Lahm im Itzgrund
Das schönere Dorf

Warum man in Lahm ein schönes Leben hat

Als einzige Vertreter aus dem Landkreis Coburg haben sich Lahm und Pülsdorf (Gemeinde Itzgrund) mit ihrer gemeinsamen Bewerbung für den Landesentscheid im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden, unser Dorf hat Zukunft" qualifiziert. Am Mittwoch wird es ernst - die Bewertungskommission kommt.
Annabel Waldmann freut sich schon, wenn am Mittwoch die Bewertungskommission zum Landesentscheid bei "Unter Dorf soll schöner werden, unser Dorf hat Zukunft" ihren Heimatort Lahm besucht. Dann wird sie erzählen, wie gerne sie im Itzgrund lebt. Foto: Berthold Köhler
Annabel Waldmann freut sich schon, wenn am Mittwoch die Bewertungskommission zum Landesentscheid bei "Unter Dorf soll schöner werden, unser Dorf hat Zukunft" ihren Heimatort Lahm besucht. Dann wird sie erzählen, wie gerne sie im Itzgrund lebt. Foto: Berthold Köhler
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Der Probelauf für den Besuch der Landes-Delegation im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden, unser Dorf hat Zukunft" ist "ein Kampf um jede Sekunde". Das sagt Bernhard Diterich, während er mit der Stoppuhr in der Hand auf der Hauptstraße steht und den Worten von Annabel Waldmann lauscht. Die junge Frau stammt aus Oberbayern, ist Neubürgerin in Lahm und wird den Juroren erzählen, wie schön es im Itzgrund ist. Anderthalb Minuten hat sie dafür Zeit - das steht zumindest auf der Liste, die Werner Thomas in der Hand hält. Beim Probelauf am Wochenende klappte der Zeitplan schon wie am Schnürchen.

Mit einer Ausnahme natürlich: Das Wetter spielte nicht mit, am Mittwoch Nachmittag soll und wird es aber besser werden. "Da soll es lieber jetzt regnen", freut sich Friedrich Boos vom örtlichen Obst- und Gartenbauverein fast ein bisschen über die verregnete Generalprobe. Denn wenn die nicht so toll läuft - das ist bei "Unser Dorf soll schöner werden" nicht anders als beim Theater -, dann wird die Hauptvorstellung umso schöner.
Eine Stunde haben die Pülsdorfer und Lahmer am Mittwoch Zeit, die Mitglieder der Landes-Jury von der Schönheit und der Lebensqualität drunten im südlichen Itzgrund zu überzeugen. Die beiden Orte sind gemeinsam der einzige Vertreter des Landkreises Coburg, der sich als Bezirks-Sieger für den Landesentscheid qualifizierte. 18 Orte aus dem gesamten Freistaat gehen dabei an den Start.

"Ein bisschen durchgeschnauft", erzählt Jürgen Alt, haben die Lahmer und Pülsdorfer, nachdem sie im vergangenen Jahr ziemlich überraschend mit einer Gold-Medaille auf Bezirksebene ausgezeichnet wurden. Im März begann dann die "heiße Phase" der Vorbereitung auf den morgigen Tag, wobei es - das gibt Alt offen zu - gerade in der Anfangsphase nicht ganz einfach war, das Dorf noch einmal für den Kraftakt einer eindrucksvollen Präsentation zu motivieren. Doch es gelang. Friedrich Boos jedenfalls ist nicht erst seit dem Test-Rundgang am Samstag "felsenfest davon überzeugt", dass Lahm/Pülsdorf einen "sehr guten Platz" erreichen werden. Was genau er sich darunter vorstellt, verrät Boos dann aber nicht. "Eine Bronzemedaille bekommen wir sicher", sagt er verschmitzt. Klar, denn jeder Teilnehmer bekommt Bronze.

Ein Mittelfeldplatz - oder mehr?

Werner Thomas ist nicht nur Lahmer Bürger, sondern auch das Gemeindeoberhaupt im Itzgrund. Wie es sich für einen Politiker gehört, geht er den Landesentscheid "vorsichtig" an. Ein Mittelplatz würde ihn absolut zufriedenstellen, sagt Thomas, während er nach der Abschlussbesprechung vor dem Friedhof die Bratwürste für die freiwilligen Helfer beim letzten gemeinsamen Termin grillt.

Natürlich hat sich in Pülsdorf (wo die Jury empfangen wird und eine 30-minütige Präsentation zu sehen bekommt) und Lahm seit dem Bezirkswettbewerb einiges getan. Auf dem Friedhof steht zum Beispiel der frisch restaurierte Kutscher-Stein. "Da hat er sich darum verdient gemacht", sagt der Bürgermeister und klopft Wolfgang Elflein anerkennend auf die Schulter. Dieser hat sich in den vergangenen Monaten um das genau 300 Jahre alte Denkmal für den bei einem Unfall im Alter von "64 Jahr 2 Monat 3 Tage" tödlich verunglückten "wolvürnehmen Herrn Johann Peter Hoffman" (so steht es auf dem Stein) gekümmert. Nun ziert es die Mittel-Reihe des Lahmer Friedhofes. "Der Landeswettbewerb war der richtige Zeitpunkt, die Sanierung des Steines in Angriff zu nehmen", ist Elflein überzeugt.

Viele der Arbeitseinsätze der vergangenen Monate beschäftigten sich zudem mit dem Ortsbild. Sowohl in Lahm als auch in Pülsdorf stehen zahlreiche neu gepflanzte Laubbäume. Weniger geworden sind dagegen Nadelbäume. "Die passen nicht so in unsere Region", hat man Jürgen Alt erklärt. Und was nicht passt, das sieht man beim Landesentscheid auch nicht so gerne.

Ein Kunstwerk aus dem Teich

Ein Blickfang steht seit einigen Wochen noch vor dem Lahmer Schloss: Eine Hand voll alter Balken, die fast wie ein Kunstwerk drapiert wurden. Reinhard Grell hat die Balken gefunden, als vor zwei Jahren der Schlossteich ausgebaggert wurde. Eine Untersuchung der Hölzer ergab, dass diese aus dem 15. Jahrhundert stammen und wohl Teil eines Wasserschlosses in Lahm waren. "Eine echte Zierde", findet der Bürgermeister, sind sie nun für den Schlossplatz, der nach seiner erfolgreichen Neugestaltung ein Trumpf der Lahmer und Pülsdorfer im Landeswettbewerb werden könnte.


Am Mittwoch wird es ernst

Die Bewertungskommission für den Landesentscheid unter Leitung von Ministerialrat Günter Knüppel vom bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, trifft am Mittwoch um 13 Uhr in Pülsdorf ein. Alle Bürger sind eingeladen, sich an dieser Ortsbegehung der Jury zu beteiligen. Ende des Besuches ist gegen 15 Uhr.