So einen Garten wie den Bertelsdorfer Mühlgarten liebt der Vogel. Ein bisschen verwachsen, mit vielen Hecken, Bäumen, Büschen und Nischen, wo man nisten oder nach Futter suchen kann. Mit einem Garten wie dem Mühlgarten, den einst die 2009 verstorbene Eva Herold als Stiftung dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) vermachte, würde man am Wochenende sicher eine dicke Strichliste mit Meldungen für die "Stunde der Gartenvögel" zusammen bekommen. Aber so ein Paradies braucht man nicht zwingend, um bei der Aktion mitmachen zu können.
Vielmehr: "Man braucht überhaupt keinen Garten", betont Alexander Ulmer, der Geschäftsführer bei der Coburger Kreisgruppe im LBV ist. Um Vogelsichtungen zu melden, könne man sich genauso gut eine Stunde in einen Stadtpark setzen und die Augen offen halten.
"Sich Zeit nehmen und auf die Natur besinnen", das schade nie, sagt Ulmer und empfiehlt, die "Stunde der Gartenvögel" doch gleich zur Familienaktion zu machen. Oma/Opa/Vater/Mutter und dazu die Kinder - das mache doch sicher Spaß.
Die Menschen dazu zu bringen, die gesamte Natur (der LBV nennt sich schließlich "Verband für Arten und Biotopschutz") ein bisschen wiederzuentdecken, ist sicher ein nicht ganz unerheblicher Antrieb dafür gewesen, die "Stunde der Gartenvögel" ins Leben zu rufen. Freilich, zur Inventarisierung der Tierbestände sind auch die reinen Zahlen wichtig. "Man erkennt aus den vielen tausend Meldungen schon, wie naturnah sich die Gärten in Bayern entwickeln", erklärt Ulmer.


Dann kommen auch die Vögel

Seinen Garten ein bisschen natur- und vogelfreundlicher zu machen, ist kein Hexenwerk. Der erste Schritt, sagt der LBV-Kreisgeschäftsführer, wäre es einfach Architektur und Design bei der Gartengestaltung nicht ganz vornhin zu stellen. Wer bei seinem Garten ein bisschen dem Vorbild der Natur folge und ein paar "wilde Ecke" lasse, gestalte einen abwechslungsreichen Lebensraum. Dort, wo sich Blumen und Insekten wohl fühlen, da fühlen sich auch die Vögel wohl - schließlich leben sie zumeist genau davon. Wer seinem Garten ein bisschen freien Lauf lässt, wird schnell belohnt, versichert der Diplom-Geoökologe: "Dann steigt die Dichte des Vogelbestandes schnell."
Werden die Lebensräume dagegen weniger, gehen die Bestände aber auch dramatisch schnell zurück. Alexander Ulmer weiß von Statistiken, wonach die Zahl der Feldvögel in den vergangenen Jahren um rund eine halbe Milliarde Exemplare zurückgegangen ist. Nur auf Deutschland bezogen! Feldvögel, das sind Goldammer, Feldlerche oder Feldsperling, die in der Welt einer zunehmend industrialisierten Landwirtschaft keinen Platz mehr finden. Im Coburger Land, ergänzt Ulmer, gibt es diese Vögel aber schon noch. Hier sei die Landwirtschaft in großen Teilen noch so kleinteilig, dass sich immer wieder mal eine wilde Ecke für die Natur finde. Ein Problem, auch in Franken, ist es aber inzwischen, dass es zunehmend weniger Insekten als Hauptnahrung vieler Vögel gibt. Dass dies so ist, kann jeder beim Autofahren feststellen, erklärt Ulmer: "Was da an die Windschutzscheibe klatscht, ist doch von der Menge her nicht mehr mit dem zu vergleichen, wie es vor ein paar Jahren war."


Lebens-Raum ist überall

Selbst der kleinste Innenstadt-Garten kann für Vögel wichtig sein. Meisen und Amseln sind zwei Vogelarten, die nicht zwingend in der romantischen freien Natur leben müssen. Sie brauchen nur ein paar kleine, grüne Parzellen, in denen sie sich aufhalten können. Und ein bisschen Futter. Deshalb schimpft ein Fachmann wie Alexander Ulmer auch nicht, wenn Garten- und Balkonbesitzer in der Stadt ihr kleines Vogelfuttersilo das ganze Jahr über gefüllt halten: "Wo die Natur zugebaut ist, da kann eine ganzjährige Fütterung helfen, die Bestände zu stabilisieren."


Die Stunde der Gartenvögel

Aktion: Einmal im Jahr ruft der Landesbund für Vogelschutz die Menschen dazu auf, in einer beliebigen Stunde die Vögel in ihrem Garten, vor dem Balkon oder im Park zu zählen. Diesmal läuft der Aktionszeitraum von Freitag bis Pfingstsonntag.

Informationen: Unterlagen und Fotos der wichtigsten Vögel sind auf der Homepage des LBV unter www.stunde-der-gartenvoegel.lbv.de zu finden.

Besonderheit: In diesem Jahr geht es dem LBV nicht nur um die Vogelbestände. Auf dem Meldezettel für die "Stunde der Gartenvögel" sollen auch Sichtungen von Katzen, Hornissen, Erdkröten und Zauneidechsen eingetragen werden.