Er ist der strahlende Sieger des Abends: Erlangens OB Florian Janik (SPD). Die Allianz Pro StUB, die er anführt, konnte am Sonntag einen fulminanten Erfolg feiern. Die Erlanger haben sich beim Bürgerentscheid mit großer Deutlichkeit für die Stadt-Umland-Bahn (StUB) ausgesprochen.

60 Prozent der Stimmberechtigten waren dafür, dass die Stadt Erlangen das Verkehrsprojekt StUB weiterverfolgt. Dagegen waren 40 Prozent. Von den 82 918 Wahlberechtigten Erlanger Bürgern gingen 37 262 zur Urne, was einer Wahlbeteiligung von rund 44,9 Prozent entspricht.

"Das ist ein toller Tag für die Stadt und die Region. Die Mehrheit der Bürger ist überzeugt davon, dass die StUB eine gute Lösung ist. Großprojekte werden in Deutschland ja häufig sehr kritisch diskutiert. Aber: Man sieht ja, dass es geht", sagte Janik gestern kurz nach Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses im Erlanger Rathaus.
Der Saal war bereits um 18 Uhr zur Schließung der Wahllokale gut gefüllt mit Anhängern der StUB-Allianz genauso wie mit Kritikern des Verkehrsprojektes, sei es von der CSU oder der Bürgerinititive um Wilhelm Krieger. Als die ersten Bezirke ausgezählt waren, zeichnete sich schnell ein deutlicher Vorsprung bei den StUB-Befürwortern ab.


Janik feiert seinen 36. Geburtstag

"Ich hätte mit einem knapperen Ergebnis gerechnet", sagte Birgitt Aßmus, CSU-Fraktionssprecherin im Stadtrat Erlangen. Sie hatte gegen die StUB gekämpft und gibt ihre Enttäuschung zu. "Ich bin enttäuscht, vor allem, dass adäquate Alternativen zur StUB nun erst gar nicht geprüft werden."

Währenddessen brandet am anderen Ende des Saales Jubel auf. Das Endergebnis wird verkündet. Janik wird von seinen Mitstreitern gefeiert. Sie gratulieren ihm nicht nur zum politischen Erfolg, denn für Janik ist der StUB-Entscheid auch ein Geburtstagsgeschenk - er feiert am Sonntag seinen 36. Geburtstag.

Vor dem Saal auf dem leeren Gang geht Wilhelm Krieger mit auf dem Rücken verschränkten Armen auf und ab. Er hat mit seiner Initiative das Bürgerbegehren ins Rollen gebracht. "Die Gesichter werden länger werden, wenn der Kosten-Nutzen-Faktor erst einmal bekannt ist", sagt Krieger mit Blick auf das jetzt anstehende Planungsverfahren.


Unüberschaubare Kosten

Denn nun steht fest, dass Erlangen, Nürnberg und Herzogenaurach einen Zweckverband für die StUB gründen und in die detaillierte Planung einsteigen werden. Seine Vermutung: Dann werde es bei vielen ein böses Erwachen geben. "Die, die jetzt jubeln, müssen dafür gerade stehen, was sie angerichtet haben", sagt Krieger.

Er ist der Meinung, dass die StUB unüberschaubare Kosten nach sich ziehen werden. Er wolle Janik aber gratulieren. Denn der OB habe auch ihm gratuliert, als das Bürgerbegehren geglückt war. "Ich habe körperlich, nervlich und finanziell einen hohen Einsatz gebracht. Es hat einfach nicht sein sollen", sagt Krieger.

Ganz andere Laune herrscht bei Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker (SPD). Er ist nicht persönlich anwesend im Rathaus. Er ist telefonisch zu erreichen und drückt seine große Freude über das Ergebnis aus, das er natürlich schon mitbekommen hat. "Mein Dank und Lob geht an die Erlanger. Es ist gut, dass es ein so klares Votum ist. Das bestätigt mich auch, dass der Plan B mit der L-Variante genau richtig war."


German Hacker: "Gewisse Genugtuung"

Er hatte ja mit dem Bürgerentscheid im Landkreis, bei dem sich die Bürger gegen die StUB ausgesprochen hatten, eine Niederlage einstecken müssen. Wie wirkt nun dieses Ergebnis auf ihn? "Eine gewisse Genugtuung ist da, das gebe ich zu. Aber bei aller Euphorie: Es geht um die Arbeit, die jetzt gemacht werden muss. Zweckverband und Planungsverfahren: Wir gehen nun einen sehr formellen Weg. Und das ist es."

Ob er noch zur Doppel-Party "Pro-StUB" und Janiks Geburtstag in dessen Erlanger Stammkneipe gehen wird, wisse er noch nicht. Aber einen Grund zu feiern gibt es für den Herzogenauracher StUB-Befürworter Hacker an diesem Abstimmungstag auf jeden Fall.


Kommentar von Christian Bauriedel:

Die Erlanger sagen also Ja zur StUB. Und sie sagen es laut. Mit einem deutlicheren Ergebnis war nie zu rechnen.
Bis zuletzt konnte sich die StUB-Allianz ihrer Sache nämlich nicht ganz sicher sein. Großprojekte sind ein heißes Eisen für die Politik geworden. Fast überall in Deutschland, wo viel Geld verbaut werden soll, formiert sich schnell Protest. Zurecht. Denn es schadet nicht, teure Prestigeprojekte kritisch zu hinterfragen.
Doch irgendwann muss auch die Phase des Protests ein Ende haben und "Butter bei die Fische" gegeben werden, wie man so schön sagt.

In Erlangen ist das nun bei der StUB passiert. Dem Projekt steht nun erst einmal nichts mehr im Weg. Politisch. Was Bauplanung und Kostenkalkulation angeht, so handelt es sich noch immer um eine Mammutaufgabe, bei der der Teufel im Detail stecken kann. Man kann den Planern nur gutes Geschick dabei wünschen.

Was immernoch blühen kann, dass ist eine ganz andere Art von Protest. Nämlich derjenige, der bei Anwohnern aufkeimen könnte, wenn die ersten Bagger rollen. "Was? Die StUB soll hier entlang fahren? Wenn ich das gewusst hätte!"

So einfach wird es dann für Anwohner an der StUB-Trasse nicht mehr sein. Denn dann kann man schließlich auf das Ja der Bürger in Erlangen verweisen. Und das war ja ziemlich laut.