Jeder Mensch hinterlässt Spuren, wo er geht und steht. Selbst, wenn er nur wenige Augenblicke an einem Ort verweilt, hinterlässt er Haare, Hautschüppchen, Speichel, Fingerabdrücke. Von Peter G. und Paul K., die am 12. Dezember 2013 Wolfgang R. in dessen Haus in Beiersdorf getötet haben, gibt es am Tatort dennoch längst nicht so viele Spuren, wie man als Laie vielleicht vermuten würde. Unter den hunderten von Fingerabdrücken und DNA-Spuren im Haus und am Körper des Opfers sind nur wenige, die eindeutig den beiden Mordverdächtigen zugeordnet werden können, wie der Bericht von Gutachter Stephan Seidl gestern im Prozess vor dem Landgericht zeigte.

Tresor nur selbst berührt

In den Stunden und Tagen nach der Tat hatten sich die Kriminaltechniker durch das Einfamilienhaus im Eichenweg gearbeitet.
In den Räumen im Keller und im Erdgeschoss sicherten sie Hunderte von Spuren - Fingerabdrücke per Klebebandabzug, DNA-Spuren per Abrieb. In den Kellerräumen stammen die Finger- und DNA-Spuren größtenteils von Wolfgang R., an einigen Stellen fanden sich aber auch Hinweise auf seine Lebensgefährtin Maria S., die den Mord in Auftrag gegeben haben soll. Einen Tresor, den Wolfgang R. in seinem Heizungsraum aufbewahrte, hat er den Spuren zufolge allerdings nur selbst berührt. Hier fand sich laut dem Rechtsmediziner von der Universität Erlangen-Nürnberg kein Hinweis auf die vier Angeklagten.

In einem weiteren Raum im Keller hatte der getrennt lebende Ehemann von Maria S. Spuren hinterlassen. Allerdings, darauf wies Vorsitzender Richter Gerhard Amend noch einmal ausdrücklich hin, hatte Helmut Erhard S. dort einige Zeit vor der Tat mehrmals übernachtet. "Wie lange halten sich denn solche Spuren?", wollte der Anwalt von Peter G., Till Wagler, in diesem Zusammenhang wissen. Seidls Antwort: "Ewig!"

Dass von Peter G. und Paul K. im Keller nichts gefunden wurde, bedeute aber nicht zwangsläufig, dass sie nicht dort gewesen seien, fragte Amend nach. Seidl bestätigte diese Einschätzung. Die beiden Angeklagten hatten angegeben, sie hätten Handschuhe und Sturmhauben getragen, als sie Wolfgang R. den nächtlichen Besuch abstatteten. Da könne es durchaus sein, dass eben keine Haare oder Speichelreste am Tatort zurückblieben.
Am Geldfach einer Geldbörse im Schlafzimmer wurden dagegen Spuren gefunden, die von Paul K. stammen könnten - wohlgemerkt "könnten". Sicher sei das nämlich nicht. Bei der Spurenanalyse spielen auch Wahrscheinlichkeiten und sehr große Zahlen eine entscheidende Rolle. Doch beim Begriff Quintillion (eine Eins mit 30 Nullen) musste sogar Gutachter Seidl zugeben: "Dieses Wort habe ich vorher nicht gekannt."

Auch den toten Wolfgang R. selbst hatten die Ermittler auf Spuren der Angeklagten untersucht. Am Schlafanzug, den R. trug, fand sich laut Seidl nichts. Am Unterkörper des Opfers stellten die Spezialisten Spuren von Paul K. fest, allerdings seien diese "ganz schwach".

Ganz anders sieht es mit den Schuhen aus, die der 23-Jährige in der Tatnacht getragen hatte. Obwohl die Ehefrau von Peter G. noch in der selben Nacht Kleidung und Schuhe der beiden Täter in die Waschmaschine gesteckt hatte, fanden die Ermittler noch verwertbare Spuren des Opfers. An den Socken brachte die Substanz Luminol deutliche Blutspuren von Wolfgang R. zum Vorschein, ebenso an einem der Schuhe.

"Wie können die denn zustande kommen?", wollte die Verteidigerin von Paul K. wissen. "Durch Tritte!", antwortete Gutachter Seidl. Ob es nicht vielleicht Spritzspuren sein könnten, wie die Anwältin vermutete, musste Seidl verneinen. "Die Blutung muss massiv gewesen sein, wenn nach dem Waschen noch Reste von Blut gefunden werden können."

Neuer Terminplan

Mehrmals musste im Verlauf des Prozesses bereits der Zeitplan geändert werden. Ursprünglich waren für die Verhandlung vier Tage angesetzt, doch schon beim Auftakt am 26. November wurde schnell klar, dass man damit vermutlich nicht hinkommen würde.

In der vergangenen Woche wurde überraschend auch Helmut Erhard S. festgenommen, der bisher als einziger der vier Angeklagten auf freiem Fuß geblieben war. Peter G. und Paul K. hatten ihn beschuldigt, er und nicht Maria S. habe ihnen den Auftrag erteilt, Wolfgang R. eine "Abreibung" zu verpassen.

Der psychiatrische Sachverständige Cornelis Stadtland aus München wurde daraufhin von der Ersten Großen Strafkammer beauftragt, über den 57-Jährigen ein Gutachten abzugeben. Geplant war dies zunächst für den 23. Januar, wegen Terminverschiebungen kann Stadtland nun schon am 9. Januar Bericht erstatten. Damit könnten voraussichtlich am Freitag, 23. Januar, die Plädoyers gesprochen werden.

Die nächsten Termine: Mittwoch, 7. Januar, und Freitag, 9. Januar, jeweils um 10.30 Uhr; Freitag, 23. Januar, 9 Uhr, im großen Sitzungssaal am Landgericht.