Aufregende Zeiten für das Landestheater Coburg und damit für die Theaterinteressierten der Region. Ein Intendant geht, ein Intendant kommt mit neuen ästhetischen Vorstellung. Doch zudem steht die Jahrhundertaufgabe der Generalsanierung und Modernisierung des Großen Hauses am Schlossplatz an, wozu sich der gesamte Betrieb mit 240 Mitarbeitern auf anderes Arbeiten an anderen Orten einstellen muss. Für das Publikum bedeutet das für eine Weile Abschied nehmen von lieben Gewohnheiten, aber auch Vorfreude auf Neues, auf anderes Theater in der neu zu errichtenden Interimsspielstätte am Anger.


"Übergänge gestalten" steht gedanklich in riesigen Buchstaben über den verantwortlichen Köpfen des Landestheaters. Kaufmännischer Direktor Fritz Frömming fast die (zusätzlich zu stemmenden) Aufgaben zusammen: Ein neuer Chef. Die Organisation einer gigantischen Sanierung. Der Bau einer Interimsspielstätte. Die Vorbereitung des Umzuges. Ganz nebenbei voller Spielbetrieb, jetzt und hoffentlich immerdar. Kein Geld. Das ganze bitte bis Ende nächsten Jahres.


Das für die kommende Spielzeit, bis der eben designierte Intendant Bernhard F. Loges seine Position bezieht, als Interims-Theaterleitung installierte Triumvirat blickt einen Moment mit Schrecken in den Augen hoch. Um dann gemeinschaftlich in Gelächter auszubrechen. Dass im Hintergrund der Wahnsinn hüpft, ist nicht zu übersehen. "Klar", fängt Frömming alle und alles wieder ein, "das ist eine Zumutung für die Beteiligten".


Gelungen sein wird die Bewältigung dieser Aufgaben, springt ihm Schauspieldirektor Matthias Straub bei, wenn es keiner merkt. "Das ist unser Ziel". Sagt's entschieden, greift nach dem über dem Besprechungstisch gespensternden Damoklesschwert und schwingt es wie ein Musketier. - Na, dann is ja gut. Derweil Generalmusikdirektor Roland Kluttig blinzelnd einige Millimeter, aber wirklich nur ganz wenige, tiefer in seinen Stuhl sinkt. "Ich find's ganz spannend. Ich krieg jetzt Einblicke in mir neue Bereiche." Ballettchef Mark McClain mit entzückenden Ähä-Lächeln dazu: " Nn. Ja."


Schon zusammen mit Loges

Womit beim Tageblatt-Gespräch die Frage nach dem Harmoniegrad der ja keineswegs selbstverständlichen Gemeinschaftsregierung anschaulich beantwortet wäre. "Noch'n Jahr und wir singen im Chor", spöttlet Frömming. "Aber sicher, und zwar als Comedian Harmonists", gibt Kluttig noch schräg bei. - Jetzt aber mal ernsthaft, meine Herren: Neben dem Triumvirat muss ja der Neue sofort mit der Vorbereitung der herausfordernden Übergangsspielzeit 2018/2019 beginnen, so wie Bodo Busse in der laufenden Saison den Spagat zwischen Coburg und dem Staatstheater Saarbrücken, das er ab August offiziell leiten wird, leisten muss.


Nein, nicht parallel, sondern in dieser besonderen Konstellation zusammen mit den in Coburg verbliebenen Führungskräften. Loges werde wo immer möglich und sinnvoll bereits intensiv in die anstehenden Haushaltsplanungen und (Personal-)Entscheidungen einbezogen. Die wiederum brauchen damit nicht auf das eine Jahr der Interimsführung beschränkt, sondern können bereits längerfristig angelegt sein, was für das Publikum ja durchaus von Bedeutung ist. Man will in Coburg schließlich seine Sänger und Schauspieler lieb gewinnen können. Und da ein Teil der Mann- und Frauschaft mit Busse nach Saarbrücken zieht, kommt es heuer unweigerlich zu intensiverem Wechsel.



"Es gibt inhaltlich extrem große Schnittmengen," meint Matthias Straub bereits herausgefunden zu haben. Und: "Loges signalisiert Neugier für eine weitere Zusammenarbeit." Über die kommende Spielzeit hinaus, meint er. Ein neuer Intendant bringt herkömmlicher Weise auch neue Spartenchefs mit. Doch gerade im Hinblick auf die schwierigen nächsten Jahre könnte personelle Kontinuität von Vorteil sein. Womit Straub und der zustimmend nickende Mark McClain ihrerseits andeuten, dass sie noch länger in Coburg bleiben möchten.



Das Triumvirat und der Neue




Der Zeitplan Wenn Ende 2018 die Betriebsgenehmigung für das sanierungsbedürftige Coburger Landestheater ausläuft, muss der vom Stadtrat zur Verfügung stehende Interimsgebäude in Leichtbauweise anstelle der Angerturnhalle stehen. Der designierte Intendant Bernhard F. Loges hat für diese seine erste Coburger Spielzeit den Umzug des Spielbetriebes künstlerisch zu gestalten. Mit Vertragsunterzeichnung in der vergangenen Woche wurde Loges für fünf Jahre verpflichtet, in denen das Coburger Theaterleben unter gänzlich anderen Bedingungen während der Generalsanierung des historischen Großen Hauses gestalten soll. Bis zum offiziellen Antritt von Loges im Herbst 2018 führen Kaufmännischer Direktor Fritz Frömming, Generalmusikdirektor Roland Kluttig, Schauspielchef Matthias Straub und Ballettchef Mark McClain die Geschäfte.
Bernhard F. Loges, der in Aachen geborene 36-Jährige ist seit 2009 Musiktheaterdramaturg an der Deutschen Oper am Rhein. Studiert hat er Theaterwissenschaft, Komparatistik und Alte Geschichte. 2009 promovierte er . Er hat Lehraufträge an die Ruhr-Universität Bochum und an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.