Es war am letzten Freitag. In einem öffentlich zugänglichen Büro in Höchstadt kurz vor Feierabend. Eine junge Mitarbeiterin, alleine, war quasi schon im Wochenende. Da geht die Tür auf und ein Mann tritt herein, bittet in einer Mischung aus gebrochenem Deutsch und einer fremden Sprache um Geld. Mehrfach sagt die Frau ihm, sie gebe ihm nichts und er solle gehen. Der Bettler hört nicht auf, fragt weiter immer aggressiver nach Geld oder nach einer Arbeit. Er geht bedrohlich auf die Frau zu und schielt in Richtung ihrer Handtasche.

"Ich habe versucht ruhig zu bleiben. Ich hatte richtig Angst", sagt die junge Frau gegenüber inFranken.de. Wo genau sich der Vorfall zugetragen hat, soll hier Nebensache sein. Es hätte überall sein können. Nach Auskunft von Thomas Gamm, Stellvertretender Polizeichef, habe es an diesem Tag mehrere Anrufe wegen aufdringlicher Bettler gegeben. Auch inFranken.de hat einen Hinweis auf einen solchen Fall auf der Straße in der Nähe der Don-Bosco-Schule bekommen.

Sie habe sich extrem unwohl gefühlt. Machtlos, sagt die Frau über den ungebetenen Besuch im Büro. Die Minuten bis der Mann schließlich von selbst gegangen ist, seien ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen. Zu Hause, als sie ein bisschen ruhiger wurde, habe sie sich entschieden, zur Polizei zu gehen.


Polizist gibt seltsamen Tipp

Dort allerdings habe man nicht gerade dazu beigetragen, dass sie sich sicherer fühlt, sagt die Frau. Der Polizist, mit dem sie gesprochen habe, habe ihr empfohlen "man solle ihm das nächste Mal Prügel androhen, dann würde er wieder abhauen." Sie sei einigermaßen schockiert gewesen über diesen Ratschlag. Sie stelle sich die Frage, ob man heute nicht mehr sicher sein kann, ob man sich als Frau vielleicht mit Pfefferspray bewaffnen muss, obwohl sie das nicht wolle.

Der Tipp des Kollegen gegenüber der Frau sei bestimmt nicht das gewesen, was man sich als Hilfe der Polizei vorstellt und daher eher unglücklich gewesen, sagt Gamm. Er sei sich aber sicher, der wohl zu flapsige Spruch sei anders gemeint gewesen.

Dass man nämlich durchaus forsch auftreten solle, wenn man in dieser Form bedrängt wird. Man solle lautstark und deutlich auftreten und mit einem Anruf bei der Polizei drohen beziehungsweise diesen tätigen.

Fälle von aggressiver Bettelei, zwischen Unverschämtheit und Straftat solcher Zeitgenossen fahrenden Volkes, die an der Haustür klingeln und nicht gehen wollen, auch wenn sie aufgefordert werden, gibt es immer wieder. Die Gemeinde Adelsdorf hat vergangenes Jahr eine Allgemeinverfügung eines Bettelverbots erlassen. Bürgermeister Gerald Brehm (JL) sieht in Höchstadt die Dringlichkeit für einen solchen Schritt - zumindest derzeit - nicht gegeben. Gamm von der Polizei sagt, er zweifle etwas an der abschreckenden Wirkung einer solchen Verfügung.

Alleine an jenen Freitag habe es etliche Anrufe von Bürgern gegeben, sagt Gamm. Vormittags im Weingartsgraben und im Schäfergraben, mittags im Rebenweg, nachmittags in Gremsdorf. Die Streifen, die dann sofort dorthin gefahren seien, hätten an diesen Orten auch jeweils zwei bis drei Personen vorgefunden, Daten aufgenommen und dann gegen sie einen Platzverweis ausgesprochen. In den Fällen, in denen sie noch nicht erkennungsdienstlich in Erscheinung getreten waren, wurden Lichtbilder aufgenommen.


Gibt es ein Delikt?

Und das war es dann? Warum werden solche Delikte nicht weiter verfolgt? Beim Wort Delikt fange es schon an, sagt Gamm. Denn, und das ist die Grundlage polizeilichen Handelns, sei Betteln rechtlich erst mal keine Straftat. Erst mit falschen Behauptungen (Betrug), Drohungen (Nötigung) oder Nichtverlassen des Platzes (Hausfriedensbruch) könne man strafrechtlich etwas tun. Dazu brauche es aber auch jemanden, der dementsprechend Anzeige erstattet.


Oft werden die Fälle eingestellt

Und selbst wenn dem so sei, sagt Gamm: Die Polizei leitet es an die Staatsanwaltschaft weiter, die dann über ein Verfahren entscheidet. In den allermeisten dieser Fälle würde dann wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Das liege einerseits daran, dass es eher um eine "niedrigere Gewichtung der Straftat im Vergleich zu anderen" gehe. Andererseits sei den Personen der betreffenden Klientel schwer beizukommen: Wohnsitz im Ausland, beziehungsweise manchmal gar keiner, kein Bargeld, das als Sicherheit hinterlegt werden könnte.

Ihm sei bewusst, dass "die strafrechtliche Konsequenz nicht so ist, wie die Betroffenen es sich wünschen", sagt Gamm. Sicher sei aber, dass die Polizei sich nicht auf der Nase herumtanzen lasse. "Wir nehmen diese Hinweise alle sehr ernst." Treffe man die Personen noch vor Ort an, gebe es einen Ortsverweis.

Gamm könne verstehen, dass die besagte Frau sich sehr unwohl gefühlt hat. Es sei durchaus denkbar, dass es sich um Hausfriedensbruch handelte. Oft bewege man sich da - rein juristisch - aber in einer Grauzone.
Gamm rät dazu, schnell die Polizei zu kontaktieren. Die Beamten seien auch beratend tätig, etwa bei einer Schulung des Landratsamt für Mitarbeiter, die im Rahmen ihrer Arbeit häufiger mit unangenehm aufdringlichen Personen zu tun hätten.


Polizei rät von Pfefferspray ab

Sich zu bewaffnen, Stichwort Pfefferspray, davon rate er aber dringend ab. Denn in geschlossenen Räumen hätten diese Sprays eine fatale Wirkung. Sie setzten oftmals auch den Angegriffenen selbst außer Gefecht.
Das beste, und hier sagt Gamm das, was der missglückte Hinweis des Kollegen wohl gewesen sein sollte, sei genau so barsch zu antworten, wie der Bettelnde auftritt: "Du hast hier nichts zu suchen. Du bekommst hier nichts. Ich rufe gleich die Polizei."

Auch wenn besagte Frau dies getan hat, hat das anscheinend nicht gleich gefruchtet. Und das mulmige Gefühl, das war trotzdem da.