Der Förderverein Kleinkunst und Varieté im Raum Coburg ist zwar Veranstalter, übernimmt aber keine Haftung. Das steht tatsächlich so auf dem Programmblatt zur Premiere von "Das Volksfest" in der Rudolf-Steiner-Schule. - Gut zu wissen. Womöglich käme nach dieser Uraufführung tatsächlich einer auf die Idee, den Veranstalter zu verklagen.
Aber Spaß beiseite, wir sollten dieses "Schau-Spiel" von Volkmar Günther und Valentin Fruntke einfach als das nehmen, was es ist, ein (allerdings nicht immer lustiger) Studentenscherz. Den die Macher aber selbst offensichtlich ernst nehmen. Denn eingerichtet ist die Folge abstruser Szenen in der schönen holzverkleideten Aula der Steiner-Schule weitgehend professionell; dargestellt ist sie souverän und auftrittsicher von Luise Leis, Maximilian Kurth, Dominik Tippelt und Christof Stier, dem Jugendclub des Landestheaters längst entwachsen, und der ausgebildeten Musicaldarstellerin Marie-Sophie Weidinger. Dass die ganze Bande ihrem Namen "Caramellintravenoes" entsprechend tatsächlich wie im Zuckerschock agiert (heute und morgen Abend nochmals), ist über die eineinhalb Stunden Aufführungsdauer deutlich zu spüren.


Provokation halt

Also, was geschah? Das ist eben gar nicht so einfach zu sagen. Denn um ein Schauspiel handelt es sich selbstverständlich nicht. Viele diverse Szenen, mal eher komisch, durchaus auch sehr beklemmende, werden bei immer wieder geschlossenem Vorhang musikalisch von der heftig wallenden "Moldau" abgegrenzt. Ganz üble Nazireden, ohne weitere Einordnung, dann wieder sind wir bei einem brutalen Verhör samt Bestrafungsaktion vor stalinistischem Hintergrund. Gedichte wirken - auch bewusst zynisch ganz daneben. Zunehmend überlagern sich die Texte, die Bruchstücke, bis sich zum Schluss die Worte auflösen.
Auf dem Programmblatt wird etwas von Duchamp und Ready-made und ästhetischem Eigenwert eines Gegenstandes erklärt, hier aufs Theater übertragen, politische und historische Szenen allein auf ihren ästhetischen Eigenwert hin betrachtet. Allein von der Bühne her erkennen und verstehen kann man das nicht. Und Konstellationen allein um der Kunst willen betrachten und öffentlich darstellen, geht selbstverständlich irgendwann nicht mehr, etwa bei der Szene mit dem unter mörderischen Tiraden über den Gasöfen Geburtstag feiernden Lagerkommandanten. Aber wenn man 20 oder so ist, lockt die Provokation. Wär's neu, wär`s schlimm. Kennen wir aber, was die Frage der Legitimität keineswegs klärt.
Ebenso wie uns die bewusste Zertrümmerung der theatralen Aufführungssituation nicht fremd ist, schon das ganze 20. Jahrhundert hindurch. Also applaudieren wir halt schon zum Auftakt, ins Unbekannte hinein, und werden zum Schluss von den (über-)ambitionierten Theatermachern einfach hocken gelassen, während sich die Truppe übergangslos auf der Bühne Pizza bestellt. - Och Mensch, Kinner. Ihr erwartet doch jetzt hoffentlich nicht, dass wir uns aufregen. Gewonnen ist bei all dem ja nix, außer dass sich junge Leute ausprobieren durften.