Für das Landestheater Coburg wird der 9. April zum Feiertag: Am Palmsonntag hebt sich der Premierenvorhang für Richard Wagners "Parsifal". Erstmals seit den 1920er Jahren wird das als Bühnenweihfestspiel bezeichnete Werk in Coburg wieder zu sehen sein. Regie führt Jakob Peters-Messer, der bereits mehrfach sehr erfolgreich im Haus am Schlossplatz gastierte - zuletzt im vergangenen Jahr mit dem "Rosenkavalier".

"Parsifal" wird wegen seiner in weiten Teilen statisch wirkenden Anlage gern als heikel zu inszenierendes Werk bezeichnet. Wie schwierig ist das Werk aus Ihrer Sicht?
Jakob Peters-Messer: Eigentlich gar nicht schwierig. "Parsifal" ist einfach zu inszenieren. Schwierig ist daran nur, von der Konzeption her einen Zugang zu finden. Man muss wissen was man machen will, dann kann man "Parsifal" fast wie ein Schauspiel inszenieren.

Welche Erfahrungen als Wagner-Regisseur bringen Sie mit?
Einige. Den "Fliegenden Holländer" habe ich in Wuppertal und kürzlich in Dessau gemacht, "Tristan" in den Niederlanden und "Tannhäuser" vor vielen Jahren in Dortmund. "Tannhäuser" war aber, glaube ich rückblickend, nicht so ganz gelungen damals.

Welchen Stellenwert hat "Parsifal" für Sie?
"Parsifal" gehört zu meinen Lieblingsopern. Ich habe das Werk schon vergleichsweise oft gesehen, darunter allein zwei Inszenierungen bei den Bayreuther Festspielen.

Seit wann wussten Sie, dass Sie "Parsifal" am Landestheater inszenieren werden?
Seit gut einem Jahr. "Parsifal" war schon länger im Gespräch. Wobei wir uns immer wieder gefragt haben: Lässt sich das an einem Theater dieser Größe eigentlich machen?

Wie groß ist das Problem, Massenszenen auf einer kleinen Bühne wie der Coburger sinnvoll zu bewegen?
Eigentlich gar nicht so groß. Weil wir nie den ganzen Chor auf der Bühne haben müssen. Denn Frauen- und Männerstimmen singen eigentlich immer getrennt. Bei unserer Bühnenbild-Lösung haben wir ganz bewusst gar nicht versucht so zu tun, als hätten wir eine Bayreuther Bühne.

Wie lässt sich das Bühnenbild beschreiben?
Inspiriert ist es von einem Kunstwerk, dass ich vor einiger Zeit in einem Museum gesehen habe - ein Trichter mit einer eingestürzten Treppenkonstruktion und mit einem Ausblick ins Licht.

Wie würden Sie "Parsifal" formal beschreiben?
Das ist eine Oper, die keine Oper sein will. Es geht um Religion und Kunst. Da passt ein Kunstraum als Bühnenbild ganz gut.

Wo liegt für Sie die besondere Herausforderung als Regisseur? Was ist das zentrale Thema Ihrer Inszenierung?
Es gibt kaum ein Stück, über das so viel geschrieben wurde. Der Gral, die Suche nach dem Gral - das ist im Grunde eine Sinnsuche, eine Suche nach dem Sinn des Lebens. Und Parsifal ist die Figur, die diesen Weg geht, ein ganz unbedarfter junger Mann am Anfang.

In Ihrer Inszenierung singt Michael Bachtadze den Amfortas und den Klingsor, also den Gralskönig und seinen Gegenspieler. Wie funktioniert das?
Das bietet sich durchaus an, weil beide Rollen gar nicht so umfangreich sind, auch wenn Amfortas und Klingsor vom Stimmtypus her doch sehr unterschiedlich sind. Diese Lösung bietet die Möglichkeit, im 2. Akt beide Figuren sehr spannend zusammen zu führen.

Heiliger Gral, asketische Grals-Ritter, böser Zauberer, dazu ein wundersamer Speer - was hat das mit Menschen des 21. Jahrhunderts zu tun?
"Durch Mitleid wissend", heißt es im Text - das ist die zentrale Aussage. Ob man freilich ein "reiner Tor" sein muss, wie Wagner geschrieben hat, ist eine andere Frage. Durch Empathie werden wir bessere Menschen - darum geht es. Parsifal ist der utopische Mensch. Er erlebt die ganze Fülle des Lebens und erreicht am Ende eine neue Ebene des Bewusstseins.

Wie lassen sich die Kostüme einordnen?
Sie sind äußerlich einfach und nicht historisch, haben aber trotzdem mit unserer Zeit zu tun, einer Zeit der Zerstörung der Welt. Im Grunde ist "Parsifal" ein unglaublich aktuelles Stück: Menschen auf der Suche nach dem Sinn ihrer Existenz.



Sie bringen Richard Wagners "Parsifal" nach Coburg


Premieren-Tipp "Parsifal" - Bühnenweihfestspiel von Richard Wagner, Sonntag, 9. April, 16 Uhr

Produktionsteam
Musikalische Leitung: Roland Kluttig
Inszenierung: Jakob Peters-Messer
Bühnenbild und Lichtgestaltung: Guido Petzold
Kostüme: Sven Bindseil
Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio
Dramaturgie: Renate Liedtke

Besetzung
Amfortas: Michael Bachtadze
Titurel: Felix Rathgeber
Gurnemanz: Michael Lion
Parsifal: Roman Payer
Klingsor: Michael Bachtadze
Kundry: Tünde Szaboki
2. Gralsritter: Felix Rathgeber
1. Knappe: Nadja Merzyn
2. Knappe: Verena Usemann
3. Knappe: Dirk Mestmacher
4. Knappe: David Zimmer
Klingsors Zaubermädchen (1. Gruppe): Julia Da Rio, Anna Gütter, Verena Usemann
Klingsors Zaubermädchen (2. Gruppe): Ana Cvetkovic-Stojnic, Nadja Merzyn, Kora Pavelic
Alt-Solo Kora Pavelic

Chor und Extra-Chor des Landestheaters
Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg

Termine 13. April, 17 Uhr, 16., 23., 30. April, 16 Uhr, 15. Juni, 17 Uhr, 18., 25. Juni, 16 Uhr
"Parsifal" in Coburg Am 10 Mai 1883 und damit bereits im ersten Jahr nach der Uraufführung in Bayreuth wurden in einem Konzert in Coburg das Vorspiel und der Karfreitagszauber aus Parsifal gegeben. 1920 gab es die erste und bislang einzige szenische Aufführung.

Jakob Peters-Messer hat bereits mehrfach am Landestheater gearbeitet. So inszenierte er Glucks "Iphigenie auf Tauris" im Herbst 2010. Im Juni 2012 folgte Händels "Rinaldo". Die Ausstattung stammte wie bei "Pelléas et Mélisande" im April 2014 von Markus Meyer (Bühnenbild) und Sven Bindseil (Kostüme). Zuletzt hatte Peters-Messer den "Rosenkavalier" im März 2016 sehr erfolgreich auf die Bühne des Landestheaters gebracht. Seit 1994 arbeitet Jakob Peters-Messer als freischaffender Regisseur.

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