• Adelsdorf aktuell ohne Kinderarzt: "Situation dramatisch verschlechtert"
  • Ärztin möchte sich niederlassen - doch Gemeinde braucht Kassensitz
  • Prekäre Lage hat Folgen: Höchstadter Kinderarzt meldet Überlastung
  • Bürgermeister schickt Hilferuf an Politik, Krankenkassen und Bürger

Dass ländliche Gebiete und Gemeinden es schwer haben, Ärzte zu finden, ist allgemein bekannt. Adelsdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) hat ein spezielleres Problem: Eine laut Bürgermeister Karsten Fischkal (Freie Wähler) "dringend benötigte" Kinderärztin möchte sich niederlassen, doch es gibt keinen Kassensitz, der ihr ermöglicht, vertragsärztlich tätig zu werden. Mit einem eindringlichen Hilferuf an Politik, Krankenkassen und Bürgerschaft macht er sich deshalb für die Lösung des Problems stark.

Bürgermeister kämpft um Kinderärztin für Adelsdorf - "Einwohnerzahlen sehr stark angestiegen"

"In vielen Regionen Bayerns gibt es Kassensitze, aber keine Ärzte. In Adelsdorf ist es genau andersrum. Wir haben eine Kinderärztin - aber keinen Kassensitz", so steht es fett in Fischkals Schreiben "an die zuständigen Ministerien, die Kranken- und Ersatzkassen, die Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung und an die Bundes-, Landes- sowie Kommunalpolitiker aus der Region Erlangen-Höchstadt".

Wie das Software-Unternehmen für Terminmanagement in Praxen Doctolib definiert, sei ein Kassensitz mit einer Zulassung gleichzusetzen. Ärztinnen und Ärzte könnten sich damit selbstständig machen, "sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte behandeln und ihre Leistungen mit den Krankenkassen abrechnen". Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) steuerten die Anzahl der Kassensitze in den jeweiligen Bundesländern durch eine Bedarfsplanung.

Wie Fischkal in seinem Brandbrief betont, seien die Einwohnerzahlen der Gemeinde "seit 2015 sehr stark angestiegen". 2021 habe eine Adelsdorfer Kinderarztpraxis, die letzte im Ort, nach zehn Jahren geschlossen. Seitdem habe "sich die Situation dramatisch verschlechtert". Zwar habe es dann 2022 einen halben Kassensitz für den Landkreis Erlangen-Höchstadt gegeben, dieser sei letztlich jedoch an Kinderarzt Stefan Oberle in Höchstadt gegangen.

Ärztin könnte Praxisräume beziehen - doch Planungsbereich Erlangen-Höchstadt für Zulassungen gesperrt

"Somit sind nun alle Eltern der Gemeinde Adelsdorf auf ein Auto beziehungsweise öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, um zu ihrem Kinderarzt zu kommen. Das ist vor allem mit kranken oder sehr kleinen Kindern eine zusätzliche Belastung", fügt Fischkal hinzu. Oberle habe im November 2022 dann sogar eine Überlastungsanzeige an die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns geschickt, weil sich die Lage zugespitzt habe. "Ich bin mehr als besorgt über diese Entwicklung", so Fischkal.

Hier kommt Kinderärztin Johanna Fleischmann ins Spiel, die derzeit am Klinikum Fürth praktiziere und sich gerne in Adelsdorf niederlassen würde. Praxisräume gebe es dafür sogar, teilt der Bürgermeister mit. Aktuell sei aber der Planungsbereich Landkreis Erlangen-Höchstadt für Kinder- und Jugendärzte gesperrt. Sein Plädoyer an den am 31. Januar 2023 tagenden Landesausschuss für Ärzte und Krankenkassen deshalb: 

"Ich bitte Sie, sich aufgrund der genannten Argumente den Planungsbereich Gemeinde Adelsdorf genauer anzuschauen und einen Kassensitz freizugeben." Auch an die Bürgerschaft wendet sich Fischkal auf der Gemeindewebseite mit einem Aufruf: "Helfen Sie uns, einen Kassensitz für Adelsdorf zu bekommen." Hier bittet er um eine Mail mit vorgegebenem Text, der den Wunsch nach einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt in Adelsdorf ausdrückt. Bürgermeister Karsten Fischkal will nun "mit der Hoffnung auf eine positive Nachricht" auf eine Rückmeldung seitens der Politik warten.