HC Erlangen gegen HSC 2000 Coburg - nicht irgendein zweitklassiges Handballspiel. Wenn sich diese beiden fränkischen Rivalen in zehn Tagen in der Nürnberger Arena zum Spitzenspiel der 2. Liga gegenüberstehen, ist jede Menge Brisanz geboten.
In diesem Duell geht es aller Voraussicht nach nicht nur um die Tabellenführung in der 2. Bundesliga, sondern kurzfristig auch um die Vormachtstellung im fränkischen Handball. Aber bereits im Vorfeld gibt es da das eine oder andere Scharmützel.
"Wir bekommen aus Erlangen gerade mal 230 Karten, bestellt hatten wir 350", schimpft HSC-Pressesprecher Thomas Apfel.


Sonderzug nach Nürnberg

Und das Interesse ist tatsächlich rießengroß. Der HSC plant für seine vielen Fans deshalb sogar einen Sonderzug vom Coburger Bahnhof zur Nürnberger Haltestation Frankenstadion, denn der zu erwartende Handballkrimi zwischen dem derzeit Führenden der Tabelle (HSC) und seinem schärfsten Verfolger (HCE) findet nur einen Steinwurf weit weg vom Bundesliga-Stadion der "Clubberer" statt. Rund 400 Fans würden gerne "auf diesen Zug aufspringen" und zum Zweitliga-Schlager fahren.
In der über 10 000 Plätze fassenden Halle, in der normalerweise die Nürnberg Ice Tigers dem Puck hinterher jagen und in die der HC Erlangen letzte Saison in der 1. Bundesliga mit 8308 Handballfans "volle Hütte" gegen den THW Kiel hatten, wäre genügend Platz für alle. Doch so viele Zuschauer werden am Samstag, 17. Oktober um 19.30 Uhr nicht reinkommen.
"Die Erlanger favorisieren leider nur die kleine Lösung und so können nicht alle Plätze freigegeben werden", weiß Wolfgang Heyder. Aus diesem Grund werden wahrscheinlich nur maximal 3200 Handballfreunde in den Genuss des Frankenderbys kommen.


Heyder: "Das ist sehr schade"

Das findet in HSC-Kreisen nicht nur der Manager "sehr schade": "Es gäbe neben der ganz großen Variante auch noch eine dritte Möglichkeit, die rund 5000 Fans Platz bieten würde, meint Heyder, der die Arena aus seiner Zeit als Basketball-Manager bei den Brose-Baskets sehr gut kennt.
Stefan Adam, Geschäftsführer des HC Erlangen, versteht die ganze Aufregung im Vorfeld des Spiels nicht und gibt sich gelassen: "Wir kommunizieren regelmäßig mit Coburg, und alles läuft in geordneten Bahnen".
Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt er, dass die Entscheidung, nämlich nicht die gesamte Kapazität der großen Halle zu nutzen, getroffen wurde, allerdings noch nicht endgültig sei: "Wir könnten relativ kurzfristig reagieren und die große Version anbieten". Der Vorverkauf laufe derzeit sehr gut.


Doch noch die große Variante?

Wenn die Nürnberger Arena tatsächlich komplett geöffnet wird, was in HSC-Kreisen stark bezweifelt wird, bekämen definitiv alle Interessierten Karten für dieses außergewöhnliche Spiel. Allerdings mache das nach den Worten Adams bei 3400 Zuschauern wenig Sinn. Es müsse sich schon rechnen, denn die große Variante koste den Erlangern deutlich mehr Geld.
"Der Aufwand ist größer, wir brauchen mehr Personal. So einfach ist das nicht", verdeutlicht Adam, der die Aufregung rund um das Ticketing nicht teilt.
"Es gibt Regeln, und daran halten wir uns. Wir haben sogar mehr Karten als von der HBL vorgeschrieben den Coburgern zur Verfügung gestellt. Das wird beim Rückspiel in Coburg nicht anders sein. Das ist doch ganz normal". In Zahlen bedeutet das bisher 230 "Coburger Tickets".
Nach den Worten Adams wären auch 160, also fünf Prozent vom Fassungsvermögen/3200 - ausreichend gewesen. "Wir sind fair und tun, was wir können".


Keine Tickets für Coburger

Wer derzeit Karten im Internet über die Homepage des HC Erlangen ordern möchte, hat nach Angaben von Thomas Apfel dann Probleme, wenn er die Postleitzahl von und um Coburg eingibt: "Die haben uns geblockt", schimpft der Mann von der Pressestelle, der auch als Hallensprecher bei Heimspielen des HSC fungiert. "Wir haben uns bisher mit allen Klubs kooperativ gezeigt und immer 500 Karten für den Gastverein zur Verfügung gestellt. Erlangen macht das leider nicht".


Zuerst kommen die eigenen Fans

Aber auch mit diesem Vorwurf räumt Adam sehr schnell auf. Es sei doch ganz normal, dass der Heimverein in erster Linie den Kartenwünschen seiner eigenen Fans Rechnung tragen möchte. Aus diesem Grund werden im Internet derzeit auch keine Kartenbestellungen aus Coburg angenommen. "Das wird beim Rückspiel in Coburg sicher nicht anders praktiziert werden. Das ist doch das gute Recht eines jeden Heimvereins", ergänzt Adam etwas verwundert.


Keine Live-Bilder aus Erlangen

Für all diejenigen, die keine Karte ergattern, plante der HSC 2000 Coburg mit Unterstützung seiner Sponsoren einen Live-Stream anzubieten. Der Frankenschlager sollte im Internet, so wie in der Vergangenheit schon mehrfach bei besonderen HSC-Spielen vom Regionalsender itv-Coburg praktiziert, zeitgleich verfolgt werden können.
Doch auch bei dieser Aktivität, die nach Überzeugung Heyders und Apfels eine "sehr gute Sache für den Handballsport im Allgemeinen" gewesen wäre, hätte der HC Erlangen einen Riegel vorgeschoben: "Wir verstehen das nicht. Angeblich macht Erlangen hier von seinem sogenannten Hausrecht in der Arena Gebrauch", klagt Apfel.
Und tatsächlich ist es so, dass Adam in diesem Zusammenhang auf bestehende Fernsehrechte verweist und einer Live-Übertragung durch einen Coburger Sender eine deutliche Absage erteilt. "Wir haben Medienpartner, die bei all unseren Heimspielen eine Vor- und Nachberichterstattung anbieten. Auch der Bayerische Rundfunk hat sich für das Derby angemeldet und wird berichten. Es werden ausführlich Bilder zu sehen sein". Mit Rücksicht auf die eigenen Partner und die Rechteinhaber könne man keiner Live-Übertragung zustimmen. Die Leute von itv Coburg könnten gerne kommen, aber eben nicht live senden.
Etwas gewundert habe man sich beim HC Erlangen, so Adam, dass der Coburger Sender bereits damit geworben habe, live zu berichten. Das sei der falsche Weg, "die hätten erst einmal bei uns anfragen müssen", erklärt Adam abschließend.
Heyder spricht in diesem Zusammenhang von einer "verpassten Chance", denn seiner Meinung nach hätte dieses Spiel der breiten Öffentlichkeit zugängig gemacht werden können: "itv hätte meinen Informationen nach, den Stream den Kollegen vor Ort sogar kostenlos zur Verfügung gestellt".
Zumindest einen Machtkampf - wenn es denn einen solchen überhaupt gegeben hat - haben die Coburger gegen den finanziell besser aufgestellten Rivalen bereits am "Pokertisch" gewonnen. Das angeblich intensive Werben der Erlanger um Rechtsaußen Florian Billek war vergebens. "Angeblich" deshalb, weil Stefan Adam gestern gegenüber dem Tageblatt erklärte, dass es ein solches Angebot an Billek gar nicht gab. Fakt ist, dass der Coburger Publikumsliebling, wie bereits gemeldet, inzwischen einen "Rentenvertrag" bei den Vestestädtern unterschrieb. Er hat sich für weitere fünf Jahre bis 2021 an den HSC gebunden und nach eigenen Angaben dem HC Erlangen eine Absage erteilt.
Heyder ist darüber sehr stolz und verkündete: "Das ist in unserer Zeit sehr außergewöhnlich, denn er verzichtet auf viel Geld, das ihm von Erlangen geboten wurde...".
Der erfahrene Manager, der nach Aussagen seiner Mitarbeiter mit allen Wassern gewaschen sei, lässt derzeit also tatsächlich keine Gelegenheit aus, um vor dem direkten Vergleich bei dem seiner Überzeugung nach "absoluten Meisterschafts-Topfavoriten" die Stimmung zusätzlich ein wenig anzuheizen.