Lediglich im Rahmen sexueller Praktiken habe er seine Partnerinnen gewürgt oder verletzt, sagte ein 26-jähriger Coburger aus, der, so kristallisierte es sich im Laufe von vier Verhandlungstagen heraus, augenscheinlich bei Frauen recht gut ankommt. "Das würde ich sonst nie tun."

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung vor. Vor vier Jahren soll der Mann seine damalige Ehefrau in der Küche eingesperrt und sie gewürgt haben, einer ehemaligen Freundin, die als Servicekraft arbeitete, soll er im März letzten Jahres eine Rippenprellung zugefügt, sie ebenfalls gewürgt und schließlich vergewaltigt haben.

Gewaltexzesse

Auch eine dritte Frau wirft ihm Gewaltexzesse vor: Der Coburger habe sie im Januar 2014 in Berlin in ihrer gemeinsamen Wohnung vergewaltigt, sagte sie aus. Diese Vorwürfe wurden in einem gesonderten Gerichtsverfahren in Berlin verhandelt, für das auch ein Urteil existiert. Das ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Dennoch kam das Berliner Verfahren immer wieder zur Sprache, beispielsweise als Staatsanwalt Philipp Karr darauf drang, den Haftbefehl aus Berlin verlesen zu lassen und beide Verfahren nicht getrennt behandelt sehen wollte. Verteidiger Till Wagler lehnte dies ab, um zu verhindern, dass die Schöffen davon beeinflusst werden könnten. Auch der Vorsitzende Richter am Landgericht, Gerhard Amend, bekundete, "keine Lust zu haben, hier das Berliner Verfahren zu führen".

In seinem Plädoyer wollte Karr auf die Aussagen der Berlinerin nicht verzichten: Für den Staatsanwalt werfen sie ein bezeichnendes Bild auf den Angeklagten. Dass es gleich durch drei Zeuginnen zu Falschbelastungen gekommen sein könnte, halte er für sehr unwahrscheinlich, sagte er. Er schenkte der Servicekraft, die er als schwierige Zeugin bezeichnete und die immer wieder Probleme mit der chronologischen Abfolge der Ereignisse hatte, Glauben.

Jeder Mensch, der eloquenter als die Zeugin sei, hätte damit ebenfalls Probleme gehabt, stellte er fest. Der äußere Ablauf beider Taten - sowohl der angezeigten Vergewaltigung in Berlin als auch jener in Coburg - zeigten prinzipielle Übereinstimmungen: "Es gibt Streit, es eskaliert, es wird massive Gewalt angewandt, gedroht und gewürgt." Diese Übereinstimmungen könne die Servicekraft sich nicht einfach ausgedacht haben, argumentierte er. Von einem ehemaligen Freund des Angeklagten, der die Frau warnen wollte, könne sie die Details nicht gehabt haben, weil dieser davon keine Kenntnis besessen habe.

Diese Einzelheiten habe die Frau vom Angeklagten selbst erfahren, sagte Anwalt Till Wagler in seinem Plädoyer. Schließlich hätten sich die beiden darüber bei ihrem ersten Treffen unterhalten. Wagler zweifelte die Glaubwürdigkeit der Zeugin an, schließlich seien im Rahmen ihrer Vernehmung viele Merkwürdigkeiten aufgetaucht.

Motiv: Enttäuschte Liebe?

Während Karr und auch Amend versuchten, eine Erklärung für das Motiv des Angeklagten zu liefern, nämlich Macht über Frauen ausüben zu wollen, sah Wagler das Motiv ganz woanders: Für ihn lag eindeutig eine Falschbelastung durch die Servicekraft vor. "Das Motiv ist enttäuschte Liebe", sagte er. Zudem habe die junge Frau nicht mehr anders agieren können, als sie ihre Chefin eingeschaltet habe. Die junge Frau habe zu ihren Aussagen stehen und - wollte sie auf der Arbeit nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren - die Polizei einschalten müssen. Wagler appellierte eindringlich an das Gericht, der Aussage der Zeugin keinesfalls höheres Gewicht beizumessen als der des Angeklagten. Karr forderte eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren und bezog sich auch auf die Aussage eines Sachverständigen, der dem 26-Jährigen eine narzisstische Persönlichkeit bescheinigt und dem Gericht - unabhängig vom Ausgang des Verfahrens - nahe gelegt habe, eine psychotherapeutische Begleitung anzuordnen. Die Gewaltproblematik verneinte der Angeklagte nicht: Er räumte die Körperverletzungen, nicht aber die Vergewaltigungen, ein und entschuldigte sich dafür. Er habe ein Problem mit seiner Aggressivität, sagte der Coburger, und wisse, dass er daran arbeiten müsse.

Ausgehend von den zwei eingeräumten Körperverletzungen ging Wagler von einem "kurzen Strafmaß" aus. Ob nun mit oder ohne Bewährungsauflage, eventuell verbunden mit einer Therapie, überließ er ganz dem Ermessen des Gerichts. Am Mittwoch, 4. März, 10.45 Uhr, wird das Urteil verkündet.