Von 1997 bis 2003 hat Grebner als Lehrer an der Deutschen Schule in Windhoek/ Namibia gearbeitet. Er sah damals nicht nur eine faszinierende Natur, sondern auch viel Not und Elend. Sein soziales Engagement für Benachteiligte, Behinderte und Waisenkinder begann. Seitdem unterstützt er Einrichtungen in den Armenvierteln Windhoeks und Swakopmunds sowie ein Kinderhaus im Norden Namibias. Erst kürzlich war der ehemalige Lehrer wieder für sechs Wochen in dem afrikanischen Land.

Was trieb Sie diesmal nach Namibia?

Roland Grebner: 2017 entsandte mich der Senioren Expertenservice (SES) in Bonn erstmals für drei Monate nach Namibia. Ich sollte Kindergärten in den Townships pädagogisch und didaktisch unterstützen und für das Kinderhaus im Norden ein pädagogisches und organisatorisches Konzept entwickeln. Die Verantwortlichen in Namibia wollten, dass ich wiederkomme. Ich selbst war extrem neugierig, ob ich Spuren hinterlassen, etwas bewirken, die Arbeit fortsetzen konnte. So war ich hocherfreut über die Genehmigung des Folgeeinsatzes.

Was waren Ihre geplanten Arbeiten und Aktivitäten?

Ich wollte meine Arbeit vom vorigen Jahr evaluieren, vertiefen und fortsetzen. Ich war sehr erleichtert, in den Kindergärten die im Vorjahr hinterlassenen Materialien wieder vorgefunden zu haben und dass "meine" Arbeitsblätter auch eingesetzt wurden. Leider verhindern fehlende Kopiermöglichkeiten eine intensivere Nutzung. Zufrieden beobachtete ich auch ein verändertes methodisches Unterrichten. Anknüpfend an die Themen erstellte ich neue Arbeitsblätter.

Noch erleichterter war ich, das Kinderhaus im Norden Namibias wieder belebt vorzufinden. Sechs behinderte Kinder bewohnen derzeit das Haus, werden dort gepflegt und betreut. Zusammen mit der Leiterin und dem Pastor der Kirchengemeinde schmiedete ich Pläne für eine nachhaltige, zukünftige Entwicklung. Aktuell starten wir direkt am Haus ein Kleingartenprojekt zum Anbau von Gemüse und Salaten.

Stand Ihnen in dieser Zeit in Namibia jemand zur Seite?

In Namibia kooperiere ich seit langem mit Frau Anja Rohwer. Da ich mit den Verhältnissen im Land gut vertraut bin, arbeite ich während meines Einsatzes in den Projekten jedoch eigenständig. Freunde vor Ort unterstützen mich logistisch und mental.

In Swakopmund arbeiten Sie in einer sogenannten informellen Siedlung. Was müssen wir uns darunter vorstellen?

Die Lebensverhältnisse sind erbärmlich, rund 15 000 Menschen leben in zum Teil unbeschreiblichen Behausungen aus Wellblech, Pappe und Holzplatten, natürlich ohne Strom- und Wasseranschluss. Wasser gibt es an zentralen Zapfstellen gegen Bezahlung. Den Lebensumständen geschuldet sind die Sozialisationsbedingungen der Kinder sehr armselig. In diesem Umfeld hinterfrage ich täglich meine eigenen Aktivitäten.

Zufällig las ich gerade in einem Roman von Nadine Gordimer "...Die Kinder wussten nicht, wohin vor Lebenskraft, und die abgestandenen mechanischen Lehrübungen blieben fruchtlos für sie, Tag für Tag...". Darin sah ich Parallelen zur Lage vor Ort und merkte, ich muss behutsam, leise auftreten, darf nicht zu viel erwarten, den Beteiligten nicht zu viel abverlangen, sie nicht überfordern, nur so kann ich am Ende etwas bewegen.

Wie war die Reaktion vor Ort auf Ihren Besuch und Ihre Hilfe?

Ich habe das Gefühl, dass die Erzieherinnen mir vertrauen. Sie sind dankbar für Anregungen und Materialien. Die Kindergärtnerinnen verabschieden mich mit dem Wunsch, ich möge unbedingt wiederkommen. Rührend sind die Reaktionen der Kinder, ihre Anhänglichkeit.

Was nahmen Sie diesmal mit nach Hause - an Eindrücken - an Gefühlen?

Wie immer ist es eine Mixtur unterschiedlichster Gefühle. Die beklemmenden Lebensverhältnisse der Menschen erzeugen eigentlich Hoffnungslosigkeit. Ihre Lebensfreude, ihre Zuvorkommenheit wiederum ermutigen, das Bemühen der Erzieherinnen, die Unbeschwertheit der Kinder motivieren zum Weitermachen trotz immer wiederkehrender Zweifel an der Sinnhaftigkeit des eigenen Wirkens.

Sicher engagieren Sie sich weiter für Namibia - was planen Sie als nächstes?

Wie schon gesagt: Es muss weitergehen, Aufhören ist keine Option. Konkrete Planungen kann ich so kurz nach meiner Rückkehr nicht benennen. Eventuell ermöglicht mir der SES einen weiteren Folgeeinsatz. Auf alle Fälle werde ich die Projekte privat wieder besuchen und zu Hause Werbung machen.

Brauchen Sie weiterhin die Hilfe aus Deutschland?

Ein unbedingtes Ja! Ohne Zuwendungen von außen sind viele der Sozialprojekte nicht überlebensfähig, vor allem weil die Finanzkrise des Staates andauert und dieser - unbegreiflich - gerade im Bildungs- und Gesundheitssektor Ausgaben kürzt.

Was reizt Sie gerade an Namibia?

Ich habe sechs Jahre dort gelebt, ich kenne das Land, es ist zu meiner zweiten Heimat geworden. Was liegt somit näher, als sich dort zu engagieren?

Spendenkonto

Roland Grebner - Namibiaprojekt

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