Über 100 Interessierte waren zur Begehung gekommen, darunter auch viele Bewohner aus Hauptendorf und Niederndorf, denen die Verkehrssituation besonders auf den Nägeln brennt. Aber auch Burgstaller Bürger waren vor Ort.
Die dritte Tour sollte die geplante Trasse am Pfersbachgraben erkunden. Begangen wurde die nach dem Raumordnungsverfahren geplante Trasse auch beim dritten Termin allerdings nur ein Stück. Auf dem Weg zum Treffpunkt kamen alle an einem Denkmal für die Flurbereinigung vorbei. Die Anhöhe südliche von Hauptendorf wird landwirtschaftlich genutzt. Hier erstrecken sich Getreidefelder und blühende Rapsfelder, in denen die zahlreiche Bienen summen und ihren Nektar sammeln. Viele dieser durch die Flurbereinigung entstandenen großen Felder sollen durch die Trassenführung zerschnitten werden und können damit kaum mehr wirtschaftlich von den Landwirten bearbeitet werden. Damit steht auch die Existenz des letzten landwirtschaftlichen Betriebs mit Viehhaltung in Hauptendorf auf dem Spiel.
Den Trassenverlauf hatten die Initiatoren um Christian von Reitzenstein durch Trassierbänder, die sich etwa durch ein großes Getreidefeld zogen, für alle kenntlich gemacht, um den Eingriff in die Landschaft zu dokumentieren. Mit dabei waren neben Christian von Reitzenstein auch Caroline Rattmann, Horst Eisenack, Ulrike Schröder, BN-Kreisvorsitzender Helmut König und Norbert Graß sowie Gerhard Häfner, Vorsitzender der Ortsgruppe Herzogenaurach des Bund Naturschutz.
Für Professor Graß sei es die Aufgabe, Probleme sinnvoll und dauerhaft zu lösen. Es gehe nicht darum, Mobilität zu verhindern. Man müsse weiter denken als nur an Straßenbau. Die Initiative wolle keinesfalls Industrieaktivitäten blockieren, aber bessere Lösungen finden.


Wieder im Bewusstsein

Einen Effekt hatte die Entfernung der Bahngleise bei der Zufahrt nach Hauptendorf auf jeden Fall. Sie wurden wieder ins Bewußtsein der Bürger gebracht und eine Diskussion über ihren Nutzen angestoßen, konnte Christian von Reitzenstein in seiner Begrüßung feststellen. Der Erlanger Stadtrat habe daraufhin einen positiven Beschluß zur teilweise noch genutzten Eisenbahnlinie gefaßt. Christian von Reitzenstein forderte daher, nach dem Motto "Neue Züge auf alte Gleise" zu verfahren und dadurch die Landschaft zu schützen und die Natur nicht zu zerstören. Für die Initiatoren ist auch nicht nachvollziehbar, warum die Bahntrasse nicht mehr gewollt ist. Sie weisen darauf hin, dass die Regierung von Mittelfranken in ihrer landesplanerischen Beurteilung eine mögliche Wiederherstellung des Bahnverkehrs einfordert.
Auch BN-Kreisvorsitzender Helmut König sah sich trotz seines Engagements nicht in der Rolle eines Verhinderers oder Bremsers, wie in einem Leserbrief, abgedruckt in der Regionalpresse zu lesen war. Einig waren sich die meisten Anwesenden, dass der Durchgangsverkehr in Niederndorf untragbar sei. Es müsste aber eine andere Lösung gefunden werden.
Ob die weit ausgreifende sogenannte Südumgehung die passende und praktikabelste Lösung ist, wurde aber bezweifelt. Für die anvisierte Streckenläge von 5,29 Kilometern, und damit nur zwei Kilometer mehr als die jetzige Durchfahrt durch Niederndorf, werde zuviel Fläche verbraucht. Die Zahlen sind ihrer Meinung nach horrend: 22,3 Hektar werden benötigt, das entspricht 740 Hausgrundstücken mit einer Fläche von 300 Quadratmetern. Auch die Kosten sind furchterregend 37,5 Millionen Euro sind veranschlagt. Wobei die Formulierung Südumgehung von vielen als irreführend empfunden wird, da es genaugenommen ein "Firmenzubringer" ist.


Verlust von Tierarten

Beim Abgehen der Strecke konnten sich die Teilnehmer ein Bild von den Eingriffen in die Natur machen. Über das Pfersbachtal soll eine hohe und lange Brücke den Verkehr führen. Auch die Bewohner des Neubaugebiets von Hauptendorf äußerten Unverständnis für die "Vergewaltigung der Natur", besonders für diesen Anlass. Mit dem Flächenverbrauch einher gehe der Verlust zahlreicher Tierarten im Untersuchungsgebiet. Aufgelistet haben die Aktiven des Bundes Naturschutz geschützte Tierarten wie 19 Vogelarten, sechs Fledermausarten, Zauneidechse, Kammmolch, zwei Libellenarten, drei Heuschreckenarten, 14 Nachfalterarten und Tagfalter. Besonders am Pfersbachgraben sind die Waldohreule, die Dorngrasmücke, seltene Fledermausarten und die Goldammer beheimatet.