Die Fußballfans. Wenn Stefan Platsch jemand wirklich genervt aufstöhnen lässt, dann sind es echt die Fußballfans. Kaum halten sie auf dem Weg zum nächsten Auswärtsspiel auf dem Autobahnparkplatz "Coburger Forst" an, hinterlassen sie ihre Spuren: Aufkleber, Schmierereien, manchmal auch demolierte Anlagen. Und wegmachen dürfen alles Stefan Platsch und seine Kollegen von der Coburger Straßenmeisterei. Denn die ist im Auftrag der Autobahndirektion Nordbayern für den Unterhalt des einzigen Autobahnparkplatzes im Coburger Land zuständig.

Auf den ersten Blick schaut der Parkplatz an einem normalen Wochentag, wenn Platsch um halb acht von seiner Nachtschicht nach Hause fährt, gar nicht einmal so schlimm aus. Insbesondere die sauberen Toiletten überraschen, was laut Platsch aber auch seinen Grund hat: "Die werden einmal am Tag von einer Putzfrau komplett gereinigt." Meistens in den Morgenstunden. Das Team der Straßenmeisterei kümmert sich derweil um die größeren Brocken: den Müll, der sich so im Laufe eines Tages ansammelt und überall herumliegt.

Dabei gibt es ja Müllbehälter. "Die sind über drei Meter tief", sagt Lothar Schardt, der Leiter der Straßenmeisterei, und öffnet die Klappe eines Behälters. Noch ist er fast leer. "Drei, vier Wochen" dauert es laut Schardt, bis der dann tonnenschwere Plastiksack herausgezogen und der Müll mitgenommen wird. Dass riesige Abfallbehälter vorhanden sind, heißt aber noch lange nicht, dass sie ausschließlich genutzt werden. Stefan Platsch jedenfalls schaut bei seinen regelmäßigen Kontrollfahrten auf dem Parkplatz immer erst einmal, ob nicht irgendwo Abfall rum liegt. Und das tut es immer. "Alles was nicht in die Mülltonne reinpasst", sagt Platsch, bleibt liegen.


Das Beste aus dem Garten

Und was da alles liegen bleibt! Hausmüll, Bauschutt, Farbeimer, Fließen, originalverpackte Gartenausstattung - Lothar Schardt könnte noch ewig weiter aufzählen. Sogar einen neuen Trend hat der Straßenmeister ausgemacht: "Gartenabfälle." Dass es schwerer ist, sein Grüngut mit auf den Autobahnparkplatz zu nehmen, als auf einem der vielen Kompostplätze in der Region zu entsorgen, scheint die Abfallsünder nicht zu stören. Stefan Platsch fällt noch was ein: die Unmengen an Plastikflaschen, gerne auch säckeweise. "Dabei kann man die doch daheim im gelben Sack kostenlos zur Müllabfuhr an den Straßenrand stellen", wundert sich Platsch, den nach Jahren bei der Straßenmeisterei doch eigentlich gar nichts mehr wundert.

Nach einem Rundgang über den Parkplatz, ein paar kritischen Worten über Lkw-Fahrer ("Manche von denen sind zu faul, die paar Schritte aufs Klo zu laufen") und einer Anekdote über einen Autoschlüssel im dreieinhalb Meter tiefen Müllcontainer zieht Lothar Schardt seinen Schlüsselbund aus der Hosentasche und öffnet eine für Verkehrsteilnehmer gesperrte Tür. Dahinter ist der prall gefüllte Technikraum für die Toilettenanlage - unglaublich viele Schalter, Ventile, Putzmittel und ein Hochdruckreiniger. "Die Leitungen sind beheizt, das ist alles hochsensibel hier", sagt Schardt beiläufig.

Ob Männer oder Frauen (was man von Gastwirten häufig zu hören bekommt) die größeren Ferkel beim Gang zur Toilette sind, vermag der Leiter der Straßenmeisterei nicht abzuschätzen. Wie auch? Am "Coburger Forst" gibt es keine "Männlein/Weiblein", sondern gemischte Toiletten und ein Pissoir. Alle schauen ordentlich aus, was Schardt beim Blick auf den Reinigungsplan selbst ein bisschen wundert: "Die Putzfrau war ja noch gar nicht da..."

Dass die Behindertentoilette nahezu unbenutzt und picobello sauber ist, hat seinen Grund, erklärt Schardt: "Dafür braucht man einen speziellen Schlüssel." Der kann von Menschen mit Behindertenausweisen beantragt werden und passt in alle Türen von Behindertentoiletten auf deutschen Parkplätzen und Rastanlagen.


Die Bayern sind sauberer

Wenn Lothar Schardt in Deutschland unterwegs ist, wirft er natürlich immer einen besonders genauen Blick auf die Parkplätze in anderen Bundesländern. Schlechte Noten bekommen die von ihm nicht, aber im Vergleich zu anderen Region stuft er die bayerischen Anlagen schon als "sehr anständig" ein. Dies liege daran, dass die Autobahndirektionen sehr "dahinter her" seien, was die Sauberkeit auf derartigen Anlage angehe. Auch wenn das nicht billig sei.

Geheime Tipps und Tricks, was man auf einem Autobahnparkplatz beachten sollte, hat ein pragmatischer Mensch wie Stefan Platsch nicht. Augen und Ohren sollte man immer offen halten, aber am Ende steht für Platsch: "Sein Geschäft sollte jeder schon ordentlich für sich alleine erledigen können."