Es waren laute Fangesänge. Noch lange bevor die Türen sich öffneten. Die Türen, die das Kofferband und den Zoll von der öffentlich zugängigen Flughafenhalle trennen. Kemal Celik singt kräftig mit. "Galataserei Istanbul'da zafer getirmek. Basketbol bizim hayatımız." Der Herzogenauracher ist zwar in Deutschland geboren, spricht fränkisch besser als türkisch und fliegt meist nur im Urlaub in die Türkei. "Galataserei Istanbul holt sich den Sieg. Basketball ist unser Leben." Auf türkisch klingt es emotionaler, fordernder.



Doch da seine Großeltern und ein Bruder noch in Istanbul leben, fühlt er sich "seiner" Stadt verbunden. "Ich find' cool, was die machen", erklärt er. Er sei begeistert gewesen, als die Türen sich schließlich geöffnet haben, erklärt er einen Tag später. "Es war ein tolles Bild als ein Sportler nach dem anderen in die Halle rollte!" In die Halle rollte? Es war nämlich eine besondere Mannschaft, die dort am Nürnberger Flughafen in den Abendstunden begrüßt wurde. Die Rollstuhl-Basketballer von Galataserei Istanbul machten Zwischenstation in der Frankenmetropole.

Galatasaray Istanbul ist nicht nur in der Türkei bekannt. Es ist ein Sportverein aus Istanbul. Mit 18 türkischen Meisterschaften und 14 Pokalsiegen ist er der erfolgreichste und populärste Fußballverein in der Türkei. Einmalig als türkische Mannschaft ist der Gewinn des UEFA-Pokal und UEFA-Super-Cups im Jahr 2000.
Celik ist natürlich "Gala"-Fan. Obwohl die Nachbarstadt Erlangen eine Partnerschaft zum Istanbuler Ortsteil Besiktas unterhält? Vielleicht auch deswegen! "Das ist irgendwie so wie FC-Bayern und TSV 1860 München - man spielt in der selben Stadt, aber Fan von beiden geht nicht."

Schade findet er, dass seine Mannschaft nicht hier in der Region spielt, sie sind auf dem Weg nach Zwickau. Dort findet am 8. und 9. März ein Spitzenturnier aus. Der RSC-Rollis Zwickau ist Ausrichter des Turniers innerhalb der Euroleague. Fünf Mannschaften kämpfen um den Einzug in den Champions Cup, die Krone im europäischen Rollstuhlbasketball. Drei Gruppen gibt es, in Zwickau werden die Spiele der Gruppe B absolviert. "Das sind echt schwere Mannschaften", meint Celik. Neben Galatasaray Istanbul spielen die Mannschaften Anmic Sassari sowie Porto Torres aus Italien und CS Meaux aus Frankreich.

"Eine harte Nuss", weiß Celik, der sich erstaunlich gut mit dem Rollstuhlbasketball auskennt. "Der ist in der Türkei total populär - im Grunde kommt er direkt nach dem Fußball." Kein Wunder: Galatasaray ist türkischer Meister im Rollstuhlbasketball und zählt als Finalist 2012 zu den weltbesten Mannschaften. Den Champions Cup hatte die Mannschaft im vergangenen Jahr bereits erhalten.

Wie hoch die Emotionen bei dieser Sportart schlagen, zeigte sich im vergangenen Jahr beim Derby gegen die Mannschaft aus Besiktas. Es kam zu Ausschreitungen zwischen den Fans, bei denen auch Sportler verletzt wurden. Das berichteten türkische Medien im Zusammenhang zu diesem Ereignis. Das was man immer als "typisch für Fußball" empfunden hatte - vor allem wenn es gegen den Erzrivalen Fenerbahçe Istanbul ging - hatte plötzlich Einzug in die Basketballhalle genommen.

Beleidigende Gesänge einer kleinen Gruppe haben letztlich dazu geführt, dass sogar die Rollstühle der Sportler zerstört wurden. Tränengas und Spielabbruch waren damals die Folge. "Der Sport in diesem Land ist jetzt auch offiziell tot", hatte Galatasaray-Trainer Sedat Incesu damals geäußert. Für Celik unverständlich. "Klar gehen wir mit unserer Mannschaft auf, aber Gewalt verbietet sich von alleine." Der Empfang am Flughafen hat diese Einstellung widergespiegelt. Blumen für die Spieler waren eines, aber auch das Verhalten der Fans. Den geschäftigen Fluggästen, die lediglich schnell in den Feierabend wollten, wurde Platz gemacht. Türkische Speisen wurden den Spielern gereicht, ein Willkommen, so wie es sein soll.

"Mein Wunsch? Das einer unserer großen Sportfirmen mal solch eine Mannschaft für eine Autogrammstunde einlädt - nicht nur immer die großen Teams." Wobei der 17-jährige Herzogenauracher Türke sofort nachschiebt: "Eigentlich ist das Team ja viel größer, denn das sind echte Sporthelden." Daher geht es für ihn auch am Samstag nach Zwickau, denn der Empfang am Flughafen war eines, sie spielen zu sehen, ist etwas ganz anderes.