Kosten steigen

Im Mai 2019, als der Kreisbauausschuss die Sanierung absegnete, ging man noch von 1,2 Millionen Euro aus. Der Baustart musste verschoben werden, weil mit der Regierung und dem

Wasserwirtschaftsamt Details zu Bodengutachten und Bauweise des Sammelbeckens geklärt werden mussten. Ein Ingenieurbüro wurde mit der Planung beauftragt. Die geschätzten Baukosten stiegen erst auf 1,8 Millionen. Heute liegen die Gesamtkosten für Planung und Bau bei rund 3,3 Millionen Euro, wie das Landratsamt mitteilt.

"Es ist ein saurer Apfel aus der Vergangenheit", sagt Manfred Bachmayer, Kreisvorsitzender der Grünen, auf Anfrage. Auch ihn beschäftigt das Thema im Kreistag seit Jahren. Die Kostensteigerungen seien ärgerlich, aber nicht vermeidbar. Dass es lange gedauert hat, bis nun etwas passiert, sei nachvollziehbar.

Niemand weiß genau, was drin ist

"Bei solchen Deponien geht das nicht im Schnellverfahren", sagt der Grünenpolitiker. Bei der Ausschreibung seien für diesen kniffeligen Spezialauftrag die Firmen nicht gerade Schlage gestanden. Schließlich wisse man nicht, "was genau drin ist" in der nicht sortenreinen Deponie, in der wohl auch Industriemüll abgelagert worden sei.

Eine Komplettausräumung, also eine Auflösung der Deponie, wie sie wohl am wünschenswertesten wäre, sei daher utopisch, so Bachmayer. Da könnte man an die drei Millionen wohl "noch eine Null dranhängen". Wenn man dort graben würde, könne es sein, dass "die ein oder andere böse Überraschung" wartet. Das Auffangen des belasteten Wassers sei nicht nur ausreichend für den Umweltschutz, sondern angesichts des finanziellen Aufwands auch das realistisch Machbarste.

Altlast aus den 70ern - Die Altmülldeponie Lonnerstadt:

Von 1977 bis zur Stilllegung 1979 wurde in einer ehemaligen Sandgrube nördlich von Lonnerstadt Hausmüll abgekippt. Mehr als 6000 Quadratmeter Fläche waren erst offizieller Müllplatz der Lonnerstadter, dann eine Deponie des Kreises, genehmigt von der Regierung von Mittelfranken. Fünf Meter und höher schichtet sich der Abfall. Insgesamt sind 30 000 Kubikmeter Müll gelagert. Was genau, ist nicht bekannt. Wohl auch Gewerbemüll.

Eine teure Mahnung

Ein Kommentar von Redakteur Christian Bauriedel:

Gut, dass der Landkreis endlich handelt - handeln muss - und die belastete Brühe nicht länger in den Boden sickern lässt. Millionen von Euro werden dabei draufgehen. Aber das Grundproblem bleibt. Der Müll von früher ist deshalb ja nicht weg. Niemand kann sagen, ob nicht in zehn oder zwanzig Jahren nachgebessert werden muss.

Hausmüll, Gewerbeabfälle? Ab auf die Wiese am Ortsrand! Aus heutiger Sicht unvorstellbar, aber noch vor vierzig Jahren ganz normal. Man muss kein Öko-Apostel sein, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Zeit wird kommen, wenn unsere Kinder und Enkel auf unser Handeln heute zurückblicken und sagen: Säckeweise Plastikmüll? Strom aus dreckiger Kohle? Tonnen an Kerosin für einen Kurztrip? Unvorstellbar! Die Altlasten bei Lonnerstadt sind eine Mahnung: Irgendwann kommt die Rechnung. Und es ist absehbar, dass es noch viel teurer werden kann, wenn wir nicht heute etwas tun.