In einer Gemeinschaftsaktion haben Tierarzt Joachim Lessing und das Notfallteam des Tierschutzvereins Coburg die Eier von neun Schwänen aus dem Nest an der A 73 gegen 3-D-Druck-Eier ausgetauscht. Der Grund ist, dass man die tierische Tragödie, die sich im letzten Jahr an der Autobahnausfahrt Ebersdorf bei Coburg abgespielt hat, verhindern will. Drei junge Schwäne kamen ums Leben. An der gleichen Stelle hat sich im März dieses Jahres vermutlich dasselbe Schwanenpärchen niedergelassen, ein Nest gebaut und schließlich gebrütet. Die Autobahnmeisterei hatte sich dann beim Tierschutzverein erkundigt, was man machen könne, damit es nicht zu einem ähnlichen Vorfall wie im Vorjahr kommen werde. Wieder einmal war das Tierheim auf der Brandensteinsebene der kompetente Ansprechpartner in Sachen Tierrettung.

Möglichkeiten gab es einige: Vertreiben oder die Eier anstechen. Die humanste Art aber, so schilderte es der Tierarzt, sei es, die Eier einfach gegen Kunsteier auszutauschen. Tierarzt Lessing und das Tierheimteam machten sich Gedanken, welche Eier man in das Nest legen könnte. Schließlich hatte die Autobahnmeisterei die Idee, Eier im 3-D-Druck-Verfahren herzustellen. Geplant war, die Eier so spät wie möglich gegen die Kunsteier zu ersetzen. Naturbrut sei Naturbrut und durch nichts anderes wirklich zu ersetzen, erklärte Joachim Lessing.

Sie können äußerst aggressiv sein

Die nächste Herausforderung war, an die Eier im Nest zu kommen. Denn das Elternpaar bewacht sein Gelege und verteidigt es auch. Ein Flügelschlag eines ausgewachsenen Schwans kann einem Menschen den Arm brechen. Und wenn es um ihre Jungen geht, sind Schwäne aggressiv und verteidigen sie mit ihrem Leben. So machten sich das Notfallteam des Tierschutzvereins mit Uli Baudler, Regina Hofmann, Hanna Lorenzen und der langjährigen Vorsitzenden Siegrid Ott-Beterke gemeinsam mit dem Tierarzt Joachim Lessing auf den Weg nach Ebersdorf. Die Polizei Coburg unterstützte die Aktion und stellte drei Schutzschilder zur Verfügung. Geschützt und gesichert wagte sich Joachim Lessing schließlich in das Gewässer und tauschte die Eier aus.

Die neuen seien ganz weiß gewesen und wären natürlich der Schwanenmutter gleich aufgefallen. "Ich habe sie im Schlamm hin- und her gewälzt, damit sie den eigentlichen Eier zumindest ähnelten". Als das Nest wieder bestückt war, kam die Schwanenmutter, schaute anfangs schon etwas verdutzt, akzeptierte dann die Situation und setze sich auf die Eier.

Am 24. April fand die Aktion statt und seitdem leben die inzwischen acht geschlüpften Schwäne - ein Ei war unbefruchtet - in einer Aufzuchtbox beim Tierarzt und werden dort von ihm und seiner Ehefrau aufgepäppelt. Joachim Lessing ist bei aufgefundenen oder verletzten Tieren der Fachmann der Region. Bis in den Herbst hinein werden die jungen Schwäne bei den Lessings sein und mit Aufzuchtfutter für Geflügel gepäppelt. Das Futter schwimmt im Wasser und neugierig picken die Kleinen das Futter auf. Wenn die jungen Schwäne ihr Altersgefieder bekommen haben, dann bedeutet das für sie, dass sie in die Freiheit entlassen werden. Das wird an einem Gewässer in der Nähe Coburgs sein, verriet Joachim Lessing.

Der Tierschutzverein Coburg bittet um eine Unterstützung für die Aufzucht der neun jungen Schwäne. Das Spendenkonto: Sparkasse Coburg, IBAN DE08 7835 0000 0092 0052 97. Stichwort: Schwan.