Die "Lange Nacht der Poesie", die der Lions-Club Aischgrund am Samstag gemeinsam mit dem Rotary-Club Höchstadt in der Fortuna Kulturfabrik veranstaltete, machte ihrem Namen alle Ehre, denn das Programm dauerte rund fünfeinhalb Stunden. Mehr als 250 Gäste störte das allerdings keine einzige Minute, denn Musik, Literatur, Artistik, Zauberei, Puppenspiel, Gesang, Pantomime, Kabarett und mehr lösten einander in wohl komponierter, abgestimmter Folge ab. Daraus entstand ein einmaliges und zugleich flüchtiges Gesamtkunstwerk.
Aus dem Erlös des Abends wird das Erich-Kästner-Kinderdorf, ein heilpädagogisch-therapeutisches Kinderheim in Oberschwarzach (Kreis Schweinfurt), unterstützt. Dies erfuhren die Gäste von Claudia Wanke, Präsidentin des Lions-Clubs, bei der Begrüßung.
Der Bogen zur Poesie werde dadurch gespannt, dass Erich Kästner in seinem Vermächtnis Teile seiner Kinderbibliothek dem Kinderdorf vermacht hat und in dieser Einrichtung auch darauf geachtet wird, die Kinder an die Poesie und an Erich Kästner heranzuführen. "Wir besuchten das Kinderdorf schon vor längerer Zeit, und da waren wir stark beeindruckt von der hervorragenden intensiven Betreuung der Kinder", erzählte Rotary-Präsident Hans-Joachim Laugwitz. Rotary und Lions taten sich spontan zusammen, und so entstand auch dieser Abend.
Manfred Hausin, der die "Compagnie Poesie" - ein buntes Völkchen von Musikern, Puppenspielern, Poeten, Varietékünstlern, Kabarettisten und Schauspielern - ins Leben gerufen hat, führte durchs Programm und würzte seine Überleitungen immer wieder mit Gedichten aus seinen eigenen Werken. "Das Thema des Abends bezieht sich nicht auf Literatur", erklärte er in der Pause, "hier geht es um poetische Momente."
Carsten Langners Stimme, jüngster Liedermacher und Gitarrenpoet in der Truppe, erinnerte viele an Reinhard Mey. Der Black von Schobert und Black, genannt "Die Stimme", wurde von Matthias Bardong an der Gitarre begleitet. Von Billigflügen "Reiher Air" oder den bayerischen Hotpants (Lederhosen) sangen die beiden und übertrafen sich zwischendurch mit immer wieder neuen Limericks.
Fitzgerald Kusz, Pionier der fränkischen Mundartdichtung, verführte mit interessanten Wortspielereien, Erziehungsgedichten, Vierzeilern, Dreizeilern und Zweizeilern das Publikum laufend zu schallendem Gelächter. "Fränkisch gehört bald zu den bedrohten Sprachen", warnte er besorgt. "Höchstadt war für mich bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte, aber das hat sich jetzt schlagartig geändert", verriet er.
"Ich war beeindruckt von Anne Klinge, die übrigens aus Fochheim stammt und deren Füße zu Schauspielern werden", schwärmte eine begeisterte Zuschauerin in der Pause. Peter Mim, einer der populärsten Pantomimen Europas, Schüler von Marcel Marceau, zeigte Ausschnitte aus seinem Programm "Kleine Perlen". "Die Mehlprimeln", zwei bayerisch-schwäbische Musikanten, brachten die Krimpolka zu Gehör, erzählen von der Brunftzeit des Keilers Horst und warben für die Verteilung von Dienstwindeln, um den Pinkelwahn zu stoppen. Auch der Liederjan, ein Liedermacher, den es schon ewig zu geben scheint, war dabei und begeisterte das Publikum.