Das Spitzenspiel bot alles, was sich die Zuschauer von einem Handballspiel wünschen. Eine tolle Kulisse, zwei hochmotivierte Mannschaften, die sich nichts schenkten, und ein enges Spiel, das lange Zeit auf Messers Schneide stand. Es war Werbung für Spitzensport in der Vestestadt. Das Ärgerliche daran aus Coburger Sicht: Die "Gelben" verloren am Ende mit 29:31.

Hitzig, beherzt, hochklassig: Die 2605 Zuschauer in der für einen Mittwochabend gut gefüllten HUK-Arena bekamen von Beginn an ein hart umkämpftes Duell zwischen zwei der derzeit besten deutschen Zweitliga-Teams geboten.


Variable Angriffszüge

Beide Mannschaften bestachen mit variablen Angriffsreihen und starken Torhütern. Die Torausbeute war trotzdem enorm - die Härte allerdings auch, denn mehrfach wurde die Grenze des Erlaubten überschritten.
Beide Teams boten von Anfang an weitgehend ein Duell auf Augenhöhe. Zwar legte Minden immer wieder vor, doch die Coburger behielten auch dank der lautstarken Kulisse kühlen Kopf und ließen sich lange nicht abschütteln (11:11/22.).


HSC 2000 Coburg gegenTSV GWD Minden 29:31 (13:16)

Die vielen Zuschauer kamen auf ihre Kosten, waren phasenweise begeistert und zollten immer wieder Applaus auf offener Szene, weil beide Teams bis zum Schluss tollen Handball boten.

1:06 Minuten waren gespielt, da durften die Coburger Fans Platz nehmen. Florian Billek warf das erste Tor. Die Anfangsphase war atemberaubend. Nach gut zehn Minuten stand es schon 7:7, auch weil Coburgs "Kiwi" viermal traf. Es ging Schlag auf Schlag, Pech hatte Torsteher Kuhlanek, weil er nach tollen Paraden dreimal im Nachwurf bezwungen wurde.

Mit dem trickreichen Doder - eine Augenweide dem schon 37-Jährigen zuzuschauen - auf der Mittelposition wirkte das Angriffspiel der Ostwestfalen insgesamt strukturierter und effektiver. Das Zusammenspiel vor allem mit seinen beiden "Halben" Bilbija und Rambo funktionierte gut (11:13/24).

Die Coburger Abwehr hatte ihre liebe Mühe. Obwohl mächtig hingelangt wurde, kam der Mindener Positionsangriff zunehmend besser ins Rollen (12:15/27.). Coburgs Trainer Jan Gorr reagierte und nahm eine Auszeit. Erschwerend kam für sein Team hinzu, dass das Rückzugverhalten der Gäste erstklassig war und Torsteher Sonne-Hansen einen glänzenden Tag erwischte. Er krönte seine starke Leistung vor der Pause mit einem gehaltenen Siebenmeter gegen Gerlich (28.).

Kuhlanek stand ihm da im Gegenzug aber nicht nach und parierte ebenfalls einen Wurf vom Strich. Doch so sehr sich Riehn und Harmandic, der oft hart genommen wurde, auch um einen ordentlichen Aufbau bemühten, Minden hatte stets die passende Antwort parat. Mit viel Entschlossenheit stemmte sich der Noch-Spitzenreiter in der Endphase des ersten Durchgangs aber trotzdem gegen diese selbstbewussten Mindener, so dass der HSC zur Pause "nur" mit 13:16 zurücklag.

Wie verwandelt kehrte der Gastgeber aufs Parkett zurück. Krechel war bei den ersten beiden TSV-Angriffen zur Stelle und Billek eröffnete mit drei Treffern erneut den Torreigen (17:18/34.) für Coburg. Als Dominik Kelm in Überzahl wenig später den Ausgleich erzielte glich die Halle einem Tollhaus.

Das Spiel stand jetzt Spitz auf Knopf. Immer wieder lag Minden mit einem Tor vorn und Coburg glich postwendend aus (22:22/45.).

Und dann fiel sogar die lang ersehnte HSC-Führung: Florian Billek - wer sonst - war bei einem Konter zur Stelle und Gästecoach Frank Carstens warf anschließend sofort die grüne Time-Out-Karte auf den Zeitnehmertisch (46.). Danach ließen die Gäste nicht locker und reagierten auf die Leistungssteigerung der Coburger im Stile einer absoluten Spitzenmannschaft. Unbeeindruckt hielten die "Grünen" weiter die Konzentration hoch und minimierten bei lang ausgespielten Angriffen Ballverluste.

Die Vorentscheidung in der HUK-Arena fiel ausgerechnet bei einer HSC-Überzahlsituation. Mindens Starspieler Doder lochte zweimal ein. Gorr unterbrach mit einer Auszeit den "Lauf" der Gäste (50.). Mit Erfolg: Drei Minuten vor Schluss gelang Harmandic noch einmal der Ausgleich (28:28), ehe Billek mit einen Wurf an den Außenpfosten das 29:29 verpasste. Eine gute Minute vor der Schlusssirene war die Messe dann gelesen (28:30), obwohl die Anzeigetafel in diesem Moment fälschlicherweise 29:29 anzeigte.

Das Spiel lieferte das, was sich die Fans im Vorfeld erwartet hatten.

Beide Teams schenkten sich nichts, es wurde um jeden Zentimeter gekämpft und es blieb lange Zeit eng - am Ende mit dem besseren Schluss für die nach wie vor ungeschlagenen Ostwestfalen.


HSC Coburg gegen TSV GWD Minden 29:31 (13:16)

HSC 2000 Coburg: Kulhanek, Krechel - Hagelin, Wucherpfennig, Kelm (4), Gerlich (4/4), Kirchner, Vitek, Riha, Coßbau (2), Billek (7), Riehn (3), Harmandic (4), Kirveliavicius (5).
Siebenmeter: 5/4. - Zeitstrafen: 3 - Trainer: Jan Gorr.
TSV GWD Minden: Eijlers / Sonnen-Hansen - Bilbija (4), Svitlica (7), Larsson (4), Schäpsmeier, Doder (4), Sjöstrand (4), Südmeier, Rambo (6), Freitag (2), Kolzlina, Torbrügge, Jernemyr.

Siebenmeter: 2/1. - Zeitstrafen: 7 - Trainer: Frank Carstens. - SR-Duo: Tobias Tönnies / Robert Schulze. - Zuschauer: 2605.