Eines verbindet Tausende von Läufern auf der ganzen Welt. Sie mögen die Natur. Na gut, es gibt eine Ausnahme: die reinen Fitnessclub-Laufband-Athleten. Für die ist ein HD-Schirm in der Front sicher wichtiger. Aber der Rest genießt es, draußen zu sein.

Frische Luft bis zum Anschlag

Fragen Sie mal einen Städter? Einer, der durch die Häuserschluchten von Frankfurt trabt oder München Schwabing mit schnellem Schritt quert. Das ist in Ordnung bei einem Wettbewerb oder wenn es halt nicht anders geht. Doch in der Regel geht es hinaus in die Natur. Dass so mancher Läufer dafür etliche Kilometer im Auto zurücklegt, um dann zu laufen, ist ein anderes Thema, das an anderer Stelle behandelt wird.
Heute geht es um den Lauf durch den Wald, auf den Feldwegen zwischen Mais und Weizen, über und durch die (natürlich Jahreszeit angepasst) schneebedeckten Wiesen.

Tiefes einatmen

Der Läufer genießt je nach Jahreszeit die wohltemperierte bis erfrischende Luft. Noch mehr den Geruch der Tannennadeln, der mehr oder weniger frischen Landluft, der Blumen, die ihm neckisch vom Wegesrand zu nicken. Ein Geruch, der den Tag versüßt und das Laufen angenehm macht. Mich nimmt er immer so mit, dass ich deutlich freundlicher und besser gelaunt als sonst, die Mitmenschen herzlich grüße, die mir entgegen kommen.

Stinkige Begegnung

Bis zu diesem wunderschönen letzten Sonntag. Sonnenschein, der verleitet mal schnell, um den Dechsendorfer Weiher zu laufen. Klar, ein Sonntag ist immer schwierig, weil Menschenmassen sich gerade an diesem Weiher erholen wollen. Das ist aber einem Läufer mit frohem Gemüt in der Regel egal. Und so lief ich auf eine typische Sonntagsspaziergangsgruppe kurz nach Mittag zu. Was mich dann erwischte, war ein regelrechter Schlag ins Gesicht. War es zuvor noch der erste Frühlingsduft gewesen, der mich begeisterte, war es noch ein fröhliches Grüß Gott in Richtung der die Schwäne fütternden Familien, war es dann ein großer Hammer, der den Läufer ins Taumeln brachte.

Falsche Dosierung?

Einen Schritt, nachdem die leicht aufgetakelte Dame des Hauses passiert wurde, war es der Rosenduft, der alle Vorstellungen von freier Natur zerstörten. "Intensiv-Rosing" wäre durchaus angebracht. Eine Parfümwolke, die den Atem raubt, das Gefühl vermittelt, dass sogar die Sicht eingeschränkt ist. Die Lunge wehrt sich, hat aber keine Chance, da zum Überleben das zyklische Atmen einfach dazu gehört. Sich lange darüber Gedanken machen, ist aber nicht. Denn offensichtlich hat sich auch die Tochter mit 8 mal dreieinhalb, der Papa mit Irish Moos und der Onkel mit Tabacco (dem Tuning für den Mann) überschüttet.

Mir ist schlecht

Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es einem geht mit diesen Parfümungeheuern in einem Raum zu sitzen, wenn es bereits in der frischen Natur so heftig riecht. Als ich dann endlich Luft bekam, hatte ich allerdings eine Menge Fragen, die bis jetzt auch unbeantwortet sind.
Stinken die Menschen so, dass sie diese Unmengen an Duftwässerchen unbedingt brauchen? Wäre Waschen nicht die kostengünstigere Alternative? Warum muss ich mich so zuparfümieren, wenn ich in die Natur gehe? Riechen diese Menschen sich selbst, die Natur oder überhaupt noch etwas? Und (ja, ich weiß, das hat mit dem Thema nichts zu tun, beschäftigt mich aber trotzdem): Haben Flugzeuge Hupen? Und wenn ja: Hupen italienische Piloten mehr als Deutsche?