Die Musikgeschichte erscheint manchmal als eine reichlich ungerechte Richterin. Zwei Komponisten, die auf unterschiedliche Weise unfair behandelt wurden von der Musikgeschichte, kombinierte das gut besuchte 3. Kammerkonzert des Landestheaters im Coburger Rathaussaal. Gewidmet war das Programm zwei Klavierquintetten britischer Komponisten - Beitrag zu den britischen Wochen, mit denen das Landestheater in Zeiten des immer skurriler anmutenden Brexit-Wahns das Doppeljubiläum von Queen Victoria und Prinz Albert zum 200. Geburtstag würdigt.

Klavierquintett von Frank Bridge

Den Auftakt bildete das Klavierquintett von Frank Bridge - einem Komponisten, der in der musikalischen Öffentlichkeit zumindest in Deutschland gleichsam nur indirekt überlebt: durch seinen berühmten Schüler Benjamin Britten, der einst Variationen über ein Thema von Frank Bridge geschrieben hat. Dass Bridge freilich nicht nur als Lehrer bedeutsam war, sondern ein gewichtiges, wenn auch nicht übertrieben umfangreiches eigenes Schaffen hinterlassen hat, bewies sein Klavierquintett, das 1905 in einer viersätzigen Fassung entstand und 1912 in einer gekürzten dreisätzigen Neufassung entstand.

Mit intensivem Ausdruck

Das Quintett mit Shoko Okushiba, Judith Volz (Violinen), Annemarie Birckner (Viola), Johannes Keltsch (Cello) und Kyoko Frank (Klavier) erwies sich schon bei diesem Werk als durchweg homogen agierendes Ensemble. Mit schwelgerischem Wohlklang und dennoch klar in den Konturen interpretierten sie dieses spätromantisch gefärbte Quintett - fein differenziert in der Dynamik und mit großer Intensität des Ausdrucks.

Einseitiges Urteil über Elgar

Reichlich einseitig ist das Urteil der Musikgeschichte in Deutschland auch über Edward Elgar und sein Schaffen ausgefallen. Wer auf die Konzertpläne schaut, könnte meinen, Elgar habe neben den "Enigma-Variationen" nur jenen Marsch geschrieben, der unter dem Etikett "Pomp and Circumstance" zur heimlichen Nationalhymne Englands avancierte.

Spätromantischer Stil

Dass es freilich neben klangvoller Orchestermusik und Oratorien auch interessante kammermusikalische Werke gibt, belegt sein Klavierquintett a-Moll aus dem Jahr 1919. Das in spätromantischem Stil gehaltene Werk ist - ebenso wie das Quintett von Bridge in seiner zweiten Fassung - dreisätzig angelegt. Die schwelgerische Melodik, die üppige Klangsinnlichkeit, die dieses Werk auszeichnet, war in der intensiven, detailgenau gestalteten Wiedergabe auf packende Weise zu erleben.

Der Blick für die formalen Zusammenhänge des ausgedehnten Quintetts beeindruckte ebenso wie das präzise Zusammenspiel und die Fähigkeit, gestalterische Impulse zwischen den einzelnen Stimmen aufzunehmen und fortzuspinnen.

Britische Musik im Rathaus der ehemaligen herzoglichen Residenzstadt Coburg - ein klingendes Symbol dafür, dass die Kunst tatsächlich Brücken dort schlagen kann, wo die Politik Mauern baut und Grenzen verstärkt.

Rund um die Konzerte des Landestheaters

Die nächsten Termine Kinderkonzert "A Little Tea Party", Freitag, 22. Februar, 10 Uhr, Dienstag, 26. Februar, 10 Uhr, Spiegelsaal Landestheater Coburg. -

Sinfoniekonzert Werke von Brahms und Mozart, Leitung Johannes Klumpp, Montag, 11. März, 20 Uhr, Kongresshaus

Frank Bridge Das Klavierquintett des britischen Komponisten Frank Bridge (1879 bis 1941) liegt in zwei Fassungen vor - der viersätzigen Erstfassung von 1904/05, und der dreisätzigen Zweitfassung von 1912. Sein Schaffen umfasst neben einigen Orchesterwerken vor allem Kammermusik.

Edward Elgar (1857 bis 1934) vollendete sein Klavierquintett a-Moll im Jahr 1919. Elgars Schaffen umfasst neben zahlreichen Orchesterwerken ("Enigma-Variationen", 2 Sinfonien, Cellokonzert e-Moll, Schauspielmusiken) auch eine Reihe von Oratorien.

Ticket-Vorverkauf für Konzerte des Landestheaters in der Tageblatt-Geschäftsstelle und an der Theaterkasse.